Schlamperei auf Münchner Wochenmärkten

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Frisch und teurer als im Supermarkt sind die Produkte auf den Wochenmärkten. Doch halten sie auch, was sie versprechen?

München - Frische Lebensmittel aus der Region - das verbinden Kunden mit dem Einkauf auf dem Wochenmarkt. Das muss allerdings nicht stimmen. Verbraucherschützer haben jetzt zehn Münchner Märkte unter die Lupe genommen.

Gurken aus Niederbayern, Spargel aus Schrobenhausen, Kartoffeln aus dem Dachauer Land, Äpfel vom Bodensee: Münchens Wochenmärkte locken mit einer Vielfalt von regionalen Produkten. Doch was wandert da wirklich in den Einkaufskorb? Fakt ist: An vielen Standln wird ­gehörig geschlampt. Das hat sich jetzt bei einem großangelegten Test der Verbraucherzentrale Bayern herauskristallisiert. Der tz liegen die Ergebnisse vor.

Der große Frische-Test: So finden Sie die besten Lebensmittel

Der große Frische-Test: So finden Sie die besten Lebensmittel

„Viele Händler und Erzeuger kaufen auch Ware zu“, berichtet Ernährungsexpertin Daniela Krehl. Doch die Kunden haben oft keine Möglichkeit, die einzelnen Produkte auf den ersten Blick zu unterscheiden – weil die Herkunftsangaben fehlen. Krehl zur tz: „Unser Team hat bei zwei Dritteln der getesteten Standl Mängel protokolliert.“

- Das Testgebiet: Die Verbraucherschützer waren auf dem Stadtgebiet und im Münchner Umland unterwegs. Sie besuchten zehn Wochenmärkte (siehe Liste unten).

- Das Verfahren: Die Tester haben 27 Standl unter die Lupe genommen. Sie überprüften die Angaben auf Obst, Gemüse und Eiern. Die Auswahl der Standl erfolgte stichprobenartig.

- Die Ergebnisse: In 18 Fällen stießen die Verbraucherschützer auf Mängel. „Meist fehlte bei einigen Sorten eine eindeutige Angabe des Herkunftslandes“, berichtet Verbraucherschützerin Krehl. „Wir fanden teils gar keine Kennzeichnung, teils waren Schilder unleserlich oder der Ware nicht eindeutig zuzuordnen.“

- Probleme gab es auch mit den vorgeschriebenen Erzeugerstempeln auf Eiern. Sie geben Aufschluss darüber, wo das Ei gelegt worden ist – und über die Haltungsform der Hühner (siehe Artikel unten). „Mehrfach war der Stempel verwischt und dadurch unleserlich, so Krehl. „In zwei Fällen wiesen Verpackung und Stempel sogar unterschiedliche Angaben auf.“

Die Bewertung: „Viele Kunden sind bereit, für regionale Produkte mehr auszugeben. Wenn aber die Herkunftsangaben mangelhaft sind, erwischen sie schnell mal ein konventionelles Produkt – und zahlen im guten Glauben an die Regionalität einen überteuerten Preis“, kritisiert die Verbraucherschützerin. „Wir wissen beispielsweise von Fällen, in denen Kunden statt Äpfeln aus Deutschland welche aus Chile bekommen haben. Das ist ärgerlich. Wir fordern mehr Sorgfalt bei der Kennzeichnung.“ Das sei ein echtes Qualitätsmerkmal.

Andreas Beez

Hier war die Beschriftung der Ware in Ordnung

Ort Ware
Bogenhausen, Rosenkavalierplatz Eier
Giesinger Bahnhof Obst/Gemüse/Südfrüchte
Berg am Laim, Baumkirchnerstraße 22 Eier
Messestadt Riem, Willy-Brandt-Platz Eier
Messestadt Riem, Willy-Brandt-Platz Obst/Gemüse/Südfrüchte
Neuperlach, Hanns-Seidl-Platz Eier
Freising, Mittwochmarkt Obst/Gemüse/Südfrüchte/Eier
Hasenbergl, Wellenkampstraße Eier
Neuhausen, Rotkreuzplatz Eier

Und hier bemängelten die Tester die Kennzeichnung – wenn es denn überhaupt eine gab

