Schmerzhafter Streit um freie Parklücke

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Mit Krücken zum Gericht: Enrico C. hatte den Parkplatz verteidigt

München - Ein Kampf um eine Parklücke vor dem Hotel Bayerischer Hof fand ein brutales Ende. Jetzt ging er vor dem Münchner Amtsgericht weiter.

Endlich ein Parkplatz! Verzweifelt war Martin M. (61), Boss einer Vermögensverwaltungsgesellschaft, am 9. Februar mit seinem Smart um den Promenadeplatz gekurvt. Dann tat sich direkt vor dem Hotel Bayerischer Hof eine Lücke auf. Doch ehe der eilige Manager einparken konnte, stand ihm Enrico C. im Weg. Der 41-jährige Mitarbeiter einer Veranstaltungs-Firma wollte gerade den Kleintransporter seiner Chefs einwinken. Der Kampf um die Lücke endete brutal.

Wegen Nötigung und fahrlässiger Körperverletzung musste Martin M. am Montag auf der Anklagebank des Amtsgerichts Platz nehmen. Laut Anklage fuhr er direkt auf Enrico C. zu, um diesen zu vertreiben. Doch dieser wich nicht aus. Da soll der Manager Gas gegeben und ihn an beiden Knien verletzt haben!

„Ich habe einen dringenden Termin gehabt“, sagte der Angeklagte. Der Mann sei ihm vors Auto gesprungen. Einen Anstoß habe er nicht bemerkt. Und: „Die Parklücke war gerade groß genug für einen Smart.“

Anders Enrico C., der mit Krücken zum Zeugenstand humpelte: „Die Lücke war vom Hotel für uns reserviert.“ Man habe an diesem Tag für ProSieben die Aufbauten gemacht. „Er hat mich dreimal angestoßen“, erzählte Enrico C. „Dann gab er Gas. Er ist mir auf den linken Fuß gefahren und hat beide Knie getroffen.“ Deshalb habe er eine Meniskus-Operation über sich ergehen lassen müssen. Eine weitere stehe noch an.

Den Unfallhergang bestätigte im Westentlichen Enricos Chef Sven R., der Lautsprecher und Beleuchtung für die Veranstaltung aufbauen musste: „Der Angeklagte fuhr ruckweise auf ihn zu, um ihn zu verscheuchen.“

Rechtsanwalt Martin Kämpf, der Verteidiger des Managers, beantragte ein biomechanisches Gutachten, um festzustellen, ob die Knie-Verletzungen tatsächlich von dem Unfall stammen: „Die Stoßfänger eines Smart sind nämlich elastisch.“ Der Prozess wurde ausgesetzt.

Eberhard Unfried

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