Vater: „Hatte einfach nur furchtbare Angst“

Schock im Kaufhaus - Fuß von Bub bleibt in Rolltreppe stecken

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Kians rechter Fuß nach dem Unfall: Die Schutzkappe verhinderte wohl schlimmere Verletzungen.

Ein Drittklässler kommt, nachdem er sich mit seinem Schuh in der Rolltreppe eines Kaufhauses verhackt, gerade noch mit dem Schrecken davon. Mit leichterem Schuhwerk hätte der Unfall wohl schlimme Folgen gehabt.

Es ist nur ein kurzer Moment. Kian (10) dreht sich gegen Ende der Rolltreppe in Richtung dritter Stock nach Papa Saeed P. (54) um. Plötzlich zieht es den rechten Fuß samt Schuh des Buben in die Treppe. Was für ein Schreck am Dienstag vor zwei Wochen im Oberpollinger am Stachus.

Die Rolltreppe bleibt glücklicherweise stehen. Papa Saeed hilft Kian, den Fuß samt vorne zerfetztem Schuh herauszuziehen. „Ich hatte einfach nur furchtbare Angst, dass auch die Zehen eingezogen wurden“, berichtet der Münchner. Die zerfetzte Kappe des Schuhs sei kaum aus der Rolltreppe herauszuholen gewesen. Kians Fuß: zum Glück heil geblieben. Doch was dann passiert, empört Saeed P. und seine Frau Corina P. (43) auch noch Tage später. Ein Oberpollinger-Mitarbeiter sei hinzugekommen, erzählen sie. „Wie es unserem Sohn geht, hat er nicht gefragt. Es kamen nur Vorwürfe, dass schließlich jeder wisse, dass man seinen Fuß am Ende der Treppe heben müsse.“

Der Drittklässler und sein Papa sind zunächst zu geschockt, um weiter zu diskutieren. Mit seinem kaputten Schuh trottet Kian aus dem Oberpollinger und geht zusammen mit Saeed P. zu Mama Corina. Die ist gerade in dem Geschäft für Kinder-Outdoor-Mode, das sie zusammen mit ihrem Mann in der Stadt betreibt. Von dort waren auch Kians komplett neue Trekking-Sandalen.

Er hatte sie an dem Dienstag den ersten Tag getragen. „Die Schuhe sind vorne extra verstärkt mit einer festen Kappe“, sagt Mama Corina. „Ich will mir nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn er leichtere Schuhe getragen hätte.“ Bei einem kleineren Kind wäre das Bein bestimmt tiefer eingezogen worden, ist sie sich sicher.

Vorsicht vor der Rolltreppe

Rolltreppen sind nicht ungefährlich, sagt auch TÜV-Süd-Sprecher Thomas Oberst. Denn: Damit eine Fahrtreppe funktioniere, brauche es Spiel am Anfang und am Ende. „Wenn da kein Freiraum wäre, würde sich nichts bewegen.“ Die Abstände sind zwar nur etwa vier Millimeter groß, aber die Sohle eines Kinderschuhs kann sich leicht verfangen. Deswegen gilt gerade mit Kindern: Die Kleinen vor sich platzieren, damit Eltern sie im Blick haben, so der Experte. Kleine Kinder an die Hand oder auf den Arm nehmen. Außerdem sollten auch Erwachsene sich nicht zu sehr an den Rand stellen, da es auch seitlich an den Rolltreppen kleine Abstände gibt. Gerade ältere Menschen geraten dann schnell mal aus dem Gleichgewicht und stürzen. Wer Rolltreppe fährt, sollte den Kopf nicht auf den Handlauf legen, da es etwa die Haare in die Treppe ziehen kann.

Alle Rolltreppen müssen einmal jährlich geprüft werden, eine Stelle dafür ist etwa der TÜV Süd. Schlimme Unfälle mit Rolltreppen sind laut TÜV in Bayern nicht häufig. Thomas Oberst: „Der letzte uns bekannte größere Vorfall stammt aus dem Jahr 2011.“ Eine Statistik zu Rolltreppen-Unfällen gibt es hierzulande nicht. Wohl aber im zehnmal kleineren Österreich. Alleine dort verletzten sich laut der Forschungsinstitution „Kuratorium für Verkehrssicherheit“ in den vergangenen fünf Jahren pro Jahr zwischen 500 und 800 Personen auf Rolltreppen so schwer, dass sie in eine Klinik mussten.

Im Münchner Fall bedauert eine Sprecherin von Oberpollinger auf Anfrage unserer Zeitung den Vorfall. Das Kaufhaus hat sich bei der Familie entschuldigt. Bei einem Treffen durfte Kian sich einen Fußball aussuchen. Und hat einen Gutschein überreicht bekommen – damit er sich neue Schuhe kaufen kann.

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