Fachhandel in der Implerstraße

Er macht des Pfarrers neue Kleider

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Andreas Püttmann verkauft Messgewänder in allen Farben

München - Andreas Püttmann ist Inhaber vom Schreibmayr in der Implerstraße. Als Marktführer bei liturgischen Textilien. Die Tendenz gehe dabei eher hin zum Traditionellen, erklärt er.

Andreas Püttmann hat ganz genau hingeschaut, beim Franziskus, dem neuen Papst. Bei den ersten Auftritten, vor allem aufs Äußere. Die schlichte Kleidung, ganz in Weiß, ohne goldenen Pomp wie sein Vorgänger Benedikt. Bergoglio, viel schnörkelloser, einfacher, Zeichen seiner Demut, seiner Bescheidenheit. Das Gewand als Programm, Kleider machen Päpste. Andreas Püttmann war angetan vom Erscheinungsbild des neuen Kirchenoberhaupts, und er sagte aber auch, dass der neue Papst vermutlich in jedem Gewand gütig und freundlich wirken würde. Püttmann muss es wissen. Wenn nicht er, wer sonst. Als Inhaber vom Schreibmayr in der Implerstraße. Als Marktführer bei liturgischen Textilien.

In dritter Generation führt Püttmann das Geschäft schon, dessen Geschichte geht aber weiter zurück, 200 Jahre fast. In der Weinstraße, Hausnummer 7, gründete Johann Georg Schreibmayr seinen Laden für Fahnen und Kirchengewänder. Nach der Bombenzerstörung im Krieg zog der neue Inhaber Josef Püttmann an den Frauenplatz, gleich beim Dom ums Eck. Das war ganz praktisch, denn wenn sie in der Frauenkirche auf die Schnelle etwas brauchten, dann hatten sie nicht weit zum Schreibmayr. Vom Kardinal bis zum Mesner, alle gingen sie hier einkaufen, Ratzinger, Wetter, alle waren sie da. Denn beim Schreibmayr gab und gibt es alles, was die Kirche braucht, auch nach dem Umzug nach Untersendling 1995 an die Implerstraße. Ein Auszug aus dem Angebot? Bitte sehr. Monstranzen, Tabernakel, Weihwasserbehälter. Außerdem vom Opferlichttisch inklusive 90 rubinroter LED-Kerzen für 4460 Euro (die Variante mit 30 Kerzen gibt’s schon für 2368 Euro) über den Brautbetstuhl (Massivholz, barock, dunkelroter Samtbezug, 508 Euro) und das elektrische Hostienbackeisen zum Selbermachen der Hostien (860 Euro) bis hin zur Weihrauchkollektion im praktischen Geschenkset (19 Euro) mit den verschiedenen Duftrichtungen namens Pontifikal oder Lourdes Gold – ein Sortiment vom Feinsten.

Bestens ausgestattet ist Püttmann aber vor allem beim Klerikalgewand. Messgewänder, Skapuliere, Kaseln, so heißt das. Was ein Pfarrer trägt, ist nicht Jacke wie Hose, jedes Gewand, vor allem jede Farbe hat in der Liturgie ihre eigene Bedeutung und ihre eigene Zeit. Mit den Farben gab es auch beim Papstbesuch 2006 eine ganz lustige Geschichte, wie Püttmann erzählt. Für das ganze geistliche Gefolge von Benedikt hatte das Erzbistum bei ihm bereits 250 weiße Gewänder bestellt. Weiß als Zeichen eines besonderen Festtags, und schließlich sei das ja ein Feiertag, wenn der Papst schon einmal vorbeischaut. Das sah der Papst selbst aber ein wenig anders. Von wegen Feiertag, meinte er, der 10. September, der Tag seiner großen Messe in Riem, sei im Kirchenjahr ein stinknormaler Sonntag, deswegen hätten bitt’schön alle das alltägliche Grün zu tragen. Und so musste Püttmann schnell umdisponieren und verlieh ans Bistum 250 grüne Gewänder. Später, als der Papst wieder in Rom war, stellte Püttmann die gebrauchten Kleider ins Internet, und es dauerte nicht lange, da waren sie weggegangen wie die warmen Semmeln. Einmalige Souvenirstücke.

Wie bei jeder Mode sind auch in der Kirche die Geschmäcker verschieden, manche Pfarrer mögen das Gewand verspielter, moderner, mit mehr Applikationen. Aber die Tendenz, sagt Püttmann, gehe doch vor allem zurück zum Traditionellen, und was das Althergebrachte in Sachen Gewand und Symbolik betrifft, sei doch sehr deutlich ein Nord-Süd-Gefälle erkennbar. Wenn es um die Darstellung eines gekreuzigten Jesus geht, da würde die Kundschaft aus dem mehr protestantischen Norden der Republik eher ein nüchternes Kreuz aus Edelstahl bestellen. Bei uns im barocken Bayern dagegen wird auch weiterhin das Kruzifix aus Holz verlangt.

Püttmann sagt, selbstverständlich gehe er als gläubiger Katholik regelmäßig in die Kirche, aber natürlich kann er als Geschäftsmann nicht anders, als doch darauf zu schauen, was der Pfarrer trägt, wie der Baldachin aussieht, ob es nicht einen neuen Klingelbeutel bräuchte. Den hat er nämlich auch. Zweigriffig, Messing, verstärktes Innenfutter. Momentan im Angebot für 45 Euro. Auch für Schnäppchenjäger ist der Schreibmayr das reinste Paradies.

Florian Kinast

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