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Schlachthof: Umzugspläne für Lkw-Waschanlage sorgen für Ärger

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Von: Bettina Ulrichs

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Die Waschanlage für Lastwagen befindet sich bislang am Viehhof.
Die Waschanlage für Lastwagen befindet sich bislang am Viehhof. © Marcus Schlaf

Auf dem Gelände des ehemaligen Viehhofs könnten 600 neue Wohnungen entstehen. Doch dafür müsste die Waschanlage für Lastwagen umgesiedelt werden. Möglicher neuer Standort wäre der Schlachthof. Doch Politiker und Anwohner haben Bedenken. Nicht nur wegen der Kosten.

Sowohl Vieh- als auch Fleischtransporter, die den Münchner Schlachthof anfahren, werden nach dem Entladen von innen gereinigt. Bisher passiert das Lkw-Waschen auf dem Viehhofgelände. Dort, wo einst Kälber, Schweine und Pferde gehandelt wurden, sollen aber bald rund 600 bezahlbare Wohnungen entstehen. Die alte Waschanlage steht diesen Plänen im Weg.

Deshalb prüft die Stadt nun einen Neubau der Lkw-Waschanlage direkt auf dem Schlachthofgelände an der Zenettistraße 2. Wegen des dortigen Platzmangels ist eine zweigeschossige Waschanlage für die vier Meter hohen Laster konzipiert. Durch die Tiefgeschossbauweise entstehen hohe Baukosten. 15 Millionen Euro soll der Neubau kosten. Kostspielig sind unter anderem der Grundwasserschutz und die Entwässerung von Tiermist und Gülle.

Lokalpolitiker lehnen Verlängerung des Pachtvertrags ab

Der Bezirksausschuss (BA) Ludwigs-/Isarvorstadt glaubt nicht, dass sich diese Investition amortisiert. Denn der Pachtvertrag für den Schlachthof endet schon im Jahr 2040. Auch weil der Fleischkonsum rückläufig ist, sieht man im Plan für den Bau einer neuen Waschanlage eine versteckte Subvention des Münchner Schlachtbetriebs.

Außerdem könnte der teure Neubau dazu beitragen, den Pachtvertrag doch noch zu verlängern, befürchten die Lokalpolitiker. Das lehnt der BA aber entschieden ab. Neben der anhaltenden Geruchsbelästigung stören insbesondere die großen Tiertransporter in der eng bebauten Isarvorstadt. Sie lärmen Tag und Nacht und gefährden Verkehrsteilnehmer. Außerdem könnte hier, ähnlich wie auf dem Viehhofgelände, bezahlbares, urbanes Wohnen entstehen.

Noch kritischer als der BA beurteilt der Anwohner und Architekt Thomas Sporer die Neubaupläne für die Lkw-Waschanlage. „Ich gehe davon aus, dass die tatsächlichen Baukosten um 20 Prozent höher ausfallen, wenn die Anlage 2024 fertiggestellt wird. Denn die Baupreise steigen stetig“, sagte er in der Sitzung des Bezirksausschuss. Das sei unwirtschaftlich. „Die Planung gehen komplett an den Interessen der Steuerzahler vorbei. Der Schlachthof kann hier so einfach nicht mehr genutzt werden. Es wäre viel sinnvoller, jetzt einen neuen Standort zu suchen und die bestehenden Pachtverträge vor Ende der Laufzeiten abzuwickeln.“ Der Schlachthof sei insgesamt veraltet und eigentlich unrentabel.

Ein Umzug des Schlachthofs aus der Stadtmitte heraus wird bereits seit Jahren diskutiert. 2016 waren groß angelegte Pläne für ein Fleischhandelszentrum in Aschheim bekannt geworden. Viele hatten aus diesen das Fernziel herausgelesen, dass die Betriebe des Münchner Schlachthofs nach Aschheim verlagert werden sollten. Doch Anwohner erzwangen schließlich einen Bürgerentscheid – und erteilten den Schlachthof-Plänen eine deutliche Absage.

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