Schiefer Christbaum soll ein Maibaum werden

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Unser Baum für Laim: Gerhard Krämer (links) und Helmut Scheuböck von den Maibaumfreunden Laim wollen den Christbaum vom Marienplatz.

München - Beiden war kein großes Glück beschieden: der Christbaum auf dem Marienplatz verspottet als „Hungerfichte“ und der Maibaumverein Laim, der seit Jahren erfolglos um einen Maibaum kämpft. Doch jetzt wird alles gut.

Die Christkindlmärkte der Region

In Laim bekommt wohl der schiefe Christbaum eine Chance, doch noch geliebt zu werden – als Maibaum. So ganz können es die Laimer unter dem Baum noch nicht glauben, dass er bald ihrer sein soll. „Da schaut doch jeder hin, wenn der vom Marienplatz kommt!“, sagt Helmut Scheuböck schon jetzt ein wenig stolz und blickt die 27 Meter hoch zur Spitze des Christbaums am Marienplatz. Wie es ausschaut, wird der einen alten Traum von Scheuböck und seinen Mitstreitern im „Laimer Maibaumverein“ erfüllen. Seit sechs Jahren kämpfen sie gegen viele Widerstände für einen Maibaum – erfolglos.

Für die Maibaumfreunde ist klar: Ein echter Stadtteil hat einen Maibaum – dort trifft man sich und feiert zusammen. So war das auch schon einmal in Laim. Nach dem Krieg aber schien die Tradition vergessen – bis Hans Rotter bei der Bürgerversammlung vor sechs Jahren ans Rednerpult trat. Während seiner Jugendzeit in Schwaben hatte er die Maibaumtradition lieben gelernt.

Die Bilder: Der Christbaum 2011

Die ersten Bilder: Der Christbaum 2011

So etwas fehlte in Laim, fand er. Einen Standort hatte Rotter auch schon im Auge: den Laimer Anger an der Agnes-Bernauer-Straße. „Ein Anger ist das nicht“, dachte Rotter, „da ist zu viel Beton.“ Die Bürgerversammlung stimmte seinem Antrag zu, ein Traditionsstangerl aufzustellen. Das Gleiche galt für die Stadtverwaltung – nur im Bezirksausschuss (BA) hatte man jahrelang Bedenken. „Nichts gegen einen Maibaum an sich“, betont BA-Chef Josef Mögele (SPD) heute. Es gab Sorgen wegen des Standorts, anderen Veranstaltungen am Platz, die gestört werden könnten und den Rechten des Architekten. Doch 2010 gab der BA den Argumenten des 2006 gegründeten Vereins nach – der Weg war frei für die Maibaumfreunde, die mittlerweile Maifeiern mit weit über 1000 Besuchern organisierten. Nur einer war nie da: ein Maibaum. Den hatten die Laimer auch dann noch nicht, als sie im Herbst 2010 „innerhalb von einem Tag!“, wie sie berichten, das Fundament errichteten – obwohl sie noch gar keinen Baum hatten.

In der Presse lasen die Mitglieder von der „Hungerfichte“, die aus Aschau im Zillertal als Christbaum gespendet worden war. 120 Jahre alt, 27 Meter hoch, sechs Tonnen schwer war die Fichte – und bei den Münchnern schnell ganz schön unbeliebt. Zu krumm, „zerfranst“ sei sie, räumte sogar Tourismus-Chefin Gabriele Weishäupl ein. Von dem „märchenhaften Ende“ eines „Zillertaler Urgesteins“, von dem eine Tiroler Zeitung kurz zuvor noch geschwärmt hatte, war keine Rede mehr. Stattdessen wurde bekannt, dass die Tiroler den Baum gefällt hatten, weil er bei starkem Wind eine Gefahr für die Anwohner dargestellt hätte. All das schreckte Hans Rotter nicht: Ein Christbaum vom Marienplatz als erster Maibaum in Laim – das wäre es!

Rotter fragte bei der Stadt nach – und steht auf Nummer eins der Liste. „Wenn sie sich entscheiden, dass sie ihn wollen, bekommen sie den Baum“, heißt es bei der Stadt auf Nachfrage unserer Zeitung. Den Baum wieder los zu werden, ist übrigens traditionell schwieriger als einen zu bekommen. Während die Warteliste von Orten in Bayern und Österreich, die einen Christbaum spenden wollen, bis ins Jahr 2025 reicht, wird der Baum, nachdem er ab dem 6. Januar von der Feuerwehr abgebaut wird, meistens entsorgt. Vor Jahren, erinnert man sich bei der Stadtverwaltung, endete schon mal ein Christbaum als Maibaum – am Rotkreuzplatz.

Jetzt deutet alles darauf hin, dass die Fichte bald in Laim steht. Unter den sechs Mitgliedern, die mit ihm gerade am Marienplatz stehen, hat Rotter schon mal „100 Prozent Zustimmung“ ausgemacht. Da sollte auch der Rest des Vereins zu überzeugen sein. „Die Zweige kommen ja eh weg, da kann man einen schönen Maibaum draus machen.“

So kommt die alte Fichte doch noch zu einer schönen letzten Bestimmung – teilweise. „Wir brauchen 16 bis 18 Meter“, sagt Hans Rotter. „Wir wollen ja keinen Weltrekord-Maibaum.“ Dass auch der Maibaum trotzdem etwas schief stehen dürfte, stört die Laimer nicht. „Dann trinken wir halt eine Mass mehr“, sagt Vereinsmitglied Helga Scheuböck. „Dann sieht das doch eh keiner mehr.“

Felix Müller

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