Schmeißt Monatzeder am Donnerstag hin?

München - Die Grünen vergraulen den dritten Bürgermeister Hep Monatzeder mit einer quälend langen Kandidatensuche. Führende Parteimitglieder fürchten, dass der Bürgermeister seine Kandidatur am Donnerstag hinschmeißt!

Hep Monatzeder (60) ist nicht nur mit riesigem Vorsprung der bekannteste und beliebteste Grüne nach Meinung aller Münchner. Der dritte Bürgermeister erreicht sogar die zweitbesten Popularitätswerte in der ganzen Stadt – bekannter und beliebter ist nur Christian Ude (SPD). Und der darf bei der nächsten OB-Wahl in zwei Jahren nicht mehr antreten. Eine historische Chance für die Grünen? Von wegen: Die Partei vergrault Monatzeder mit einer quälend langen Kandidatensuche. Führende Grüne fürchten nach tz-Informationen bereits, dass der Bürgermeister seine Kandidatur hinschmeißt!

Am Donnerstag muss sich Monatzeder der Stadtversammlung stellen: Im Kolpinghaus in Neuhausen wollen die Grünen nicht etwa über ihren Kandidaten entscheiden, wie in SPD (Wirtschaftsreferent Dieter Reiter) und CSU (Fraktionschef Josef Schmid) geschehen. Die Partei muss erst einmal festlegen, auf welche Weise sie ihren Kandidaten überhaupt küren wird. Neben dem Bürgermeister wollen Stadträtin Sabine Nallinger und Ex-Stadtvorsitzender Nikolaus Hoenning ins Rennen gehen.

Zur Abstimmung steht ein Antrag des Stadtvorstands, nach der alle 1200 Parteimitglieder gleich sechs Mal befragt werden:

An drei öffentlichen Veranstaltungen – so genannten OB-Foren – sollen sich die Kandidaten vorstellen. Eingeladen werden nicht nur Mitglieder, sondern alle Bürger. Die Termine wurden auf 18. und 23. April sowie 3. Mai festgelegt – zweimal im Zentrum, einmal im Münchner Norden. Nach jeder Vorstellung dürfen alle Anwesenden öffentlich richten: Wer ist der beste Kandidat?

Nach den Terminen schreibt die Partei alle Mitglieder an – sie sollen den OB-Kandidaten schriftlich küren. Gibt es keine absolute Mehrheit, wird noch ein Wahlgang erforderlich.

Zuletzt muss eine Aufstellungsversammlung endgültig über die Kandidaten abstimmen, so will es das Wahlgesetz. Das alles kann Monate dauern. Zumal die ersten Ortsvereine angefangen haben, alle Kandidaten zu einer weiteren Vorstellung einzuladen.

Ärger gibt es vor allem wegen der OB-Foren, seit Wochen diskutieren die Spitzen – offenbar ohne Ergebnis. Monatzeder hatte das Verfahren als „Kasperltheater“ gebrandmarkt. Schließlich haben ihn die Münchner schon vor 22 Jahren ins Rathaus gewählt, seit nunmehr 16 Jahren leitet er die Geschicke der Stadt als Bürgermeister. Ob Monatzeder den „Kasperl“ gibt? Der Bürgermeister will vor der Versammlung am Donnerstagabend gar nichts mehr sagen.

Stadtchef Sebastian Weisenburger (28) sagt der tz: „Man weiß es nicht.“ Er wünsche sich aber Monatzeders Teilnahme. Das Verfahren sei keine Zumutung für den Bürgermeister: „Er hat in seinem politischen Leben schon Schlimmeres erlebt.“ Der beste Kandidat sei aber der, den die Partei aufstellt. Basisdemokratie, eben.

Bei der Landtagswahl hat man es sich nicht so schwer gemacht: Da legten sich Landtagsfraktion, Bundestagsabgeordnete und am Sonntag auch der Parteirat schnell auf die rotlockige Margarete Bause (53) fest – die bekannteste und beliebteste Grüne in Bayern.

David Costanzo

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