Schmiergeld-Affäre um Putzkolonne

München - Sauber! Mit der Reinigung der U-Bahn haben die Stadtwerke ihr Geld Kriminellen in den Rachen geworfen. Ein Prozess vor dem Landgericht brachte es am Freitag an den Tag.

Während Sub­unternehmer abkassierten, mussten Schwarzarbeiter die Drecksarbeit machen. Sie erhielten dafür einen Hungerlohn von sieben Euro in der Stunde! Das System wurde mit Schmiergeld am Laufen gehalten.

Klaus B. (49) war als Teamleiter für die Überwachung der Reinigung in den U-Bahnhöfen verantwortlich. Außerdem beaufsichtigte er Gartenarbeiten in den Bädern. Beide Aufträge wie auch der Winterdienst gingen an die Firma Dr. S. AG, die bundesweit in der Sauber-Branche agiert. Der mitangeklagte Salih A. (56) war für dieses Unternehmen als Objektleiter tätig. Er engagierte die Subunternehmen. Salih A. und Klaus B. kennen sich lange und arbeiteten Hand in Hand. Bei einem Treffen mit den Geschäftsführern der Subunternehmen wurde ein System vereinbart, um Profit zu schlagen.

Es wurden mehr Arbeitsstunden abgerechnet, als tatsächlich geleistet wurden. Die Arbeiter, die Bahnsteige fegten, Papierkörbe leerten und die Gleisbette vom Unrat befreiten, wurden mit sieben Euro abgespeist, unversteuert. Die Stadtwerke zahlten pro Arbeitsstunde zwölf bis 14 Euro. Die Differenz teilten sich die Subunternehmer und die Mitarbeiter des Generalunternehmens auf.

Damit der Schwindel nicht aufflog, wurde der SWM-Kontrolleur mit Schmiergeld bei Laune gehalten: mindestens 42 00 Euro! Erst im Frühjahr klickten die Handschellen. Salih A. (Verteidiger Kai Wagler) und Klaus B. (Verteidiger Hans Dieter Gross) erklärten vor Gericht, der angeklagte Sachverhalt werde „im vollen Umfang“ eingeräumt. Das war’s. Auf Zeugen verzichtete das Gericht. Damit die Öffentlichkeit nicht mehr erfuhr, wurden beweiserhebliche Akten im „Selbstleseverfahren“ eingeführt. Die Urteile: Zweieinhalb Jahre für Klaus B., zwei Jahre und zehn Monate Knast für Salih A.

E. Unfried

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Kommentare