Brenner: Wie konnte der Horror-Unfall nur passieren?

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Gegen 5.15 Uhr stürzte die Betonwand auf die Fahrbahn und zerdrückte den Sattelzug. Fahrer Manfred K. starb in den Trümmern. Die Bergung dauerte Stunden.

Schönberg/München - Ein Münchner Lkw-Fahrer war mit seinem Brummi unterwegs in Richtung Italien, als auf der Brennerautobahn plötzlich eine Betonwand umkippt und den Mann in seinem Gefährt unter sich begräbt.

Plötzlich kracht die Betonwand runter - und zerquetscht den Laster wie ein Spielzeugauto! Was wie ein Horrorszenario klingt, wurde am Dienstag auf der Brenner-Autobahn in Österreich grausame Realität. Fahrer Manfred K. (52) aus München war sofort tot. Begraben unter 160 Tonnen Beton, auf einer der beliebtesten Urlaubsstrecken Europas!

Das Unglück geschah Dienstag gegen 5.15 Uhr in der Früh. Manfred K., unterwegs in Richtung Italien, fuhr langsam auf der A13 auf die Mautstelle Schönberg zu, als sich in Sekundenbruchteilen zwei jeweils zehn Meter lange und sieben Meter hohe Betonstücke der Stützmauer lösten und den Lkw komplett begruben. „Der Fahrer hatte keine Chance“, sagte ein Polizeisprecher.

Bilder: Lkw aus München unter Mauer begraben

Der Laster stammt von einer Spedition aus Oberschleißheim. Da in Österreich bis 5 Uhr morgens ein Nachtfahrverbot für Lkw gilt, war der Münchner offenbar erst kurz zuvor losgefahren: „Wir gehen davon aus, dass er die Nacht auf einem Parkplatz verbracht hat und erst 15 Minuten unterwegs war“, so Markus Widmann vom zuständigen Landespolizeikommando zur tz. Der Unfall löste einen Großeinsatz von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten aus. Drei große Kräne hievten die 160 Tonnen schweren Trümmer von dem zusammengedrücktem Laster. Mit einer Bergeschere befreiten die Einsatzkräfte die Leiche von Manfred K.  aus dem Fahrerhaus. Feuerwehrmänner sicherten die nachrutschende Erde mit Sandsäcken.

„Die Bergung war wegen des hohen Gewichts der Betonplatten sehr schwierig“, sagt Widmann. An der Unfallstelle soll nun der Hang mit Spritzbeton abgestützt werden. An der Mautstelle wurden zwei der drei Lkw-Fahrspuren gesperrt, der Stau löste sich ab Mittag auf. Der ADAC rechnet auch an Ostern nicht mit großen Behinderungen: „Während der Reisewelle gilt in Tirol ein Lkw-Fahrverbot.“

CS, JAM

Wie konnte das passieren? Rätselraten um Unglücksursache

Eine 160 Tonnen schwere Stützmauer stürzt auf eine der meistbefahrenen Autobahnen Europas und begräbt einen Sattelschlepper unter sich. Wie kann das passieren? Es handelt sich um eine Winkelstützmauer aus Stahlbeton, die wie ein umgedrehtes T aufgebaut ist. Der Druck der Erde sollte das Bauwerk stützen. Doch in Schönberg brach der Beton an der Basis, so dass die Mauer auf die Straße geschleudert wurde. Der Tiroler Landesgeologe Gunther Heißel: „Die Ursache liegt sicher in der Schneeschmelze. Heuer hatten wir besonders viel Schnee. Dadurch hat sich der Druck so erhöht, dass der Hang die Mauer urplötzlich umgeworfen hat.“ Dazu regnete es am Montag auch noch stark: 20 Liter pro Quadratmeter - so viel kommt sonst im März pro Woche runter.

Aber hätte die Mauer das nicht aushalten müssen? Der Münchner Professor und Bauingenieur Conrad Boley hat zwei Erklärungen: „Es kann sein, dass die Drainagerohre, die das Wasser hinter der Mauer abführen sollen, verstopft waren. Möglich ist auch eine Materialermüdung des Armierungsstahls im Beton, etwa durch Streusalz. Auch eine Kombination beider Ursachen ist denkbar.“ Allerdings kündige sich so ein Bruch gewöhnlich durch sichtbare Verformungen an. Wie sicher sind die anderen Betonwände an der Brennerautobahn? Geologe Heißel sieht „momentan keine Gefahr“. Die Autobahngesellschaft Asfinag will nun dennoch alle Winkelstützmauern überprüfen, obwohl dies ohnehin routinemäßig geschehe, so auch in Schönberg. Asfinag-Sprecher Alexander Holzedl: „Die heute gebrochene Stützmauer an der A 13 wurde zuletzt vor wenigen Wochen von Experten geprüft.“

J. Welte

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