Die Schranne kommt unter den Hammer

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Was wird aus der Schrannenhalle? Der eine Mieter will nicht ausziehen, der neue kann nicht rein – und der Investor ist offenbar mit den Raten in Rückstand.

München, Der Showdown zum Wiesn-Start in der Schrannenhalle blieb aus, doch der Hammer kommt noch: Nämlich der des Auktionators! Wie die tz erfuhr, hat das Amtsgericht München für den 9. Dezember die Versteigerung der traditionsreichen Immobilie am Viktualienmarkt angeordnet.

Zunächst war erwartet worden, dass es in der Nacht zum Wiesn-Auftakt zum Showdown kommen würde: Zwischen dem bisherigen Mieter Jürgen Lochbihler, dessen Vertrag außerordentlich zum Ablauf des 18.September gekündigt wurde, und dem neuen Mieter Michael Ecker. Denn Ecker war ursprünglich der festen Überzeugung, dass Lochbihler die Halle fristgerecht räumen würde. Er wollte deshalb noch in der Nacht zum Samstag mit 120 Mann umbauen und oktoberfestlich dekorieren.

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Allerdings erklärte Ecker schon am Vorabend, dass es noch ein paar Tage dauern könne und er in guten Gesprächen mit Lochbihler sei, der wohl in den nächsten Tagen aus eigenen Stücken ausziehe. Das dementiert Lochbihler vehement – und ließ den Betrieb über den 18. hinaus einfach weiterlaufen! Nun wird wohl gerichtlich geprüft werden müssen, ob die außerordentliche Kündigung von Klaus Thannhubers Schrannenhalle GmbH & Co KG gegenüber Lochbihlers Gastronomie & Kultur GmbH wirksam ist oder nicht. „Die Gastronomie & Kultur GmbH wird das Mietverhältnis selbstverständlich vertragstreu fortsetzen“ lässt Lochbihler dazu verlauten und meint weiter: „Wenn jetzt Herr Thannhuber versucht, einen ,Nachmieter ins Spiel zu bringen, ist das eine Clownerie von beträchtlichem Unterhaltungswert. Wir bedauern aber, dass er immer wieder versucht, die Schrannenhalle zum Spielball seiner eigenen Interessen zu machen. Damit sollte es nun rasch ein Ende haben“, kritisiert er.

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Damit könnte Lochbihler durchaus recht haben, denn für den 9. Dezember soll das Amtsgericht München bereits die Versteigerung der Halle auf Betreiben der Deutschen Bank London angesetzt haben. Bei dem Kreditinstitut hat sich der Erbpachtnehmer der Stadt, die Schrannenhallen GmbH & Co. KG, vertreten durch Klaus D. Thannhuber, einst 26 Millionen Euro zum Erwerb der historischen Immobilie geliehen. Als er das Darlehen im vergangenen Jahr nicht mehr bedienen konnte, wurde die Schrannenhalle vorübergehend unter Zwangsverwaltung gestellt und die Mieteinnahmen direkt an die Gläubigerbank abgeführt. Das war offenbar nicht genug, weshalb das Institut nun die Zwangsversteigerung betreibt, um an die Differenz aus Darlehen und bereits getilgten Raten zu kommen. Die soll irgendwo zwischen zehn und 20 Millionen Euro liegen.

Die Rendite für einen potenziellen Investor wäre indes nicht unbeträchtlich: Allein die Einnahmen der Tiefgarage betragen nach Angaben eines Insiders gegenüber der tz knapp eine Million Euro jährlich.

Thomas Oßwald

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