Brand im LKA - Gerichts-Gutachter: Schwere Mängel beim Feuerschutz

Schlamperei in Bayerns sicherster Behörde

+
Das LKA: Schwere Mängel beim Brandschutz.

München - Das Landeskriminalamt an der Maillingerstraße gilt als sicherste Behörde des Freistaats.

Oben hui, unten pfui: Der Prozess um einen Brand im Keller des Gebäudekomplexes am 12. September 2007 mit Millionenschaden zeigt jetzt einen unglaublich schlampigen Umgang mit Brandschutz-Vorschriften! Die Konsequenzen soll jetzt ein kleiner Hausmeister tragen.

Im Keller des Gebäudeblocks C waren nicht nur jede Menge Möbel, Reifen im Wert von 100 000 Euro, Gummimatten aus dem Schießkeller und Spanplatten gelagert. Experten sprechen von einer „großen Brandlast“. Mittendrin, abgetrennt durch einfache Spanplatten-Wände, hatte Hausmeister Emil K. (44) einen Raum für Malerarbeiten zugewiesen bekommen. An einem Platz ohne Durchlüftung musste er auch mit entzündlichen Lösemitteln hantieren! Schlimmer noch: Es gab weder Rauch- noch Brandmelder, wie der Sachverständige Diplomingenieur Thomas Ceydt vor Gericht feststellte.

Emil K. ist angeklagt, den Großbrand fahrlässig verursacht zu haben. Er hatte am Vortag Maler-Schablonen gefertigt und diese mit Leinölfirnis behandelt. Damit getränktes Klopapier warf er in einen Abfalleimer. In diesem Eimer entstand vermutlich das Feuer, das etwa 13 Stunden später bemerkt wurde.

Mit Leinölfirnis getränkte Lappen neigen zur Selbstentzündung! Das habe er nicht gewusst, beteuerte der Angeklagte. Ein entsprechender Warnhinweis sei an der Dose auch nicht angebracht gewesen. Auch an neueren Dosen ist der Hinweis im Gebrauchstext versteckt. Ceydt: „Auf jeder Spraydose für den Haushaltsgebrauch finden sich deutlichere Warnhinweise.“

Ceydt betont, dass dieser Kellerraum nie als Malerwerkstätte hätte benutzt werden dürfen – auch wegen fehlender Rettungswege und einer unzureichenden Belüftung. „Im Rahmen einer Feuerbeschau hätte die Genehmigungsbehörde eine Nutzungsuntersagung als Malerwerkstätte aussprechen müssen!“

Der Gutachter kommt in Sachen Brandsicherheit zu einem vernichtenden Urteil: „Bei ordnungsgemäßer Abtrennung des Raumes wäre ein Brandschaden auf einen engen Bereich begrenzt gewesen. Bei einem besseren technischen Brandschutz wie einer Brandmeldeanlage oder sogar einer Sprinkleranlage wäre ein Schwelbrand schneller gemeldet oder gar sofort gelöscht worden.“Durch das Feuer sei auch jede Menge im Haus verbautes Asbest frei geworden, sagt Herwig Eder-Richter, der Verteidiger des angeklagten Hausmeisters: „Es ist unbegreiflich, warum der Personalrat im LKA keine Asbest-Messung durchgesetzt hat.“

Richterin Adam-Metzger verurteilte Emil K. dennoch wegen fahrlässiger Brandstiftung, sah jedoch von einer Bestrafung ab. Das Problem jetzt: Der Freistaat könnte von dem armen Hausmeister den Millionenschaden einklagen!

Eberhard Unfried

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Junge Frauen lassen sich nachts heimlich bei Kaufland einsperren - und filmen sich
Junge Frauen lassen sich nachts heimlich bei Kaufland einsperren - und filmen sich
Spur des Schreckens: Jugendliche ziehen nachts durch Stadt und legen Brände - Feuerwehr verhindert Schlimmeres
Spur des Schreckens: Jugendliche ziehen nachts durch Stadt und legen Brände - Feuerwehr verhindert Schlimmeres
Zwei mal landeten Autos in U-Bahn-Abgang: Jetzt reagiert die Stadt
Zwei mal landeten Autos in U-Bahn-Abgang: Jetzt reagiert die Stadt
Bombendrohung gegen Gericht in München: 40 Beamte im Einsatz - Polizei gibt später Entwarnung
Bombendrohung gegen Gericht in München: 40 Beamte im Einsatz - Polizei gibt später Entwarnung

Kommentare