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„Schokolade macht glücklich“

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Schokolade macht glücklich, bestätigt sogar die Ernährungsmedizinerin.
Schokolade macht glücklich, bestätigt sogar die Ernährungsmedizinerin. © Michael Westermann

Schokolade ist für viele Menschen unwiderstehlich – aber mit der Lust auf die Süßigkeit geht meist das schlechte Gewissen und die Angst vor der Waage einher.

Dabei ist Schokolade gar nicht so ungesund – selbst Diabetiker dürfen zugreifen. Und: Schokolade macht glücklich! Das bestätigt die Münchner Ernährungsmedizinerin Dr. Karen v. Mücke (44) im tz-Interview. Sie war bis Ende März als Oberärztin im Klinikum Neuperlach tätig und hat sich zum 1. April als Internistin mit Schwerpunkt Diabetes und Ernährungsmedizin in München niedergelassen.

Frau Dr. von Mücke, welche Inhaltsstoffe der Schokolade sind gesund?Schokolade enthält natürliche B-Vitamine, wichtig für Haut, Nerven und Blutbildung, Vitamin A für die Sehkraft, das Vitamin Niacin für Zellreparaturen und Vitamin E als Radikalfänger. Das Spurenelement Zink in der Schokolade hilft bei der Zellerneuerung und der Immunabwehr. Kalzium aus der Schokolade stärkt die Knochen. In 100 Gramm Schokolade sind zum Beispiel ungefähr 25 Prozent unseres täglichen Kalziumbedarfs enthalten. Somit hat Schokolade durchaus gesunde Seiten.

Und welche Stoffe sind ungesund – mit welcher negativen Wirkung?Schokolade enthält viel Zucker und Fett (s. Tabelle, Anm. d. Red.): Hier gilt leider immer noch: Zucker ist nicht nur schlecht für die Zähne, und Fett macht fett, denn es hat doppelt so viel Kalorien wie Eiweiß oder Kohlenhydrate. Schokolade essen, ohne zuzunehmen kann also nur, wer sich genügend bewegt und dabei viel Energie verbraucht. Bei normaler Bewegung deckt eine Tafel Schokolade mit 500 bis 600 Kalorien ungefähr ein Viertel des Tages-Energiebedarfs. Neben Zucker und Fett kann sich bei Milchschokolade das in der Milch enthaltene Cholesterin negativ auswirken. Kakaobutter hingegen ist ein pflanzliches Fett und damit cholesterinfrei. Bei empfindlichen Menschen kann Schokolade wegen ihres Serotoningehalts Migräne verursachen.

Ist Schokolade unterm Strich also eher gesund oder ungesund?Das kann man von zwei Seiten betrachten: Schokolade ist einerseits ein exzellenter Energielieferant und wurde zum Beispiel bei Soldaten als haltbare Marschverpflegung verwendet. Andererseits kann ein Zuviel an Energie ungesund sein und schnell ansetzen. Aber Schokolade ist schließlich ein Genussmittel und kein Nahrungsmittel – und Genussmittel müssen ja nicht immer gesund sein … In geringen Mengen verzehrt, ist Schokolade jedenfalls nicht schädlich.

Man hört immer wieder, dass Bitterschokolade gesünder sei als Vollmilch. Stimmt das?Ja und nein: Positiv an Bitterschokolade ist, dass sie weniger Milchfett und damit weniger Cholesterin als Vollmilchschokolade enthält. Außerdem sind in dunkler Schokolade mehr Ballaststoffe sowie ein höherer Kakaoanteil enthalten, und sie hat weniger Zucker als Vollmilch. Für die Vollmilchversion spricht, dass dunkle Schokolade mehr Fett und damit mehr Kalorien hat. Außerdem ist der Kalziumanteil in der Vollmilchschokolade höher.

Wie viel Gramm Schokolade am Tag ist vertretbar? Jeden Tag eine ganze Tafel Schokolade zu verzehren, halte ich für nicht empfehlenswert. Gegen 25 bis maximal 50 Gramm pro Tag hätte ich aus ernährungsmedizinischer Sicht nichts einzuwenden, übrigens auch nicht bei Diabetikern. Im Gegenteil: In Maßen genossen ist Schokolade für Diabetiker nicht schlechter als für gesunde Menschen. Durch den hohen Fettanteil in der Schokolade wird der Zucker nur langsam im Körper freigesetzt. Das ist ideal für Zuckerkranke – sie können also ruhig normale Schokolade essen. Diabetiker-Schokolade ist im Grunde völlig überflüssig.

