Sado-Maso mit einer Staatsanwältin?

Schnacksel-Vorwürfe: Gutachter wehrt sich

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Dr. Thomas S. ist wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt.

München - Es geht um Sado-Maso-Sex mit einer Staatsanwältin und um die Verabreichung von Psycho-Pillen an die medikamentenabhängige Frau: Ab Dienstag wird dem Gerichts-Psychiater Dr. Thomas S. der Prozess gemacht. Der 59-Jährige bestreitet alle Vorwürfe.

Die Staatsanwaltschaft München II wirft Dr. Thomas S. zwei Fälle des „sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung eines Beratungs- oder Behandlungsverhältnisses“ (§174c StGB) vor. Der Strafrahmen reicht von drei Monaten bis zu fünf Jahren Haft.

Staatsanwältin Stefanie S. war zur Tatzeit im Jahr 2010 abhängig von stark beruhigender Medikamente wie Tavor und Vivinox. Die Juristin wandte sich an Dr. Thomas S., den sie von Prozessen her kannte. Sie soll ein sexuelles Verhältnis angeboten haben, um an die begehrten Präparate zu kommen. Obwohl dem Psychiater die Abhängigkeit der Patientin bekannt gewesen sei, so die Anklage, habe er ihr Blanko-Rezepte ausgestellt. Die Staatsanwältin habe diese Rezepte dann ausgefüllt.

Als Gegenleistung gab es den Ermittlungen zufolge dann Sex. Dr. S. habe dabei selbst verschiedene Utensilien für Sado-Maso-Praktiken mitgebracht.

Der Fall kam ins Rollen, als auf dem Schreibtisch der Staatsanwältin ein von ihr gefälschtes Rezept entdeckt wurde. Die 43-Jährige erhielt einen Strafbefehl und schied aus dem Staatsdienst aus.

„Ich bin unschuldig und rechne mit einem Freispruch“, betonte Dr. Thomas S. gegenüber der tz, als er am Freitag als Gutachter (siehe rechts) auftrat. „Ich werde nach wie vor von Gerichten beaufgtragt.“

Richter Rolf-Dieter Madlindl war überrascht, als er am Freitag von Reporten über den bevorstehenden Prozess gegen Dr. S. informiert wurde. Der Richter hält weiterhin an dem Gutachter fest. Er betont: „Bei uns gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung.“

Freitag war er noch beruflich vor Gericht

Psychisch krank? Elektroschock-Angreifer Florian H. (r.) mit Anwalt Franz Paul.

Tickt Florian H. (38) noch richtig? Das soll Gerichts-Psychiater Dr. Thomas S. jetzt im Prozess gegen den Aufzug-Mechaniker herausfinden. Amtsrichter Rolf-Dieter Madlindl hat Thomas S. als Gutachter berufen.
Ohne ersichtlichen Grund hat der Angeklagte eine Wohnungs-Nachbarin mit einem Elektroschocker niedergestreckt! Zunächst hatte sich Florian H. hilfesuchend an die Erzieherin Silke B. gewandt, weil er Erziehungsfragen wegen seiner Tochter hatte. Der Angeklagte: „Irgendwann hat sie mir den Rücken zugedreht. Ich erinnere mich noch, wie sie zusammensackte. Mein Elektroschocker lag am Boden.“ Diesen habe er sich aus Angst vor Überfällen gekauft. An den Moment der Tat könne er sich nicht erinnern.
Der Angeklagte hatte sich nach der Tat in psychiatrische Behandlung begeben. Gutachter Dr. S. soll nun herausfinden, ob Florian H. eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Der Prozess geht weiter.

Eberhard Unfried

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