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Klinikum rechts der Isar: Krankenpfleger soll zwei Patienten ermordet haben - Gibt es weitere Fälle?

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Von: Andreas Thieme

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Ein Krankenpfleger schiebt in einer Klinik ein Krankenbett durch den Flur. © picture alliance/Daniel Bockwoldt/dpa/Symbolbild

Ein Pfleger soll im Klinikum rechts der Isar versucht haben, Patienten umzubringen. Zwei Menschen starben. Inzwischen ist klar: Das war womöglich nur die Spitze des Eisberges. Die Staatsanwaltschaft hat nun Mordanklage erhoben.

München - Er soll zwei Patienten ermordet haben, jetzt muss sich ein Münchner Krankenpfleger (26) vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat einen Krankenpfleger aus dem Klinikum rechts der Isar wegen zweifachen Mordes und sechs Mordversuchen angeklagt. Das bestätigt die Anklagebehörde auf Anfrage unserer Redaktion.

Sprecherin Juliane Grotz sagt: „Es wurde am 02.08.2022 Anklage zum Landgericht München I - Schwurgericht wegen Mordes in zwei tatmehrheitlichen Fällen in Tatmehrheit mit versuchtem Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in sechs tatmehrheitlichen Fällen, in Tatmehrheit mit Diebstahl erhoben.“ Die beiden Todesopfer waren laut Staatsanwaltschaft 80 und 89 Jahre alt.

München: Krankenpfleger soll zwei Patienten im Klinikum rechts der Isar ermordet haben

Der Fall hatte im November 2020 erstmals Schlagzeilen gemacht. Damals teilten die Behörden mit, dass sie in drei Fällen wegen des Verdachts auf versuchten Mord ermitteln. Seither waren die Ermittlungen deutlich ausgeweitet worden. Ein aufmerksamer Oberarzt am Klinikum rechts der Isar war stutzig geworden, die Klinik zeigte den Pfleger an.

Im Klinikum rechts der Isar wurden zwei Patienten ermordet. Ein Krankenpfleger muss sich dafür vor Gericht verantworten
Im Klinikum rechts der Isar wurden zwei Patienten ermordet. Ein Krankenpfleger muss sich dafür vor Gericht verantworten © Marcus Schlaf

Der Münchner Fall erinnert an den als „Todespfleger“ bundesweit bekannt gewordenen Patientenmörder Niels Högel, den das Landgericht Oldenburg 2019 wegen Mordes in 85 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt hatte. Doch in Bezug auf den Münchner Fall gibt es einen entscheidenden Unterschied: das Mordmotiv. Während Niels Högel damals eine regelrechte Geltungssucht entwickelt hatte und die Patienten erst in Gefahr brachte und dann teilweise als Retter auftrat, bestätigt sich das im Münchner Fall nicht. Hier haben die Ermittlungen das Mordmotiv der Geltungssucht nach Informationen unserer Redaktion nicht bestätigt.

Sprecherin Juliane Grotz teilt dazu mit: „Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage davon aus, dass der Angeschuldigte zum einen das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt hat, da er die Arg- und Wehrlosigkeit der Getöteten ausgenutzt hat. Zum anderen wird ihm vorgeworfen, aufgrund niedriger Beweggründe gehandelt zu haben. Durch Ruhigstellung von Patienten konnte er nach seiner Vorstellung seine Arbeit beschleunigen und sich auch während der Arbeitszeit Freiräume verschaffen. Hierbei nahm er in Kauf, dass die Sedierung der Patienten tödlich wirken konnte. Soweit zunächst angenommen wurde, Motiv der Taten sei gewesen, durch erfolgreiche Reanimationsmaßnahmen Anerkennung zu erlangen, hat sich dies im Laufe der Ermittlungen nicht bestätigt.“

85 Menschen hatte Högel getötet, mindestens zwei sind es nun im Fall des Klinikums rechts der Isar. Auch hier droht dem Täter lebenslange Haft. Doch unklar ist zurzeit auch noch, ob es weitere Opfer gibt, die dem Krankenpfleger zugerechnet werden. Womöglich sind die zwei angeklagten Taten nur die Spitze des Eisberges.

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