Kann Schokolade süchtig machen? Das wurde und wird immer wieder diskutiert, aber es gibt keine wissenschaftlichen Beweise. Ich würde das Phänomen eher für Heißhunger halten.

Macht Schokolade wirklich glücklich? Schokolade steigert den Serotoninspiegel im Gehirn, der für eine ausgeglichene Stimmungslage wichtig ist. Außerdem setzt Schokolade Glückshormone, sogenannte Endorphine, frei, die ebenfalls stimmungssteigernd wirken. Auch das in Schokolade enthaltene Theobromin wirkt mild anregend und stimmungsaufhellend und soll zudem einen hustenlindernden Effekt haben. Man hat sogar einen Stoff in Schokolade gefunden, er heißt Anandamid, der so ähnlich wie Cannabis wirkt. Allerdings müsste man 20 bis 30 Kilo Schokolade essen, um die nötige Dosis für einen Rauschzustand zu erreichen.

Das Geheimnis feinsten Trink-Kakaos

Die Rezepturen sind vielfältig – der Münchner Kaba-Produzent Michael Beck erklärt die Unterschiede.

Es ist der Geschmack von Kindheit, die Vorstellung von der Mama mit Schürze am Herd, von aufgekochter Milch und dem Duft des Kakaos, der sich im heißen Weiß entfaltet. Die zwei Kinderhände mögen groß geworden sein, aber den Becher mit dampfender, duftender Schokolade umschließen sie noch immer selig …

Mit Trinkschokolade fing vor mehr als 3000 Jahren der Kult um die Kakaobohne an. Damals haben die Völker in den Regenwäldern Mexicos die Bohnen zerstoßen und mit Gewürzen und Wasser verquirlt. Heute gibt es die unterschiedlichsten Arten, Trinkschokolade herzustellen. Als Pulver oder Granulat, geraspelt oder in Form von Flocken, Kugeln oder Pastillen. Welche die Beste ist, ist Geschmackssache.

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Michael Beck mag Pulver am liebsten: „Weil ich damit aufgewachsen bin.“ Seine Kaba-Leidenschaft hat der gelernte Landschaftsgärtner und Hobbykoch vor fünf Jahren mit Becks Cocoa zum Beruf gemacht. 20 verschiedene Sorten stellt der Münchner in seinem kleinen Werk in Augsburg inzwischen her – vom braunen Klassiker über weiße Schoki mit Vanille bis hin zu Exoten wie Kirsche-Zitronengras. Die 125-Gramm-Packungen kosten zwischen fünf und sechs Euro im Handel, in Becks Café B. Cocoa in der Kazmairstraße 24 gibt’s alle Sorten freilich auch tassenweise.

Das Rohkakaopulver bezieht Beck aus den Erste-Klasse-Anbaugebieten in Zentral- und Südamerika, darüber hinaus kommen ihm nur Zucker und natürliche Aromen in seinen Kakao. „Ich bin ein Spinner, der gerne an neuen Sorten tüftelt. Auf den Markt bringe ich nur, was mir selbst 100-prozentig schmeckt.“

Der Vorteil von Pulver ist, dass es sich leicht auflöst und weniger Kalorien hat, erklärt Münchens einziger Kaba-Produzent. Im Vergleich zum entölten Pulver sind Kakao-Getränke aus echter Schokolade, die man etwa in Form von Kugeln in die heiße Milch gibt, zwar meist intensiver im Geschmack, dafür aber wesentlich fetter. Und: „Wenn die Milch nicht heiß genug ist, löst sich die Schokolade nicht richtig auf und klumpt.“

Und wie kriegt man diese herrlich cremigen, dickflüssigen Schokoladen hin, wie es sie oft in Italien oder Spanien gibt? „Der Trick ist eine Messerspitze Stärke“, sagt Beck. Cremig wird’s auch nach Omas Rezept: Schoki schmelzen und mit Sahne aufgießen. Schmeckt himmlisch, nur Kalorien zählen darf man nicht …

Quelle: tz

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