Schloss kaputt – macht 740 Euro!

Schlüsseldienst-Abzocke: So schützen Sie sich

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Hans-Erich Tillack wurde von einem dreisten Schlüsseldienst um sehr viel Geld gebracht.

München - 740 Euro für ein ausgetauschtes Schloss? Hans-Erich Tillack wurde Opfer einer gnadenlosen Schlüsseldienst-Abzocke. Wie die Handwerker vorgehen und wie Sie sich schützen können:

Am Ende wollen Hans-Erich Tillack (50) und seine Frau Nicole (45) diesen unangenehmen Mann vom Schlüsseldienst einfach nur aus dem Haus haben. Der Handwerker wird immer barscher, droht den Tillacks sogar. Also zahlen sie notgedrungen die völlig überteuerten 740 Euro für ihr neues Schloss. Schon Stunden später ärgern sie sich, dass sie sich einschüchtern ließen. Deshalb haben sich Tillacks auf einen Aufruf der Verbraucherzentrale im September gemeldet. „Wir wollen andere warnen.“ Der tz-Report zur Schlüsseldienst-Abzocke.

Die Geschichte der Tillacks klingt unfassbar: Es ist ein Dienstagnachmittag im Mai, als sich der Hausschlüssel im Schloss des Unterschleißheimer Reihenhauses keinen Millimeter mehr bewegt. „Zum Glück konnten wir durch eine zweite Tür über die Garage ins Haus gelangen“, erinnert sich Tillack. Trotzdem soll das Problem so schnell wie möglich behoben werden. „Wir haben einen Schlüsseldienst aus dem Örtlichen Telefonbuch angerufen, der tatsächlich nach drei Stunden da war.“ Komisch: Als der Vertriebsmitarbeiter fragt, was der Austausch der beiden Schlösser kosten würde, murmelt der Handwerker nur: „Muss erst mal schauen …“

Nach einer Viertelstunde kommt der Schlüsseldienst-Mitarbeiter aus seinem Lieferwagen zurück, mit neuem Schloss und neuen Schlüsseln. Der erste Schock: Er verlangt 740 Euro! „Das zweite war, dass er verlangt hat, das Geld sofort in bar zu zahlen“, erinnert sich das Abzock-Opfer. „Er wollte mit mir zur Bank fahren und hat richtig Druck gemacht. Als wir uns geweigert haben, hat er uns mit Konsequenzen gedroht.“ Und so kratzen Tillacks und alle Freunde, die gerade zufällig zu Besuch sind, das Geld zusammen.

„Die Tillacks hätten den Betrag nicht sofort zahlen müssen“, sagt Juliane von Behren, Juristin bei der Verbraucherzentrale Bayern. Der Kunde könne dazu nicht verpflichtet werden. „Fordern Sie eine Rechnung.“ Eine Bedrohung durch den Handwerker sei außerdem unzulässig. „Notfalls können Kunden die Polizei holen.“

Die Tillacks sind leider kein Einzelfall, sondern ein typisches Beispiel für die undurchschaubaren Methoden vieler Schlüsseldienste. „Aus der Rechnung wird nicht ersichtlich, wie lang gearbeitet wurde. Es geht nicht hervor, was Arbeits- und was Materialkosten sind. Außerdem berechnet er für die Zylinder 119 Euro.“ Der Bundesverband Metall empfiehlt einen Richtpreis von 30 bis 36 Euro.

Beim nächsten Mal werden die Tillacks dem Schlüsseldienst ganz genau auf die Finger sehen und sich nicht einschüchtern lassen. Denn letztendlich kann die Abzocke nur eingedämmt werden, wenn die Verbraucher auf ihre Rechte bestehen und diese kennen (siehe unten).

Diese Tipps sparen Ihnen bares Geld

Juliane von Behren ist Juristin bei der Verbraucherzentrale Bayern.

