Sozialforscher: "Der Mann ist oft der Dumme"

München - Erst verliert er Frau und Kind – und dann seine Gesundheit. Sozialforscher Prof. Albrecht Goeschel nennt die rund zwei Millionen Scheidungsmänner in Deutschland eine „Hochrisikogruppe“.

Bei den Männern jenseits der 40 Jahre ist der Anteil der kranken Geschiedenen besonders hoch. Doch damit nicht genug: Die deutschen Reha-Einrichtungen, so Goeschel, „sind voll davon“. Das hätten Befragungen zweifelsfrei ergeben. Der Wissenschaftler, der im Chiemgau lebt, aber auch in Italien und Russland lehrt, glaubt zu wissen, wer am meisten unter den Trennungsfolgen leidet: der moderne Mann. „Der stört doch nur“, erklärt er im tz-Gespräch. Der Mann, der sich auch nach dem Ehe-Aus noch um die Kinder kümmern will und emotional sehr an ihnen hängt, „ist oft der Dumme“.

Maximaler Unterhalt, aber minimaler Umgang – das ist für viele Männer Realität. Und macht sie krank. Sie leiden unter Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Magen- und Herzproblemen. Oder schaden sich selbst mit Alkohol und Zigaretten. Besonders hoch aber ist der Anteil psychischer Erkrankungen und orthopädischer Leiden. Die Erklärung des Experten: Deutschlands Männer wollen noch immer den Helden mimen. Sie reden nicht über ihre innersten Gefühle und Probleme. Sie bauen einen Panzer um sich rum, „versteinern innerlich“. Dieser seelische Panzer wird zu einer körperlichen Verhärtung und äußert sich etwa in chronischen Rückenbeschwerden.

Das Krankheitsrisiko nimmt mit der Zeit sogar zu. Schließlich kann ein Rosenkrieg oft Jahre andauern. Doch warum wirkt sich eine Scheidung überhaupt so deutlich auf die Männer-Gesundheit aus? Studien haben ergeben, dass ihnen eine feste Beziehung besonders gut tut. Liierte Männer sind viel gesünder als Singles. Eine Scheidung indes erhöht sogar das Sterberisiko. Zumindest statistisch.

Claudia Detsch

Rubriklistenbild: © dpa

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