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Die Schranne wird versteigert

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Wer will die Schranne haben? Rund 34 Millionen Euro müsste man aus dem Sparstrumpf ziehen. © Klaus Haag

München -  Die Schrannenhalle wird zwangsversteigert. Ihr Verkehrswert: 34 Millionen Euro. Großgastronom Michael Ecker ist dennoch weiter zuversichtlich, dass er der neue Betreiber der Halle wird.

Wer sich schon immer mal ein Prestigeobjekt in der Altstadt zu Weihnachten schenken wollte, und noch 34 Millionen Euro im Sparstrumpf hat, der sollte am Mittwoch, 9. Dezember, zum Vollstreckungsgericht in die Infanteriestraße 5 kommen. Für 10 Uhr ist hier eine der aufsehenerregendsten Zwangsversteigerungen angesetzt, die das Gericht je erlebt hat: Die Schrannenhalle am Viktualienmarkt kommt unter den Hammer.

Versteigert wird der gesamte Gebäudekomplex mit 6600 Quadratmetern vermietbarer Fläche. Dazu gehören die Halle selbst mit einer Höchstbesucherzahl von 1970 Personen, sowie die Kopfbauten. Der nördliche Kopfbau beheimatet das Gasthaus „Der Pschorr“, der südliche ein Yogastudio und Büros. Ebenfalls mit im Paket: Das Untergeschoss, zurzeit eine Disko, und die Tiefgarage mit 177 Stellplätzen.

Erstaunlich gutes Zeugnis für die Schranne

Der aktuelle Schrannenpächter Jürgen Lochbihler, gibt sich dennoch gelassen. „Wir planen noch weit ins Jahr 2010 für die Halle.“ Auch ein neuer Besitzer könne sie ja nicht sofort umkrempeln. Lochbihler rechnet damit, sie mindestens in der Übergangsphase noch zu betreiben. Vier Experten haben in einem Gutachten den Wert der Schranne geschätzt – und stellen ihr ein erstaunlich gutes Zeugnis aus. Es handle sich um ein einzigartiges Gebäude in sehr guter Lage. Ihr Verkehrswert: 34 Millionen Euro. Mit dem Komplex könnte man laut den Gutachtern beträchtliche Einnahmen erzielen. Einen Jahresrohertrag von rund 2,3 Millionen Euro halten sie für realistisch. Davon müsse man freilich die laufenden Kosten abziehen, so dass ein Reinertrag von 1,95 Millionen im Jahr übrig bleibe. Allein die Tiefgarage verzeichnete 2008 rund 1,1 Millionen Euro Umsatz (ohne Mehrwertsteuer).

Umso mehr erstaunt es, dass die Schranne derart in die Krise geraten ist. Die Zwangsversteigerung wurde angeordnet, weil die Firma von Schrannen-Investor Klaus Thannhuber Kredite nicht mehr bedienen konnte. Wer wird nun am Mittwoch für das gebeutelte Objekt bieten? Darüber kursieren gleich mehrere Gerüchte: Gehandelt wird unter anderem die Schörghuber-Gruppe, ebenso der niederbayerische Baulöwe Günther Karl.

Mehrere Bieter werden gehandelt

Karl ist ein Gläubiger der Schranne, er kaufte mehrere der auf ihr lastenden Verpflichtungen auf. Karl hat bereits früher Interesse an der Halle bekundet, will sich derzeit aber nicht äußern. Auch beim Immobilien-Riesen Schörghuber stößt man auf Schweigen: „Die Schrannenhalle zählt zu den Gerüchten, die wir weder bestätigen noch dementieren“, sagte ein Sprecher.

Einer gibt sich zuversichtlich: Der Münchner Großgastronom Michael Ecker, der in München unter anderem die Lokale „Cena“ und „Lebenswert“ eröffnete. Wie berichtet, will er mit seiner Firma Futurecom neuer Betreiber der Schranne werden. Er stehe in „konkretem Kontakt“ mit zwei Unternehmen, die bei der Versteigerung mitbieten werden, sagte er unserer Zeitung. Er sei daher optimistisch, dass er sein Konzept für die Schranne in Kooperation mit einem der Bieter umsetzen könne. „Aber bei Versteigerungen ist man vor Überraschungen nie gefeit.“ Ecker will in der Schranne drei Restaurants etablieren, zudem soll es eine „interaktive Show“ – etwa ein Wachsfigurenkabinett – geben.

Ob die Schranne schon am Mittwoch den Besitzer wechselt, ist allerdings nicht sicher. Werden weniger als 70 Prozent des Verkehrswerts geboten, kann die Gläubigerbank ablehnen. Zudem könnte sie die Versteigerung jederzeit absagen. Eins steht fest: Wer ernsthaft mitbieten will, sollte das nötige Kleingeld haben. Gläubiger können bei Abgabe des Gebots eine Sicherheit vom Bieter verlangen – meist zehn Prozent des Verkehrswerts. In diesem Fall also: 3,4 Millionen Euro.

von Johannes Patzig

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