Verloren im Baustellen-Dschungel

Wirre Schilder: Pasinger wehrt sich gegen Strafe

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Wohin nun? Ein Pasinger wehrt sich gegen ein Bußgeld, weil er hier an der Planegger Straße rechts abgebogen ist.

München - Ein Pasinger ärgert sich über einen Strafzettel, der seiner Meinung nach nicht gerechtfertigt ist. In seinen Augen hat er nichts falsch gemacht - sondern ist eher Opfer des Münchner Baustellen-Dschungels.

Der 68-Jährige, den wir hier Peter Meier nennen, weil er lieber anonym bleiben will, kennt sich gut in Pasing aus. Er ist dort geboren und findet sich eigentlich in jeder Ecke zurecht. Man kann ihn also durchaus als ortskundig und somit auch straßenkundig bezeichnen - wie gesagt: eigentlich. Denn in letzter Zeit hat sich das gravierend geändert.

Der Pasinger Ortskern ist wie viele andere Teile in München eine Dauerbaustelle. Die Stadt München hat ein neues Verkehrskonzept entwickelt und das gilt es umgehend umzusetzen. Für die Autofahrer bedeutet das geänderte Straßenverläufe, Umleitungen, Stress. So manch einer erkennt seine Stammstrecke kaum wieder. So erging es auch Peter Meier vor einigen Wochen.


Rund um den Pasinger Bahnhof auf einer größeren Karte anzeigen

Der Pasinger war unterwegs in Richtung Lindauer Autobahn. Vom Pasinger Krankenhaus kommend musste er an der Institutsstraße nach links in die Planegger Straße (Einbahnstraße) abbiegen, weil er laut Beschilderung nicht - wie gewohnt - nach rechts abbiegen durfte. So gelangte Meier in die Planegger Straße, wo er wiederum nur die Möglichkeit hatte, nach links Richtung Bodenseestraße oder nach rechts Richtung Landsberger Straße zu fahren. Das war der Moment, in dem er sich fragte: "Soll ich mich nun wegbeamen?"

Zufahrt nur für Taxis und Linienverkehr - aber für welche Straße?

Denn in seinen Augen zeigten die Verkehrsschilder an, dass die Zufahrt weder in der einen noch in der anderen Straße erlaubt war. Nur Linienverkehr und Taxis durften in seinen Augen durchbrausen. Zurückfahren konnte er in der Einbahnstraße auch nicht, also traf er eine 50-50-Entscheidung - die falsche. Peter Meier bog nach rechts ab, wo bereits die Polizei wartete, die die Falschfahrer einsammelte. "Für mich war das einfach nicht erkennbar, wie ich da jetzt fahren soll", sagt Meier. Dass er nun auch noch ein Bußgeld von 20 Euro zahlen soll, das ist für ihn unglaublich ärgerlich. Die Verkehrs-Schilder an der Stelle bezeichnet Meier als "völlig abstruse Verkehrsführung".

KVR reagiert überrascht

Der 68-Jährige war so sauer, dass er den Vorgang detailliert dokumentiert hat. Gut so, mittlerweile ist an der Stelle nämlich überall Baustelle und schon wieder alles anders. Aber Meier hat Fotos und Brief unter anderem an Münchner Parteien, Kreisverwaltungsreferat (KVR) und Polizei geschickt, um Widerspruch gegen das Bußgeld einzulegen. Das war vor acht Wochen - reagiert hat niemand. "Das finde ich sehr ärgerlich", sagt Meier.

Im KVR ist man überrascht, dort ist Meiers Brief offenbar einfach verschütt gegangen, sagt eine Sprecherin auf Anfrage von merkur-online.de. Man vollziehe gerade nach, wie das passieren konnte. Zu der Beschilderung gibt es die Stellungnahme: Das Zufahrtsverbot bezieht sich auf die rechte Straße. Das sei auch eindeutig durch die Schilder gekennzeichnet. Verwirrend? Davon könne keine Rede sein.

Die Polizei darf sich zu dem Vorfall bisher nicht äußern, da es sich noch um ein laufendes Widerspruchs-Verfahren handelt. Das kann bedeuten: Möglicherweise bekommt Peter Meier Recht und muss die 20 Euro Strafe nicht bezahlen.

Wie auch immer, für den Pasinger ist klar, dass die Beschilderung eine Zumutung für die Autofahrer ist. Er erzählt, dass er sich damals noch extra an die Planegger Straße gestellt hat und gezählt hat, wie viele Autofahrer falsch abbiegen. "42 waren es. In einer halben Stunde."

Kathrin Garbe

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