Schlosskanal: Algenteppich wird abgemäht

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Kampf dem hartnäckigen Algenteppich: Auf dem Waisenhauskanal wird klar Schiff gemacht.

München - So früh musste der Schlosskanal noch nie gereinigt werden: Ein Mähsammelboot entsorgt in wenigen Stunden zwei Lkw-Ladungen Grünzeug aus dem Waisenhauskanal vor Schloss Nymphenburg.

Auf Knopfdruck setzen sich die Schneidezähne in Bewegung. Die letzte Stunde der Grünalgen hat geschlagen. Der hartnäckige grüne Teppich, der sich auf dem Waisenhauskanal vor Schloss Nymphenburg ungestört ausbreiten konnte (wir berichteten), wird schon bald der Vergangenheit angehören. Mit einem großen Mähsammel- und einem kleineren Mähboot rückt die bayerische Schlösser- und Seenverwaltung seit gestern der Algenpest zu Leibe – sehr viel früher als ursprünglich geplant.

Kopfschüttelnd stehen Josef Stegschuster von der Firma Wurzer Umwelt aus Eitting und Josef Schwab, Leiter der Schloss- und Gartenverwaltung Nymphenburg, am Dienstagmorgen am Ufer des Waisenhauskanals. So früh im Jahr haben sie ein Mähboot hier noch nie zu Wasser lassen müssen.

Doch die milden Temperaturen, die schon in der ersten Märzhälfte an die 20-Grad-Marke heranreichten, haben in dem stehenden Gewässer für eine Algen-Explosion gesorgt. Eigentlich hatte Schwab gehofft, dass kühlere Temperaturen und Regen das Problem von selbst lösen würden. Andernfalls wollte die Schlösser- und Seenverwaltung im Frühsommer mit einem Mähboot einschreiten. Doch jetzt kam alles anders.

„Der Algenbefall ist viel höher als üblich, und der Wetterbericht sagt auch weiterhin warmes Wetter voraus“, erklärt Schwab. Ideale Bedingungen für das Wachstum der Algen also. „Über grüne Wiesen freuen wir uns im Frühjahr, aber ein grüner Kanal muss nicht sein.“ Und so entschied sich die Verwaltung, dem Algenteppich den Garaus zu machen. Schwab: „Ostern steht vor der Tür, und diesen Anblick wollen wir den Besuchern ersparen.“

Das rund 150 000 Euro teure Mähsammelboot der Firma Wurzer Umwelt erinnert an einen Panzer. Es ist ein Amphibienfahrzeug, das sowohl auf Land fahren als auch im Wasser schwimmen kann. Auf Gleisketten bahnt es sich von der Nördlichen Auffahrtsallee aus durch eine Lücke im flachen Zaun seinen Weg den kleinen Abhang hinab zum Kanal. Erschrocken springt ein Blässhuhn davon, als das schwere Amphibienfahrzeug lautstark im Wasser landet. Das kleinere, 1,5 Tonnen schwere Mähboot wird mit einem Kran ins Wasser gehievt. Es ist flach und kann so auch unter den Brücken eingesetzt werden. Stegschuster klettert auf das Boot und senkt die längliche Mähvorrichtung in das 80 Zentimeter tiefe Wasser.

Bilder: Algenteppich wird abgemäht

Bilder: Algenteppich wird abgemäht

Die Mähboote der Firma sind in ganz Deutschland und sogar im Ausland begehrt. In Gewässern von Hildesheim bis Kitzbühel in Österreich haben sie ihre Dienste bereits verrichtet. Die Säuberung des 1,2-Kilometer-langen Waisenhauskanals wird „einen mittleren vierstelligen Betrag“ kosten, sagt Schwab. Zuletzt wurde der Kanal 2007 gemäht.

Das große Boot wird gestartet. Direkt hinter der Mähvorrichtung liegt ein netzartiges Fließband, das die abgemähten Algen direkt in einen Sammelbehälter in der Mitte des Boots befördert. „Die Algen werden im Anschluss auf den Kompostplatz gebracht. Wenn sie getrocknet sind, werden wir sie entsorgen“, erklärt Schwab. Eine Kompostierung sei zu aufwendig, da viel Müll zwischen den Algen stecke, der zunächst mühsam vom Grünzeug getrennt werden müsste.

Bis zum Nachmittag hatten die Boote bereits zwei Lkw-Ladungen Algen abgefischt. Heute sollen die Arbeiten abgeschlossen werden. Ist das Problem damit endgültig beseitigt? Nicht unbedingt. Bei anhaltend warmem Wetter könnten neue Algen wachsen. Dann müssten die Boote im Sommer erneut ran. Zum Teil ist das Problem ohnehin hausgemacht. Der Schlosskanal ist an das Abwassernetz der Stadt angeschlossen, das Wasser könnte also regelmäßig gesäubert werden. Die Abwassergebühren aber sind der Schlösserverwaltung zu hoch.

Alexandra Müller

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