Im September hatte die Verbraucherzentrale Bayern den schlüsseldienst-Abzockern den Kampf angesagt: Sie bat Betroffene, sich bei ihr zu melden. Neben dem Ehepaar Tillack haben sich daraufhin innerhalb eines Monats 54 Betroffene gemeldet! „Bei nahezu allen überprüften Unternehmen fanden sich unzulässige Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen“, berichtet Juliane von Behren, Juristin bei der Verbraucherzentrale. Auch die in Rechnung gestellten Gesamtpreise waren in den meisten Fällen zu hoch. Zehn Schlüsseldienstunternehmen hat die Verbraucherzentrale exemplarisch abgemahnt. Was muss ich hinnehmen – und wo ist Schluss? Der Bundesverband Metall gibt auf seiner Internetseite www.bundesverband-metall.de Richtwerte für die Türöffnung und anschließende Reparaturen an, die dem Verbraucher bei der Orientierung helfen können. So sollen zum Beispiel Einsteckschlösser für klassische Türen zirka 48 Euro kosten, Schließbleche zwischen 24 und 42 Euro und Beschläge zwischen 77 und 96 Euro. Die empfohlenen Türöffnungspauschalen stehen in der Tabelle unten. Juliane von Behren hat weitere Tipps, wie Sie der Abzocke entgehen:

Kurze Anfahrtzeit: Bevorzugen Sie einen ortsansässigen Notdienst. „Erfragen sie gleich beim Anruf die genaue Anschrift“, rät Juliane von Behren. Aufgepasst: Das Portal geld.de warnt zum Beispiel vor Anbietern, die unter verschiedenen Nummern auftreten und damit regionalen Wettbewerb vortäuschen, aber immer wieder den gleichen und überhöhten Preis verlangen. (Mehr Informationen hier).

Fester Preis: „Das Öffnen einer üblichen Tür dauert in der Regel zehn bis dreißig Sekunden und sollte etwa 75 bis 100 Euro kosten“, sagt Expertin von Behren. „Einigen Sie sich vor der Auftragsvergabe auf einen Komplettpreis – am besten unter Zeugen.“

Rechnung: Unterschreiben sie nichts ungeprüft und zahlen Sie nur bei detaillierter Rechnung mit allen Einzelposten!

Gebühren: Zahlen Sie keine Bearbeitungs- und Buchungsgebühr, wenn Sie nicht gleich in bar zahlen wollen. Das hat das Landgericht Bremen als unzulässig erklärt.

Zuschläge: Der Handwerker darf Zuschläge nur außerhalb der üblichen Arbeitszeit verlangen. „Sofortzuschläge“, „Bereitstellungszuschläge“ und „Spezialwerkzeugkosten“ sind laut Urteil des Amtsgerichtes Frankfurt am Main nicht erlaubt.

Nötigung: Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Nötigung ist strafbar! Es ist Ihr Recht, jemanden des Hauses oder des Grundstückes zu verweisen.

Polizei: Falls Sie Opfer einer Abzocke wurden, können oder sollten Sie schnell Anzeige bei der Polizei erstatten!

Schlüssel deponieren: Um erst gar nicht in eine Notsituation zu kommen, empfiehlt die Verbraucherzentrale Bayern, vorzusorgen. „Verbraucher sollten zum Beispiel einen Ersatzschlüssel bei einer Vertrauensperson hinterlegen. Das spart Zeit, Nerven und vor allem sehr viel Geld“, erklärt Juliane von Behren.

So viel dürfen Schlüsseldienste verlangen

Werktag 8-18 Uhr 84 Euro
18-22 Uhr 126 Euro
22-8 Uhr 168 Euro
Samstag 8-14 Uhr 126 Euro
14-24 Uhr 168 Euro
Sonntag 0-24 Uhr 168 Euro
Feiertag 0-24 Uhr 210 Euro
Fahrkostenpauschale 36 Euro
Leerfahrt ohne Türöffnung 60 Euro

Nina Bautz

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