Schockierender Prozess vor dem Jugendgericht

Sie schickten ein Mädchen (15) auf den Strich!

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Vier der sechs Angeklagten vor dem Jugendgericht.

München - Schockierender Prozess vor dem Jugendgericht: Ein 15-jähriges Mädchen wurde zur Prostitution gezwungen - teilweise sogar von ihren eigenen Geschwistern.

Das Licht geht aus, die Leinwand an. Als Melanie R. (15, alle Namen geändert) spricht, wird der Gerichtssaal zum Kino. Per Videoübertragung wird die Zeugenaussage der Schülerin an die Wand projiziert. So sagte sie am Donnerstag gegen sechs Münchner aus, die sie im Februar zur Prostitution gezwungen haben sollen!

„Ich schäme mich so“, sagt Melanie. „Aber ich habe das freiwillig gemacht.“ Freiwillig? Das sieht die Staatsanwaltschaft ganz anders. Sie wirft Max A. (19), Susa F. (19), Petra T. (31) sowie den drei Brüdern Silvio (24), Luca (21) und Mario S. (23) vor, das Mädel mit Drohungen manipuliert und später an einen Freier verkauft zu haben.

Vor dem Jugendgericht räumen die Angeklagten alles ein. „Es war ein Scherz, der aus dem Ruder gelaufen ist“, lautet ihre Version. Für Melanie ist die Bekanntschaft der Gruppe eher wenig amüsant. Sie reißt Ende Januar aus dem Heim aus – in einem Sendlinger Imbiss trifft sie zufällig die beiden Frauen. „Sie boten mir an, bei ihnen zu übernachten“, sagt Melanie. In den folgenden Tagen lernt sie auch die vier Männer kennen. Sie merken schnell, dass die Schülerin bereits sexuell erfahren ist – beim Flaschendrehen soll sie erzählt haben: Sie wisse schon gar nicht mehr, mit wie vielen Männern sie geschlafen habe. Drei der Männer überreden sie danach zum Sex, mit einem schläft sie mehrfach am Abend. „Dass sie mich auch filmen, wusste ich nicht.“

Durch Sex gewinnt Melanie die Anerkennung der Gruppe. Bei einer Geburtstagsfeier im Februar schläft sie in einer Bar gleich mit mehreren Angestellten. „Als Gegenleistung sollte ich verlangen, dass uns ein Teil der Rechnung erlassen wird.“ So entsteht die Idee, dass Melanie zur Hure wird! „Sie versprachen mir viel Geld, wenn ich auf den Strich gehe.“

Die Männer streiten darum, wer ihr Zuhälter sein darf. Einen muss Melanie oral befriedigen – dann wird tatsächlich ein Freier (39) arrangiert. Mit ihm hat die Schülerin am 13. Februar Sex in dessen Wohnung. „Ich sollte sagen, dass ich schon 18 bin.“ Laut Anklage zahlt der Mann 100 Euro.

Aber die Sache fliegt auf! Wegen Menschenhandels und sexueller Ausbeutung droht den Angeklagten bis zu drei Jahren Haft – trotz Geständnis.

Andreas Thieme

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