Mysteriöses Affen-Drama im Tierpark

Schimpansin Püppi ertrinkt im Wassergraben

“Püppi" ist gestorben

München - Die 19-jährige Schimpansendame “Püppi“ ist im Tierpark Hellabrunn in einem Wassergraben ertrunken. Der Vorfall ist mysteriös. Deshalb werden Zeugen gesucht.

Mittwochvormittag im Tierpark Hellabrunn, dutzende Schulklassen besuchen den Zoo. Plötzlich ein lautes Platschen am Rand des Affengeheges, gefolgt von Kinderschreien – zwei Pfleger rennen zum Wassergraben, machen eine grausame Entdeckung: Schimpansendame Püppi (19) treibt leblos am Grund! In Panik ziehen die Pfleger den Affen aus dem Wasser, versuchen ihn minutenlang mit einer Herz-Druck-Massage zu reanimieren. Vergeblich: Püppi ist tot!

Der Tierpark trauert um seinen Affenliebling. „Wir sind völlig fassungslos. Die Umstände dieses Unfalls sind vollkommen unklar“, sagt Zoodirektor Andreas Knieriem. Püppi kam vor acht Jahren nach Hellabrunn und war bei den Pflegern als nette und friedliche Schimpansendame beliebt.

Bei schönem Wetter spielte sie mit ihrem Gefährten Toni (50) im Außengehege auf der Wiese. Noch nie habe sie sich laut der Pfleger dem Wassergraben genähert. „Der hat sie überhaupt nicht interessiert.“ Was ist passiert, dass Püppi trotzdem so nah ans Wasser ging? Der Zoodirektor spekuliert: „Eventuell hat ein Besucher einen Gegenstand oder Futter zu ihr hingeschmissen und sie damit gereizt.“

Der 2,50 Meter tiefe Wassergraben – über ihm scheint ein Fluch zu liegen: Erst 2007 ist Schimpanse Franzl auf ähnlich mysteriöse Weise im Graben ertrunken (siehe unten). Danach erhöhte der Tierpark den Elektrozaun zwischen Gehege und Wasser auf 1,50 Meter. „Obwohl Püppi körperlich wenig aktiv war, ist sie da am Mittwoch irgendwie drüber gekommen“, bedauert Knieriem.

Tragisch: Als Püppi ins Wasser fiel, hat sie das Fangnetz offenbar nicht gesehen, das ebenfalls nach Franzls Tod installiert wurde, um Affen im Notfall Halt zu bieten. Da Schimpansen Nicht-Schwimmer sind, saugte sich Püppis Lunge sofort voll mit Wasser und sie sank wie ein Stein zum Grund.

Noch sei es laut Knieriem zu früh, um über Veränderungen des Wassergrabens und Fragen der Gehegesicherheit nachzudenken. „Wir sind sehr irritiert, dass sich bisher kein Besucher gemeldet hat, der was zum Unfall sagen kann.“ Der Tierpark bittet um Hinweise unter der Tel. 089 / 62 50 834 oder im Servicecenter am Flamingo-Eingang.

Der Tierpark musste in den vergangenen Jahren viele Tragödien verkrafen

Vier Tigerbabys verstoßen

Vor sechs Jahren sind gleich vier sibirische Tigerbabys kurz hintereinander gestorben. Drei sind verhungert, weil ihre Mutter sie nicht annahm: Die Babys waren zu schwach. Ein viertes Tier ertrank. Die Tigermutter hatte schon zuvor zwei Kinder, das Tierpark-Personal bemerkte die erneute Schwangerschaft mit den vier kleinen Tigern nicht.

Glasknochen-Krankheit bei kleiner Elefantenkuh

Dieses Jahr starb die kleine Lola, zwei Jahre zuvor bereits Jamuna Toni. Die kleine Jamuna litt an zahlreichen Knochenbrüchen am ganzen Körper – eine Glasknochen-Krankheit. Die untersuchenden Wissenschaftler waren von ihren Ergebnissen schockiert: „Wir haben mindestens 60 Brüche gezählt.“ Tausende Besuchern trauerten.

Franzl ertrank im Graben

Im Oktober 2007 ertrank gegen 15 Uhr der Schimpanse Franzl, der Chef seiner Affengruppe, im Wassergraben. Etliche Besucher sahen das dramatische Ende des 22 Jahre alten Affens – und waren empört, wie es zu Franzls Tod hatte kommen können. Der Zoo wehrte sich: Der Graben sei nur 1,50 Meter tief gewesen und falle nicht steil ab.

tz

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