„Schnappauf hat meine Familie zerstört“

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Sieht sich als Opfer: Karl Berger.

München - Der Fleischhändler meldet sich persönlich zu Wort. Karl Berger (54) ging nach dem Skandal um Berger Wild im Januar 2006 mit seiner Firma unter und verklagt nun den Freistaat auf Schadenersatz – weil der Gammelfleisch-Vorwurf unzutreffend war.

Die tz berichtete exklusiv über den Fall. Jetzt legt der Unternehmer nach: Es gehe ihm nicht nur ums Geld. Berger sieht sich um sein Lebenswerk gebracht und kämpft um seinen Ruf. Und macht dem früheren Minister Werner Schnappauf ( CSU ) schwere Vorwürfe!

Berger kann sich immer noch in Rage reden, dreieinhalb Jahre nach dem Skandal um sein Unternehmen: Bereits der Vater habe den Wildhandel im Nebenerwerb betrieben. Der Filius baute die Firma seit 1979 aus – vom kleinsten Wild-Betrieb Europas zum größten. Zwischen 1995 und 2005 habe er 10 Millionen Euro investiert, zuletzt 33 Millionen Euro Jahresumsatz gehabt und 100 Arbeitsplätze geschaffen. „Ich habe immer mitgearbeitet im Unternehmen , konnte jeden Lkw selbst steuern. Ich habe nie einen Porsche besessen, sondern habe jeden Cent investiert“, sagt Berger. „Andere hätten ein Bundesverdienstkreuz bekommen. Und mir hat man von einem Tag auf den anderen alles kaputt gemacht.“

Schnappauf habe nach mehreren Fleisch-Skandalen unter Druck gestanden. „Der hat die Motivation gehabt, eine Firma hinzurichten.“ Berger Wild sei gerade recht gekommen: Die Firma sei als größter Wild-Händler Europas bekannt genug gewesen, trotzdem hätten „nur“ 100 Arbeitsplätze in Passau auf dem Spiel gestanden, mutmaßt der Chef. Die Behörden hätten Berger „absichtlich zerstört“. Mit dem Ansinnen habe sich das Ministerium zuvor beim Landratsamt Passau gemeldet. „Es gibt in jedem Unternehmen etwas zu finden“, meint Berger. „Schnappauf wollte seine Haut retten und hat mich und meine Familie zerstört.“ Berger war daran nicht unbeteiligt: Das Landgericht Landshut hat ihn im November 2006 zu zwei Jahren auf Bewährung wegen Betrugs und Verstößen gegen das Lebensmittelrecht verurteilt. Er hatte unter anderem Hirschfleisch als teureres Elchfleisch verkauft, Frischfleisch mit Tiefkühlware vermengt und Zusatzstoffe untergemischt. „Wegen so einer Verurteilung hätte eine Behörde nie und nimmer eine Firma in eine ausweglose Situation bringen dürfen“, sagt Berger. „Vom Gammelfleisch-Vorwurf bin ich freigesprochen worden.“

Der Unternehmer meint damit, dass ihm die Verlängerung des Haltbarkeitsdatums bei argentinischen Hasenvorderläufen nicht nachgewiesen wurde. Das Umweltministerium hatte damals von „ekelerregenden Zuständen“ in Bergers Betrieben gesprochen und dutzende Produkte als „nicht für den menschlichen Verzehr geeignet“ deklariert. Jetzt schweigt das Unternehmen mit Verweis auf das laufende Verfahren. Und Ex-Minister Schnappauf will erneut nichts zu den Vorwürfen sagen, wie sein Sprecher ausrichtet. Doch auch Berger schweigt zu einer Frage: Ob er selber Fehler gemacht hat, will er nicht sagen.

David Costanzo

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