Ein Nachfahre soll's beweisen

War der Schmied von Kochel aus Weyarn?

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Das Denkmal des Schmieds von Kochel

München - War der berühmte Schmied von Kochal gar nicht der, für den er gehalten wird? Ein Münchner Filmemacher will jetzt vom Oberbrügermeister ein Denkmal umbenennen lassen.

Der Schmied von Kochel – 1705 in der Sendlinger Mordweihnacht gefallen. Über 3000 bewaffnete Bauern, Knechte und Handwerker hatten damals versucht, München aus den Händen der kaiserlich-österreichischen Truppen zu befreien. Das Vorhaben scheiterte blutig. Der Schmied von Kochel wurde dennoch zum Symbol für Tapferkeit und Widerstand gegen fremde Tyrannei. Er fiel angeblich als Letzter.

Und jetzt das: Der Schmied soll gar nicht aus Kochel stammen, sondern aus Weyarn! Das behauptet der Münchner Filmemacher Klaus Bichlmeier – und präsentiert einen vermutlichen Nachfahren des Nationalhelden.

Baltasar Riesenberger vor der Gedenktafel der Mordweihnacht-Gefallenen. Er ist recht sicher, Nachfahre des Schmieds in achter Generation zu sein.

Bichlmeier: „Vieles spricht dafür, dass es sich um Balthasar Riesenberger handelt, der Schmied in Bach bei Weyarn war.“ Dessen Name steht ganz oben auf der Gedenktafel für die gefallenen Aufständischen. Als Zeuge führt der Regisseur einen Baltasar Riesenberger aus Fentbach bei Weyarn an. Jener mögliche Nachfahre sei nach dem Studium von Archiv-Material, etwa Kirchenbüchern, ziemlich überzeugt, dass er „in der achten Generation“ Nachfahre des Balthasar Riesenberger sein muss.

Bei ersten Erwähnungen eines Schmieds von Kochel am Anfang des 19. Jahrhunderts wird tatsächlich der Schmied mit Vornamen Balthasar genannt – allerdings nicht aus Kochel, wo alle amtlichen Aufzeichnungen aus dieser Zeit verschollen sind. Doch dafür ist ein Schmied dieses Namens aus Waakirchen bei Bad Tölz. „Der könnte als Schmied in Kochel gearbeitet haben“, meint Karl Steininger, Landeshauptmann der Bayerischen Gebirgsschützenkompanien und selbst aus Großpienzenau bei Weyarn. Vizehauptmann Martin Haberfellner – er wohnt in Kochel – sagt: „Die Geschichte vom Schmied von Kochel taucht im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts auf. Damals lebten noch Menschen, die Erzählungen von Leuten kannten, die zur Zeit der Mordweihnacht gelebt haben. Es muss also irgendetwas dran sein.“

Also doch ein Schmied, der zumindest beruflich aus Kochel stammt? All diese Gegenargumente beeindrucken Filmemacher Bichlmeier nicht: „Ich werde dem Oberbürgermeister einen Brief schreiben, in dem ich ihn auffordere, das Denkmal für den Schmied von Kochel in Sendling umzubenennen."

Johannes Welte

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