Scheidungsanwalt im tz-Interview

"Ein Ehevertrag erspart viel Ärger"

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Dr. Clifford W. Heindl

München - Die Statistik klingt ernüchternd: In Deutschland gingen allein im vergangenen Jahr 187 600 Ehen in die Brüche. Das tz-Interview mit dem renommierten Münchner Scheidungsanwalt Dr. Clifford W. Heindl.

Wie wird das gemeinsame Vermögen im Scheidungsfall verteilt?

Dr. Heindl: Wenn kein Ehevertrag existiert, greift die gesetzliche Regelung der Zugewinngemeinschaft. Es wird festgestellt, was die beiden Ehepartner bei der Hochzeit besessen haben, und wie sich dieses Vermögen seitdem entwickelt hat. Als Stichtage gelten das Datum der standesamtlichen Hochzeit und das Zustellungsdatum des Scheidungsantrags. Wenn es einen Vermögenszuwachs gibt, wird dieser inflationsbereinigt. Das bedeutet: Das Ausgangsvermögen wird mit der heutigen Kaufkraft verglichen und die Summe des Zugewinns entsprechend angepasst. Anschließend wird der Zugewinn geteilt.

Wie kann man sich für den Scheidungsfall wappnen?

Heindl: Immer mehr Paare schließen einen Ehevertrag ab. Sie sehen das als Präventionsmaßnahme an, damit es im Ernstfall keinen Rosenkrieg gibt. Sie wollen, dass die Verteilung des Vermögens bei einer Trennung gerecht geregelt ist.

Was kann man mit einem Ehevertrag regeln?

Heindl: Man kann zum Beispiel Gütertrennung vereinbaren. Das bedeutet, dass der Vermögenszuwachs – anders als im Fall der gesetzlichen Standardregelung – nicht geteilt wird. Manche Ehepaare fixieren auch eine so genannte „modifizierte Zugewinngemeinschaft“. Dadurch kann man bestimmte Vermögenswerte oder Einkunftsquellen aus der Zugewinngemeinschaft herausnehmen, zum Beispiel ein Haus oder Ersparnisse. Darüber hinaus kann man Unterhaltsansprüche festlegen – ebenso wie Fragen der gegenseitigen künftigen Rentenansprüche.

Was kostet ein Ehevertrag?

Heindl: Das richtet sich nach dem Vermögenswert. Einfache Eheverträge kosten in der Regel zwischen 1500 bis 5000 Euro. Wenn jemand sehr reich ist, dann können auch schon mal 10 000 Euro fällig werden, aber das ist die Ausnahme.

Wer hat Anspruch auf Unterhalt?

Heindl: In den meisten Fällen bekommen die Frauen Unterhalt. Die Männer müssen auf jeden Fall zahlen, bis das jüngste Kind drei Jahre alt ist. Wieviel Unterhalt für die Kinder zu bezahlen ist, regelt die Düsseldorfer Tabelle.

Hat sich das Scheidungsrecht in den letzten Jahren geändert?

Heindl: Ja. Seit dem 1.1.2008 gilt eine ganz wichtige Änderung. Die frühere so genannte Lebensstandardgarantie wurde abgeschafft. Sie besagte, dass der unterhaltsberechtigte Partner nach der Scheidung Anspruch auf den gleichen Lebensstandard wie während der Ehe hat. Nun gilt jedoch der so genannte Nachteilsausgleich. Das bedeutet: Es wird festgestellt, ob einem Ehepartner durch die Ehe ein beruflicher Nachteil entstanden ist. Ein Beispiel: Wenn eine Frau der Kinder wegen ihr Studium kurz vor dem Abschluss abgebrochen hat, wird das bei der Unterhaltsberechnung berücksichtigt. Wenn die Frau vor der Ehe beispielsweise als Verkäuferin gearbeitet hat, könnte sie auch nach der Scheidung wieder in ihren Beruf zurückkehren. Dann bekäme sie unter Umständen gar keinen Unterhalt.

Interview: Andreas Beez

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