Was ist beim Umzug zu beachten?

Raus aus der Schimmelbude!

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Riesiger Schimmelfleck, die meisten Klamotten sind hinüber. Rolf Heilemann hat Angst, dass er jetzt dafür zahlen soll

München - Was tun, wenn die gemietete Wohnung ohne eigene Schuld zur Schimmelbude verkommt, man selber aber ausziehen möchte? Die tz gibt wichtige Miet-Tipps.

Der Umzug steht an, Rolf Heilemann und seine Familie haben bereits eine neue Wohnung gefunden und die alte gekündigt. In den vier Wänden in Odelzhausen, wo sie aktuell noch wohnen, hatten sie zwei Wasserschäden: An den Fensterrahmen und -abdichtungen schimmelt es. „Auch im Kleiderschrank im Schlafzimmer stellten wir einen schimmligen Fleck auf der Rückseite fest“, sagt Heilemann. Deshalb informierte er den Vermieter. Der kam mit einem Handwerker, fand aber zunächst nichts. Heilemann: „Tags darauf warf man uns vor, wir würden nicht ausreichend lüften und heizen.“

Da sich die Heilemanns keiner Schuld bewusst sind, bauten sie den Schrank ab. Die Wand dahinter: dunkel verfärbt und fleckig, der Verputz löst sich ab. „Das ist ein gravierender Wasserschaden“, sagt Rolf Heilemann. Noch am selben Tag meldete er ihn dem Vermieter. „Aber es hat sich so gut wie nichts getan.“

Langsam wird Heilemann unruhig. Er steckt mitten in den Umzugsvorbereitungen, die Familie will zum 30. November raus. Rolf Heilemann möchte wissen, wo er rechtlich steht. Insbesondere geht’s ihm um die Frage, wer für den Schimmelschaden haftet. Die Rechnung für den fünf Jahre alten Schrank hat er noch, aber ihm fehlen Belege für den Wert einiger angeschimmelter Kleidungsstücke. Außerdem sorgt er sich, ob er die Miete für Dezember zahlen muss. Hintergrund: Die Kündigungsfrist läuft eigentlich bis Ende Dezember. Weil die Heilemanns aber schon ab Anfang Dezember eine neue Wohnung haben, baten sie darum, den Vertrag Ende November auslaufen zu lassen. „Wir erklärten uns bereit, uns um Nachmieter zu kümmern, aber der Vermieter fand selbst jemanden“, sagt Heilemann. So oder so: Die Heilemanns haben keine schriftliche Zusage dafür, dass sie vorzeitig aus dem Mietvertrag entlassen werden können.

Tatsache: Immer wieder haben Mieter beim Auszug größere Probleme. Deswegen gibt Anja Franz vom Mieterverein München hier die wichtigsten Tipps – für die Heilemanns und für alle anderen Mieter:

- „Es wäre ganz wichtig, dass es sich die Heilemanns schriftlich geben lassen, dass das Mietverhältnis zum 30. November endet“, rät Anja Franz. Dass sie sich bereit erklärten, sich um Nachmieter zu kümmern, helfe nicht. Der Mieter ist nur dann berechtigt, einen Nachmieter zu stellen, wenn das im Mietvertrag steht oder der Vermieter damit einverstanden ist.

- Vor der Übergabe sollten die Heilemanns alles fotografieren. Bei der Übergabe sollte ein Zeuge dabei sein. Zudem sei es gut, den Termin nicht erst auf 30. November zu setzen. „Falls Sie noch etwas machen müssen, besteht dann nicht die Gefahr, dass sie auch noch die Miete für Dezember zahlen müssen“, sagt Franz. Denn der Vermieter muss es dem Mieter ermöglichen, dass er Schäden, für die er haftet, selbst beseitigen kann. Wenn er dann aber die Wohnung nicht weitervermieten kann, darf er weiter Miete verlangen. „Nimmt der Vermieter allerdings den Schlüssel zurück, ist das ein starkes Indiz dafür, dass das Mietverhältnis beendet ist.“

- Bei Feuchtigkeitsschäden ist es immer ein Problem nachzuweisen, wer für den Schimmel verantwortlich ist, sagt die Mietrechtsexpertin. „Ist es der Mieter, weil es zu wenig heizt und lüftet? Oder haftet der Vermieter wegen eines Wasserschadens oder mangelhafter Bausubstanz?“ Oft sagen Vermieter, dass Möbel nicht zu nah an die Wand gestellt werden dürfen. „Das sollte einem zu denken geben“, rät Franz.

- Im Fall der Heilemanns ist die Sachlage wohl relativ klar, beruhigt Franz: „Der Feuchtigkeitsschaden wurde durch einen Wasserschaden in der Wand hervorgerufen. Die Mieter können nichts dafür.“ Sie müssen die Wand und die Fenster nicht reparieren und haben auch einen Schadenersatzanspruch für die durch den Schimmel beschädigten Gegenstände. Der betroffene Schrank ist ja wohl nicht mehr zu gebrauchen, auch die beschädigten Kleidungsstücke müssen – zumindest wertmäßig – ersetzt werden. Allerdings braucht man für die Geltendmachung eines Schadenersatzes Rechnungen für jeden einzelnen Gegenstand. „Das ist meist das größte Problem, da die niemand aufhebt.“ Am besten sei es deshalb, sich mit dem Vermieter auf eine Pauschale zu einigen. Meist habe der eine Versicherung für derartige Fälle.

S. Sasse

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