Schrotträder verschandeln die Stadt

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Manche Schrotträder behindern Fußgänger und andere Radler - doch sie dürfen nicht einfach weggeräumt werden

München - Sie liegen in der Gegend herum, sind verrostet, verbeult, es fehlt der Reifen, der Lenker, der Sattel: Schrotträder. Doch einfach wegräumen kann man sie nicht, erklärt das Baureferat.

Die vergessenen Fahrräder rosten monatelang an U-Bahnabgängen, an Laternenmasten, an Verkehrsschildern vor sich hin. Sie stehen im Weg, nehmen anderen Radlern den Stellplatz weg – die Folge ist ein hässlicher Verhau. „Sieht ja aus wie ein Schrottlager“, schimpfen viele Münchner. „Kann man die nicht mal weggräumen?“

So einfach ist das nicht. Zuständig für das Entfernen der Schrottradl ist das Baureferat. „Uns sind enge Grenzen gesetzt“, sagt Referatssprecherin Nina Lindinger. „Nur offensichtlich verkehrsuntaugliche Räder dürfen wir entfernen.“ Doch welches Schrottradl nicht mehr verkehrstauglich ist, das entscheidet die Polizei.

Übers ganze Jahr entsorgt das Baureferat zurückgelassene Fahrräder. Gut 1000 Radl kommen da zusammen – oft auch nach Hinweisen von Anwohnern. Bei den jährlichen Schrottradl-Aktionen im Herbst strömen zusätzlich Arbeiter des Baureferats gemeinsam mit Polizisten aus. Jedes Mal räumen die Mitarbeiter an die 2000 Drahtesel auf die Pritschenwagen. Akribisch müssen die Beamten die Standorte der entfernten Schrottradl festhalten. Kann ja sein, ein Besitzer erinnert sich nach Monaten doch wieder an sein Radl – und will es plötzlich zurück.

Die schrottreifen Fahrräder werden drei Monate lang auf städtischen Betriebshöfen wie dem an der Wilhelm-Wagenfeld-Straße (Freimann) gelagert – quasi ein Friedhof der vergessenen Radl. Meldet sich nach einem viertel Jahr kein Besitzer, werden die Drahtesel an soziale Einrichtungen abgegeben. Dort wird aus den Fragmenten von zwei oder drei Schrotträdern ein fahrtüchtiger Drahtesel.

JAM

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