Arbeitet hier sogar eine Prostituierte?

Schrott-Friedhof unter Münchens größter Brücke

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Die Donnersbergerbrücke wird zum Schandfleck der Stadt

München - Unter Münchens größter Brücke gammeln etliche Schrottautos vor sich hin: Ohne Nummernschild, ohne TÜV und Zulassung, mit eingeschlagenen Scheiben, platten Reifen. Sogar eine Prostituierte soll hier arbeiten.

Diverse Autos sind zugemüllt

Die Donnersbergerbrücke: Auf der einen Seite thront Mercedes Benz, hochglanzpolierte Luxuskarossen so weit das Auge reicht. Gegenüber, unter Münchnens größter Brücke, ein ganz anderes Bild. Etliche Schrottautos gammeln hier vor sich hin: Ohne Nummernschild, ohne TÜV und Zulassung, mit eingeschlagenen Scheiben, platten Reifen. Mindestens 30 solcher Fahrzeuge stehen hier im düsteren Licht – manche schon seit Jahren.

Viele Fenster sind ein Spalt breit offen und mit Tüchern verhängt. Ganz offensichtlich hausen hier Menschen in den abgewrackten Kombis und Wohnwagen. Die Nummernschilder verraten, woher sie kommen: Rumänien, Bulgarien, Serbien.

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Bei einem grünen Nissan-Bus sind die Seitenscheiben beschlagen. Im Innern liegt eine Matratze, Wolldecken stapeln sich darauf. Auf einer Wäscheleine, gespannt zwischen den Kopfstützen, hängen Dessous. Es sieht aus, als biete in dem Auto eine Prostituierte ihre Dienste an.

„Da müssen wir vorbeischauen, wenn es dunkel ist“, sagt ein Polizist. Er und sein Kollege sind von einem jungen Mann gerufen worden. In seinem Wohnmobil hat irgend jemand Unterschlupf gesucht. Zigarettenstummel und Plastikflaschen finden die Polizisten im Fahrzeug. „Jetzt schau ich öfter mal hier vorbei“, nimmt sich der Münchner vor.

Die Donnersbergerbrücke wird zum Schandfleck der Stadt

Am frühen Vormittag herrscht viel Bewegung unter der Donnersbergerbrücke, erzählen Anwohner. Regelmäßig beobachten sie, wie aus den geparkten Kombis Frauen mit kleinen Kindern aussteigen. Dann verschwinden sie in Richtung Innenstadt. Wenig später sitzen sie entlang der Bayerstraße und strecken ihre Pappbecher den Passanten entgegen.

Sobald es dunkel wird, kommen die Frauen mit den Kindern zurück. Jetzt flackert in den Autos schwaches Licht hinter den verhängten Scheiben. Auf und neben der Donnersbergerbrücke rauscht währenddessen unablässig der Abendverkehr vorbei.

In den Nachtstunden lungern hier etliche Männer zwischen den geparkten Autos herum. Wer hier nichts zu suchen hat, sollte lieber verschwinden, sagen ihre Blicke. Ein, zwei Frauen gehen jetzt auf und ab, sprechen den ein oder anderen Mann an. Dann verschwinden sie in den ganz düsteren Teil des überdachten Großparkplatzes.

Der Parkplatz unter der Donnersbergerbrücke ist eine andere Welt. So ganz anders als die hochglanzpolierte Glasfassade von Mercedes Benz gegenüber.

JAM

Das sagt die Stadt dazu

Der Platz unter der Donnersbergerbrücke ist ein öffentlicher und noch dazu kostenfreier (!) Parkplatz. „Es gelten auf diesem Platz die gesetzlichen Regelungen: Ein nicht zugelassenes oder betriebsunfähiges Fahrzeug darf dort nicht abgestellt werden“, erklärt eine Sprecherin des Baureferats. „Das Referat geht in Zusammenarbeit mit der Polizei gegen solche Ordnungswidrigkeiten vor. Die Polizei fordert den Besitzer durch Aufkleben der Plakette (roter Punkt) auf, das Fahrzeug sofort zu entfernen. Gegen das verbotene Übernachten kann nur die Polizei vorgehen.“

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