Kuriosum am Südbad

Schluss mit dem Radl-Schrott: Jetzt greift die Stadt durch

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Künftig flext die Stadt nicht nur Fahrrad-Schrott weg, sondern auch lange nicht genutzte Geräte.

München - Schon bisher entfernte die Stadt Tausende Radl im Jahr – aber nur schrottreife. Jetzt müssen auch fahrtüchtige, aber schon lange nicht mehr benutzte Radl dran glauben! Die Stadt greift also durch.

München wird enger: Immer mehr Autos und Radler drängeln sich auf den Straßen – und am Straßenrand. Schließlich müssen die Fahrer ihre Gefährte auch abstellen. Und da ist jeder Platz kostbar, wie zwei aktuelle Beispiele zeigen. Schon bisher entfernte die Stadt Tausende Radl im Jahr – aber nur schrottreife. Jetzt müssen auch fahrtüchtige, aber schon lange nicht mehr benutzte Radl dran glauben! Die Stadt greift also durch. Etwas länger dauert es beim Parkplatz-Klau am Südbad: Da steht ein Auto seit Monaten herum:

Autos:

Man kennt das: Einmal vergessen, die Parkscheibe einzulegen oder die Höchstparkdauer nur minimal überschritten – schon flattert ein Knöllchen von Polizei oder Stadt am Scheibenwischer. Klar: Bußgelder bringen Einnahmen. Doch was passiert, wenn man sein Auto über neun Monate auf einem öffentlichen Parkplatz einfach stehen lässt? Nichts! Das haben jetzt Inge Pany und ihr Freund Ernst Schedlbauer beobachtet …

„Ich selbst bin ja nicht auf einen Parkplatz angewiesen“, sagt die 75-Jährige, die in der Aberlestraße in der Nähe des Südbads wohnt. „Aber mein Freund kommt mich regelmäßig von außerhalb besuchen und muss sein Auto meist kostenpflichtig abstellen. Da ist es natürlich ärgerlich, wenn öffentliche Parkplätze blockiert werden.“ Inge Pany spricht von einem hellblauen Kombi – ein Renault mit französischem Kennzeichen, der seit einem dreiviertel Jahr nicht mehr von der Stelle bewegt worden sei. „Ich vermute, dass er seit der Wiesn hier steht“, sagt die 75-Jährige. Dass der Wagen schon lange da steht, lässt sich auf den ersten Blick erkennen. „Der Wagen ist ja schon fast am Boden festgewachsen“, sagt Ernst Schedlbauer (81) und deutet auf die mit Moos und Unkraut zugewuchterten Reifen.

Eigentlich wäre die Parkbucht an der Ecke Valleystraße/Aberlestraße für Besucher des Südbads und Anwohner mit Parklizenz vorgesehen. Das sieht auch die Polizei so und hat deshalb ganz nach Vorschrift bereits im Dezember vergangenen Jahres einen mahnenden Aufkleber – den sogenannten roten Punkt – an der Fensterscheibe des ungebetenen Dauerparkers angebracht. Dieser fordert den Fahrzeughalter nun auf, sein Auto sofort zu entfernen. Nach einem Monat kann das Baureferat einen Abschleppdienst beauftragen und das Auto anschließend verwerten. Sprich: versteigern oder verschrotten. Doch zum Ärgernis von Inge Pany und Ernst Schedlbauer ist immer noch nichts passiert. „Wie lange soll das noch so gehen? Wir werden bei jeder Kleinigkeit zur Kasse gebeten und da rührt sich nichts“, stellen beide fest.

„Grundsätzlich muss geklärt werden, ob es sich bei dieser Parkfläche um Privatgrund, in diesem Falle um Eigentum der Stadtwerke oder um öffentliche Stellplätze handelt“, sagt Dagmar Rümenapf, Sprecherin des Baureferats. „Dem Baureferat liegt zu diesem Fahrzeug keine Anzeige der Polizei vor. Das kann daran liegen, dass es im Ausland zugelassen ist oder war.“ Außerdem wird die Frist für Fahrzeuge aus dem Ausland auf ein ganzes Jahr ausgeweitet. Inge Pany und Ernst Schedlbauer geht es also wie den meisten Münchnern: Sie warten sehnlichst auf die nächste Wiesn.

Johannes Heininger

Radl

Rostlauben-Ramadama in der Stadt: Weil immer mehr Radl als Dauerparker die Abstellplätze verstopfen, greift die Stadt durch. Jetzt müssen nicht mehr nur die schrottreifen Tretmühlen dran glauben, das Baureferat entfernt nun auch Fahrräder, die schon lange herumstehen und die ihre Besitzer offensichtlich aufgegeben haben. O’gflext is’!

Los geht es morgen rund um den Marienplatz: Zunächst gibt’s eine Banderole ans Radl mit dem Hinweis, dass die Stadt es in vier Wochen einkassiert. Treffen soll es Radl, die nicht mehr benutzt werden. Hinweise sind etwa Fahrradkörbe, die als Mülleimer genutzt werden, verstaubte Sättel und Griffe sowie kaputte Reifen, Felgen & Co. Stehen die Radl nach vier Wochen noch unverändert herum, werden sie von der Park & Ride GmbH der Stadt registriert, entfernt und sechs Monate lang gelagert. Danach werden sie entsorgt oder verwertet. Die Aktion startet als Test an Marienhof, Marienplatz, Rindermarkt und Tal, sie soll auf weitere Brennpunkte ausgedehnt werden.

Das wird viel Arbeit: Schon bislang hat die Stadt Radl entfernt – aber nur die wirklich schrottreifen. Im vergangenen Jahr traf es 3000 Fahrrad-Überreste. Das reicht aber nicht mehr, weil immer Pedalritter unterwegs sind und gerade im Zentrum die Abstellflächen wild wuchern.

Deswegen will die Stadt hinter dem Rathaus auch weitere Stellplätze schaffen: In den Sommerferien kommen dort drei überdachte Doppelstockparker für 146 Radl hin.

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