Täter gesteht vor Gericht

Raub auf Bestellung: Schüler überfällt Pizza-Boten

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Edwin K. wird von einer Polizistin in den Gerichtssaal geführt.

München - Ein Schüler lockt Pizza-Lieferanten an dunkle Orte und beraubt sie. Nun steht der junge Mann vor Gericht. Er gesteht die Taten. Die Waffe hat der Täter im Internet gekauft.

Diesen Anruf am Sonntagabend wird Aleksandar D. (26) nie vergessen! „Gegen 22 Uhr war ein junger Mann dran. Er wusste nicht so recht, was er bestellen sollte. Am Ende lieferten wir ihm seine Pizza dann zum Park. Ein bisschen seltsam war das schon.“ Trotzdem schickte der Imbiss-Chef seinen Boten los. Keine halbe Stunde später kommt der Kollege aber zurück. Ohne Pizza. Ohne Geld. Und ohne Handy. „Er war völlig panisch und weinte.“ Denn der Pizza-Bote wurde mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt!

Seit Montag steht der Täter vor Gericht: Edwin K. (21, Name geändert) – ein Schüler, der noch bei seinen Eltern wohnte. Er gesteht den Raubüberfall – und auch vier weitere Taten zwischen dem 8. März und 5. April 2014. Von Telefonzellen aus rief K. mit unterdrückter Nummer bei den Lieferdiensten an. Und bestellte sie dann zu abgelegenen Orten, um sie dort zu überfallen. Bei Anruf Raub! Mit einer Softair-Pistole, die er für 30 Euro im Internet gekauft hatte, überfiel Edwin K. die Pizza-Lieferanten – in München, zweimal in Unterhaching, in Ismaning und Hohenbrunn.

Täter sagt bei Raub nur zwei Worte

Vermummt mit einem Schal trat er im Dunkeln von der Seite an sie heran und hielt ihnen die Mündung seiner Waffe ins Gesicht. Dann sagte er laut Anklage nur zwei Worte: „Geld, Handy“. Unter Todesangst leerten die geschockten Pizza-Fahrer ihre Taschen. Sie trauten sich gar nicht, dem Räuber ins Gesicht zu schauen, der ihnen bis zu 500 Euro abknöpfte. Aber die Polizei stellte Edwin K. trotzdem, indem sie sein Handy ortete – und ihn nach der fünften Tat verhaftete.

„Ich war einsam und sehr verzweifelt“, jammerte der Räuber am Montag vor Gericht. Sein Spezl Julian N. (16) hätte ihn angeblich gezwungen, die Taten zu begehen. „Er sagte, er braucht 1000 Euro und hätte schon einige Erfahrung mit Raubüberfällen. Dann bedrohte er mich mit seinem Messer und schrie, ich solle es für ihn tun.“ Laut Anklage stand Julian N. in zwei Fällen auch Schmiere. Dennoch glaubte Richter Thomas Hense diese Geschichte nicht: „Und so etwas lassen Sie sich von einem 16-Jährigen sagen“, fragte er. Antwort des Angeklagten: „Er drohte, er weiß, wo meine Familie wohnt und wird ihnen etwas antun. Ich wollte nur meine Liebsten schützen.“

Dagegen spricht, dass K. seinen Spezl nach den Überfällen wohl noch nach Hause fuhr. Wegen räuberischer Erpressung droht ihm nun der Knast. Und dort gibt’s nur Pfannkuchen statt Pizza!

Opfer befürchten sogar Überfall im Laden

Amit Dawn ist froh, dass der Täter geschnappt ist und jetzt vor Gericht steht. „Eine positive Nachricht“, sagt der Geschäftsführer vom Pizzalieferdienst Avanti. „Wir hatten Angst, dass wir nochmal überfallen werden.“ Dawn und seine Kollegen fürchteten sogar, dass der Täter persönlich vorbeischaut: „Wir hatten Angst, dass plötzliche jemand mit gezogener Waffe im Laden steht.“

Botin Dora L. (22), die damals überfallen wurde, arbeitet schon nicht mehr bei Avanti. Sie sagte am Montag gegen Täter Edwin K. aus. „Ich hatte Todesangst und dachte, er erschießt mich. Zum ersten Mal sah ich mich mit dem Tod konfrontiert. Ich war so entsetzt, ich konnte gar nicht weinen.“

Doch Amit Dawn half ihr, das schlimme Erlebnis zu überwinden. „Irgendwann hatten wir uns zum Glück alle wieder von dem Schock erholt“, sagt er. Man könne ja nicht bei jeder Bestellung aufpassen, ob es ein Überfall sei.

thi

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