Verfolgung per GPS

Schüler verfolgen Handydieb über Stunden - die Polizei lässt ihn aber laufen

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Daniel (l.), Sylvie und Simon vor der Milchbar. Hier harrten sie bei ihrer Handyjagd stundenlang in der Kälte aus

„TKKG 2.0“ – so könnte diese Geschichte auch heißen. Eine Geschichte über vier mutige Schüler, einen Handydieb und modernste Technik.

Die Geschichte beginnt am vergangenen Dienstag gegen 23 Uhr. Sylvie, Simon und die beiden Daniels (alle 18 Jahre alt) lassen im Schwabinger Lokal Barschwein den Fasching ausklingen. „Ich hatte Sylvies iPhone in der Hosentasche“, erzählt Simon. „Plötzlich war es weg. Wir haben das ganze Lokal abgesucht, nichts. Dann haben wir über mein iPhone die Ortung von Sylvies Handy aufgenommen. Das Satelliten-Signal zeigte, dass Sylvies Telefon schon am Stachus war.“

1 Im Lokal Barschwein klaut ein Dieb das -Handy von Sylvie. 2 Die vier Freunde können das gestohlene iPhone in der Milchbar orten und legen sich davor auf die Lauer. 3 Stunden später -entlarven die Schüler einen Verdächtigen mit einem fernausgelösten Signalton am Stachus

Die vier Zwölftklässler vom Sendlinger Klenzegymnasium rufen die 110. „Aber die Polizei sagte uns, da könne sie jetzt nichts für uns tun“, berichtet Simon. Also nimmt das Quartett selbst die Verfolgung per U-Bahn auf – und legt sich vor der Milchbar in der Sonnenstraße auf die Lauer. Denn dorthin hat sich das Ortungssignal von Sylvies Handy inzwischen bewegt.

Die dreistündige Wartezeit wird mit Pizza überbrückt

Drei Stunden lang warten die Schüler vor der Bar darauf, dass der Dieb herauskommt und sie ihn überführen können. Sylvie geht zwischenzeitlich nach Hause, die Jungs ­halten die Stellung. Um die Kälte der Nacht erträglicher zu machen, bestellen sie Pizza. Auf Simons Handy können sie sehen, dass der Akku von ­Sylvies iPhone bald leer ist. Die Zeit drängt! Gegen 3 Uhr fliegen die Pizza-Reste in den Müll. Das Handy-Signal bewegt sich wieder! In Richtung Stachus! Mit nur noch zwei Prozent Akkuleistung!

Zu dritt nehmen die Jungs die Verfolgung auf und entdecken auf Höhe des Obletters drei verdächtige Männer. Simon löst über sein Handy den Alarmton auf Sylvies iPhone aus. Und tatsächlich: In der ­Hosentasche eines der drei Männer piepst es. Dort also steckt Sylvies iPhone!

„Wir haben die Männer angesprochen“

„Wir haben die Männer an­gesprochen“, erzählt Daniel. „Es waren drei Ukrainer, die kaum Deutsch konnten. Zum Glück haben sie nicht aggressiv reagiert.“ Und wieder rufen die Jungs die 110, diesmal sind ­binnen weniger Minuten drei Streifenwagen vor Ort.

„Der Mann behauptete, er habe das Handy auf dem Gehweg gefunden“, erzählt Simon. Auch konnten sich die Schüler nicht erinnern, die drei Touristen im Bar­schwein gesehen zu haben. „Wir sind aber ganz ­sicher, dass wir das Handy nicht verloren haben, auch weil im Barschwein zur selben Zeit ein weiteres Mädchen bestohlen wurde“, sagt Simon.

Die Polizisten glaubten dem Verdächtigen und prüften lediglich eine Fundunterschlagung. „Da seit dem Verschwinden des Handys nur wenige Stunden vergangen waren, konnte man dem Mann noch nicht vorwerfen, dass er das Handy für sich behalten wollte“, sagte eine Sprecherin zur tz. Und Simon weiß: „Ein cleverer Dieb hätte das Handy auf Flug­modus gestellt, dann lässt es sich nämlich nicht orten.“

Ingo Wilhelm

So können Sie ein geklautes Handy orten

Wenn Ihr Handy verschwunden ist, können Sie es am Computer oder mit einem anderen Handy orten, sperren oder auch ferngesteuert alle Daten löschen, damit diese nicht in falsche Hände geraten.

Beim iPhone funktioniert das über die Apple iCloud. Wenn Sie sich dort mit Ihrer Apple-ID anmelden, sehen Sie das Satelliten-Signal ­Ihres iPhones als grün-weißen Punkt. Wenn Sie auf diesen Punkt drücken, geht ein Menü mit der Option „Ton abspielen“ auf. Dieser Signalton erklingt auch, wenn Sie das Handy stummgeschaltet haben. Er hilft nicht nur beim Entlarven von Dieben, sondern auch zum Wiederfinden, wenn Sie Ihr iPhone nur verlegt haben. Voraussetzung für die Ortung ist allerdings, dass Sie in den Handy-Einstellungen die Funktion „Mein iPhone suchen“ aktiviert haben.

Android-Smartphones haben eine vergleichbare Funktion im Android Geräte-Manager. Auch dort muss die Funktion „Mein Gerät finden“ erst aktiviert ­werden. Empfehlenswert ist auch die Sicherheits-App Lookout – mit einer kreischenden Polizeisirene als Signalton.

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