Das neue Volkstheater eröffnet am Freitag

Von der Schlachtstätte zum Kulturtempel - Rückblick auf 140 Jahre Viehhof

Viehhändler begrüßen sich in historischen Stallungen
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Der städtische Schlacht- und Viehhof wurde am 31. August 1878 eröffnet. 

Der vorletzte Akt auf dem Viehhof-Gelände (letzter Akt: Wohnungsbau) begeistert tausende Münchner: Auf dem einstigen Umschlagplatz für Schlachtvieh ist ein imposanter Ziegelbau entstanden. Am 15. Oktober feiert das neue Volkstheater im Schlachthofviertel Premiere. Ein Rückblick auf die Bauzeit – und auf die Historie eines besonderen Viertels.

1914 wurden im Schlachthof über 700 000 Tiere getötet

Eine wichtige Voraussetzung für den Betrieb des neuen Vieh- und Schlachthofs, der 1878 eröffnet wurde, war die Anbindung an die Eisenbahn. Der Betrieb entwickelte sich zum größten Schlachthof Süddeutschlands, 1914 wurden dort über 700 000 Tiere getötet. Der Pferdemarkt zog 2007 um nach Miesbach. Nun ergab sich neuer Freiraum für urbanes Leben, Kreative eroberten die Brache. Neben den Gleisen entstanden Grünoasen und Rückzugsorte, Künstler verwirklichen sich an den Mauern. Seit 2011 fand das Viehhof-Kino statt und Veranstalter Daniel Hahn bereichert die Münchner Kultur mit Konzerten, Lesungen, Ausstellungen und Clubnächten im „Bahnwärter Thiel“.

Transformation in Kultur: der Blick auf die Mega-Baustelle im Jahr 2019

Der Neubau trägt der besondere Historie des Viehhofs Rechnung

2018 begann der Neubau des Theaters mit dem Abriss der alten Stallungen. Nach den Rohbauarbeiten in Unter- und Erdgeschoss ging es Anfang 2020 ans Herzstück: Der Bühnenturm wurde gebaut und im Sommer verglast. Die charakteristische Ziegelfassade wurde im Mai 2020 fertiggestellt. 2021 war der Feinschliff dran: die Bühnentechnik. Dass ein Bezug zu den alten angrenzenden Hallen bestehen bleibt, war den Architekten Lederer Ragnarsdottir Oei (LRO) wichtig. Auch die Ziegelbauten der ehemaligen Schlachthofverwaltung, entworfen von Arnold Zenetti im 19. Jahrhundert, werden nun von der Intendanz genutzt. Zwischen die Altbauten und das neue Theater haben LRO einen Hof geschoben, der dem Haupteingang vorgelagert ist. Ein Blick auf die Rückseite des Altbaus lohnt sich. Dort, wo sich einst die Viehhallen anschlossen, sind allerlei Zeitspuren sichtbar.

Ein organisch geschwungenes Treppenhaus, Spiel aus Form und Farbe: Das neue Volkstheater ist modern, doch der Neubau trägt auch der besonderen Geschichte des Areals Rechnung. 

Fotoausstellung zum Wandel auf dem Areal

In der Fotoausstellung „Umbruch – Vom alten Viehhof zum neuen Volkstheater“ (17. Oktober bis 7. November) ist der Wandel eindrucksvoll zu sehen. Infos: www.resch-foto.de. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Franz Schiermeier Verlag.

Blickfang aus Glas und Ziegeln: Das neue Volkstheater feiert am 15. Oktober Premiere. 

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