Nach Öffentlichkeitsfahndung

Polizei fasst Vergewaltiger am Marienplatz

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Der Täter wurde gefasst.

München - Er verging sich an zwei Frauen innerhalb von zwei Tagen: Die Polizei hat am Freitag einen mutmaßlichen Vergewaltiger am Marienplatz gefasst. Entscheidend für den Erfolg waren Bilder einer Überwachungskamera.

Es waren beklemmende Bilder, die die Polizei am Freitag veröffentlichte. Sie zeigten einen Mann, der sich innerhalb von 38 Stunden an zwei Frauen vergangen haben soll. Er vergewaltigte eine Frau in einem Fahrstuhl, eine zweite griff er im U-Bahnhof Neuperlach Süd an. Weil er dabei äußerst aggressiv vorging, setzte die Polizei den Fall ganz oben auf die Prioritätenliste. Mit Erfolg: Am Freitag erkannten Zivilfahnder den Gesuchten am Marienplatz – noch während die Öffentlichkeitsfahndung anlief.

Erst zwei Stunden vor dem Fahndungserfolg war Kriminaldirektor Frank Hellwig vor die Presse getreten. Sein Dezernat ist für die schwersten Verbrechen in der Stadt zuständig. Hellwig ist ein freundlicher Mann, dem dramatisches Gehabe fremd ist. Dass er persönlich vor die Presse tritt, kommt selten vor. Doch an diesem Freitag hielt er es für notwendig. „Wir schätzen die Gefährlichkeit dieses Täters als hoch ein“, sagte er. Panik wolle man keinesfalls erzeugen. Aber Vorsicht, sagte er, Vorsicht sei in jedem Fall geboten.

Die Geschichte des Falls beginnt am Mittwochmorgen. Eine junge Frau steigt an der Landshuter Allee 10 in den Aufzug, der sie in ihr Büro bringen soll. In letzter Sekunde steigt ein Mann dazu, den sie später als ungepflegt beschreiben wird. Die Fahrt in den fünften Stock dauert nur Sekunden – sie reichen dem Täter, um sie so heftig zu begrapschen, dass die Polizei die Tat als Vergewaltigung wertet. Die Frau schafft es aus dem Aufzug heraus, der Täter fährt nach unten – und hält dort eiskalt einer Frau die Tür auf, bevor er aus dem Gebäude schlendert.

Tatzeit und -ort gelten bei den Ermittlern sofort als ungewöhnlich. Am hellichten Tag in einem für jeden zugänglichen Gebäude – „dieser Täter scheut die Öffentlichkeit überhaupt nicht“, sagt Hellwig. Schon am Donnerstag ist von Bildern einer Überwachungskamera die Rede. Sie bleiben noch unter Verschluss – „wir waren noch nicht zu einhundert Prozent sicher, dass die Bilder wirklich den Täter zeigen“, sagt Hellwig später.

Knapp 38 Stunden nach der ersten Tat haben die Ermittler Gewissheit – und der Fall höchste Priorität. Im U-Bahnhof Neuperlach Süd wird eine 24-Jährige überfallen. Es ist Donnerstag, 23 Uhr, draußen ist es dunkel, ein Unwetter ist gerade über die Stadt gezogen. Bereits in der U 5 Richtung Neuperlach fällt dem späteren Opfer ein Mann auf, der sie beobachtet. An der Endhaltestelle verlassen beide den Zug, er verfolgt sie. Als sie sich umdreht, greift er sofort an – höchst aggressiv, genau wie im Fahrstuhl. Die Frau schlägt mit ihrem Schirm zu, doch der Täter ist stärker. Er ringt die Frau zu Boden und versucht, sie zu vergewaltigen. Mutig kämpft sie mit ihrem Angreifer, schreit laut um Hilfe. Es gelingt ihr, das Schlimmste zu verhindern – auch, weil Passanten sich nähern. Der Mann flüchtet.

Im U-Bahnhof wird er wieder gefilmt. Ein Abgleich der Bilder lässt keinen Zweifel: Es ist derselbe Täter wie tags zuvor. Das Kommissariat 15 in Frank Hellwigs Dezernat lässt alles andere stehen und liegen, arbeitet fast ausschließlich an diesem Fall. Die Öffentlichkeitsfahndung ist nun keine Frage mehr, der Auftritt vor der versammelten Presse sollte die maximale Aufmerksamkeit der Bevölkerung bringen. Bilder des Täters wären auf den Infobildschirmen in allen U-Bahnhöfen zu sehen gewesen.

Am Ende ist das alles nicht mehr nötig. Zivilbeamte erkennen den Täter Freitagmittag am Marienplatz. Noch am Nachmittag gesteht er beide Taten. Details gab die Polizei zunächst nicht bekannt.

akg

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