Das Netz der Tacho-Mafia: Die Karte

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Razzia bei einem Autohändler an der Bodenseestraße in München.

München - Nach dem Schlag gegen die Tacho-Mafia teilt die Polizei mit: Jeder dritte Gebrauchtwagen in Deutschland ist am Kilometerstand manipuliert. Wir zeigen das Netz der Ganoven in München.

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Schlag gegen die Tacho-Mafia

Das ist der Autokäufer-Albtraum: Sechs bis acht Millionen Gebrauchtwagen wechseln im Jahr in Deutschland den Besitzer. Etwa jeder dritte davon wurde manipuliert. Heißt: Er hat deutlich mehr Kilometer auf dem Buckel, als auf dem Tacho stehen. Den betrogenen Käufern entstehen jährlich 5,4 Millionen Euro Schaden.

Karte: Das Netz der Tacho-Mafia

Diese auch vom ADAC bestätigten Zahlen gab die Münchner Polizei am Mittwoch - einen Tag nach der Großrazzia gegen die Tacho-Mafia - bekannt. In München und Umgebung hatte sich ein international agierendes, organisiertes Betrüger-Netzwerk etabliert. Gebrauchtwagenhändler, Autovermieter, Taxiunternehmer und auf Tacho-Manipulationen spezialisierte Tüftler machten seit Jahren gemeinsame Sache.

Die Bande hatte sich auf hochwertige Luxusfahrzeuge mit hohen Kilometerständen spezialisiert – darunter auch Ferraris und Lamborghinis. Viele Fahrzeuge wurden in Italien gekauft. Die Verflechtungen reichten bis in die Schweiz, nach Bulgarien, Österreich und Schweden. In Köln saß eine Firma, die das illegale, reich sortierte Fälscher-Köfferchen in verschiedenen Größen übers Internet vertrieb.

Die Tachos wurden entweder zurückgestellt oder es wurden sogenannte Kilometerfilter eingebaut – kleine Platinen, die in die Steuerelektronik eingreifen und nur jeden zweiten gefahrenen Kilometer zählen. Diese Filter fand die Polizei speziell in Taxis und Mietfahrzeugen. Die Bande hatte auch Zugriff auf Blanko-Service-Hefte, die komplett gefälscht wurden.

Seit Monaten bereitete sich die „Ermittlungsgruppe Tacho“ um Kriminalhauptkommissar Alexander Hartinger auf den großen Tag vor. Am Dienstag war’s soweit: 500 Polizisten und Staatsanwälte durchsuchten 150 private und gewerbliche Objekte. Es geht um 185 Beschuldigte. 70 davon waren Kfz-Händler, die an den großen Münchner Straßen wie Bodensee-, Landsberger- oder Wasserburger Landstraße ihre Verkaufsplätze haben.

26 Männer – bis auf einen allesamt polizeibekannt und zum Teil auch nicht ungefährlich – sitzen wegen Flucht-und/oder Verdunkelungsgefahr in U-Haft. Ihnen drohen wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs bis zu zehn Jahre Haft. Die Polizei beschlagnahmte 800 000 Euro Bargeld sowie Schmuck, Uhren, Gold und Silber im Wert von 250 000 Euro und ließ 300 Autos abschleppen. An jeder Manipulation verdiente die Bande im Schnitt 3000 Euro.

Der Schaden in München wird auf bislang drei Millionen Euro geschätzt. Das Highlight in der Sammlung ist ein vier Jahre alter BMW 530 aus Italien, dessen Tacho von 700 000 auf 155 000 Kilometer zurückgestellt wurde. Er war – wenn überhaupt – noch 5000 Euro wert und wurde für 15 999 Euro an den Mann gebracht.

Dorita Plange

Augen auf beim Kauf

Das Äußere eines Autos verrät nur wenig über sein bewegtes Vorleben. Die Münchner Polizei rät daher, eher auf die inneren Werte des Wagens zu achten. Lenkrad, Sitze, Schaltknauf und Pedale zeigen bei viel gefahrenen Fahrzeugen Abnutzungsspuren.

Hinweise auf eine Kilometerstand-Differenz birgt eventuell auch der alte Ölzettel im Motorraum. Leuchtet die Airbag-Anzeige nach dem Motorstart auffallend lange nach, kann auch das ein Hinweis auf einen heimlichen Eingriff in die Tacho-Programmierung sein.

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