Ort Ware Kennzeichnung
Messestadt Riem, Willy-Brandt-Platz Obst/Gemüse Kennzeichnung nicht bei der Ware
Neuperlach, Hanns-Seidl-Platz Obst/Gemüse/Südfrüchte nur teilweise
Neuperlach, Hanns-Seidl-Platz Obst/Gemüse/Südfrüchte nicht erkenntlich
Bogenhausen, Rosenkavalierplatz Obst/Gemüse/Südfrüchte nur teilweise
Bogenhausen, Rosenkavalierplatz Obst/Gemüse/Südfrüchte nur teilweise
Berg am Laim, Baumkirchnerstraße 22 Obst/Gemüse/Südfrüchte Kennzeichnung nicht bei der Ware
Berg am Laim, Baumkirchnerstraße 22 Kartoffeln/Eier bei Eier Kennzeichnung teilweise nicht leserlich
Giesinger Bahnhof Eier Angaben auf Umverpackung widersprechen Angaben auf dem Erzeugerstempel
Freising Obt/Gemüse Schilder teilweise versteckt in den Kisten
Freising Obt/Gemüse nur teilweise
Freising Obt/Gemüse sehr schlecht ausgezeichnet
Garching Obst/Gemüse/Südfrüchte nur bei ganz wenigen Obst- und Gemüsesorten ist Herkunft angegeben
Moosach, Nanga-Parbat-Straße Obst/Gemüse teilweise nicht angeben
Moosach, Nanga-Parbat-Straße Eier Stempel vorhanden, aber teilweise nicht leserlich
Hasenbergl Obst/Gemüse teils nicht angegeben
Neuhausen, Rotkreuzplatz Obst/Gemüse bei Äpfel und Birnen nicht angegeben
Neuhausen Rotkreuzplatz Obst/Gemüse/Südfrüchte nur teilweise
Neuhausen, Rotkreuzplatz Obst/Gemüse/Südfrüchte nur teils angegeben; Abkürzungen bei Länderkennzeichnung, die nicht eindeutig sind

Was der Eier-Stempel bedeutet

Vorsicht beim Eierkauf – nicht dass Ihnen jemand ein faules Ei ins Nest legt. Das kann durchaus passieren, wie Daniela Krehl von der Vebraucherzentrale erklärt: „Wenn auf der Packung der Name eines bayerischen Betriebs steht, muss dass noch lange nicht heißen, dass die Eier tatsächlich aus dem Freistaat stammen. Es kann auch sein, dass die Firma Ware aus einem anderen Land nur verpackt hat.“

Anhand des Erzeugerstempels auf dem Ei kann jeder Vebraucher prüfen, wo und wie es wirklich gelegt wurde. Ein Beispiel:

0-IT-12AB34

Die erste Nummer beschreibt die Haltungsform. O= Bio-Haltung, 1= Freiland, 2= Boden, 3 = Käfig.

Die Buchstaben verraten das Erzeugerland, in diesem Fall IT für Italien.

Die Buchstaben-/Zahlen-Kombi (kann auch nur aus Zahlen bestehen) gibt Aufschluss über den Herstellerbetrieb. Unter www.was-steht-auf-dem-Ei.de kann man anhand dieser Info abfragen, um welchen Betrieb es sich handelt.

bez

Wo regional draufsteht, muss es auch drin sein!

Wo regional drauf steht, muss auch regional drin sein – nach diesem Motto fordert Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) eine freiwilliges Siegel für Zutaten und Herkunft regionaler Produkte. „Mehr als die Hälfte der deutschen Verbraucher achtet beim Einkauf auf Produkte aus der Region. Deshalb ist es wichtig, Transparenz zu schaffen“, sagte Aigner am Montag in Garmisch-Partenkirchen. Die Verbraucher wollten wissen, woher die Zutaten für regionale Lebensmittel kommen und wie sie produziert wurden, erläuterte die Ministerin. Die Kennzeichnung müsse Klarheit darüber schaffen. „Ich möchte deshalb ein verlässliches Regionalsiegel auf den Weg bringen, das den Kunden als Orientierung dient und den Anbietern als freiwilliges Instrument zur Verfügung steht.“ Unter dem Motto „Alpen-Kulinarik - so schmeckt die Region“ - präsentieren regionale Hersteller in Garmisch derzeit ihre Produkte.

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