Brauchen Fünfjährige Beauty-Tage?

Schönheitssalon für Kinder: Zu schön, um wahr zu sein

München - Rosa Röcke, rosa Nagellack, rosa Ohrstecker – der Schönheitssalon „Monaco Princesse“ will Mädchen ab fünf Jahren in Prinzessinnen verwandeln. Kritiker klagen, der Salon presse junge Mädchen in Rollenklischees.

Die Welt ist schön. Die Welt ist süß, niedlich, und vor allem: rosa. Das Handtuch ist rosa, die Süßigkeiten sind rosa, sogar die zwei kleinen Plüsch-Schildkröten sind rosa, tragen Schleifchen und ein Ballett-Röckchen. Daneben sitzt die fünfjährige Marie und lässt sich die Fußnägel lackieren – in Rosa, versteht sich.

Rosa, kuschelig weich und knuffig, so ist die Welt von „Monaco Princesse“, Deutschlands erstem Schönheitssalon für junge Mädchen. Mitte September hat Kerstin Kobus das Geschäft in der Altstadt eröffnet, erklärtes Ziel: Kinder professionell auf das spätere „Frau sein“ vorbereiten.

Frau sein bedeutet in diesem Kontext: Hochsteckfrisur, schöne Nägel, schöne Kleider, Massagen, Schmuck, Badepralinen, Armpuschel, Sternchenschal. Für 500 Euro gibt es die „Party Girl“-Geburtstagsparty, mit Schokoladenmassage, Maniküre, Haarglättung und glitzernden Lippen. Für 3000 Euro gibt es das „Little Diva“-Spezial, bei dem eine pinke Limousine die Mädchen zuhause abholt, um sie dann im Salon in „glamouröse Spa-Girls“ zu verwandeln.

Da kann es kaum verwundern, dass Kerstin Kobus regelmäßig Kritik einstecken muss. Ein „oberflächliches Frauenbild“ werde vermittelt, junge Mädchen würden in „sexistische Rollenklischees“ gedrängt, beschweren sich Frauen auf der Facebook-Seite des Salons. „Davon wollen wir uns distanzieren“, erklärt Kobus. Ob die Mädchen zuhause eine Prinzessinnen-Party feiern oder im „Monaco Princesse“, sei doch egal.

Mütter wie Michaela Wöhlermann jedenfalls sind froh, dass es das „Monaco Princesse“ gibt. Neun Mal war Wöhlermann mit ihrer Marie schon zu Gast, dafür fahren sie extra vom Tegernsee nach München. „Marie ist ein typisches Mädchen“, sagt Wöhlermann. Auch ihr Zimmer sei stark in Rosa gehalten. „Und schwarz!“, ruft Marie dazwischen. Was ist schwarz? „Die Kochplatten in ihrem rosa Puppenhaus“, sagt die Mama.

Wöhlermann betont, Marie nicht von sich aus auf Rosa, Nagellack oder Ballett getrimmt zu haben. „Es gibt viele, die in dem Alter so gestrickt sind“, sagt sie. Deshalb kommen Marie und sie regelmäßig her, Marie nimmt ein Fußbad, lässt sich die Nägel lackieren und die Haare frisieren, die Mama bekommt währenddessen eine „Queen Mum“-Massage. Wie viel Geld Wöhlermann monatlich in die Produkte und Angebote des „Monaco Princess“ steckt, kann sie nicht schätzen.

Salon-Chefin Kobus ist auf jeden Fall wichtig, dass sich alle Eltern ihr Angebot leisten können. Ob das bei der Hawaii-Massage für 90 Euro und dem Sternenkleidchen für 160 Euro auch gewahrt ist, kann man in Frage stellen. Das Image des „Monaco Princesse“ zumindest ist luxuriös: Goldene Wasserhähne, ausladende Kristalllüster, gepolsterte Sessel. Wie in einem Prinzessinnen-Gemach.

So oder so, das Konzept scheint aufzugehen. Mit den ersten paar Wochen Betrieb ist Kobus sehr zufrieden. Aus Berlin, Düsseldorf und Regensburg hätten sich bereits Interessenten gemeldet, die dort Filialen eröffnen wollen.

Kobus hat derweil schon eine neue Idee: Ein Laden für Buben, ganz in Hellblau. Natürlich ohne Nägellackieren und Schminken. Welche Besonderheiten für Jungs ihr in den Sinn gekommen sind, will die 41-Jährige noch nicht verraten.

Kobus’ Tochter ist mit ihren knapp zwei Jahren übrigens noch zu jung, um selbst Kundin im „Monaco Princesse“ zu sein. Präsent ist sie trotzdem: In einer Ecke steht ein Foto von ihr. Ein hübsches Mädchen, mit braunen Haaren und dunklen Augen. Darüber hängt ein überlebensgroßes, gemaltes Abbild von dem Foto. Nur ist das Mädchen dort blond, hat strahlend blaue Augen, trägt ein rosa Kleid und rosa Schleifchen im Haar. Aus dem Mädchen ist eine Prinzessin geworden.

Moritz Homann

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