Schüler verursacht 44.000 Euro Graffiti-Schaden

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Auch dieser Laster einer Brauerei wurde Opfer des Sprayers.

München - Man trifft sich immer zweimal im Leben. An diesen Spruch hätte sich ein 19-jähriger Grafitti-Sprayer vielleicht erinnern sollen. Jetzt muss er sich für einen Sachschaden von 44.000 Euro verantworten.

Bei 2,4 Millionen Euro liegt der Sachschaden, der jedes Jahr im Stadt- und Landkreis München durch illegale Graffiti verursacht wird. Um die Taten aufzuklären, hat die Münchner Polizei zusammen mit der Bundespolizei die Koordinierungsgruppe Graffiti München eingerichtet.

Im Fall eines 19-Jährigen Sprayers aus dem Münchner Osten, der 23 Taten begangen hat, kann diese nun einen Erfolg verzeichnen. Im November 2010 stießen zwei Polizeibeamte, die privat unterwegs waren, an der Acker- und Franziskanerstraße auf den 19-Jährigen, der fünf Hauswände und einen abgestellten Lieferwagen besprühte. Daraufhin alarmierten sie die zuständigen Beamten. Der Gymnasiast ist der Polizei schon seit Jahren als Sprayer bekannt. Auch jetzt wollte er nicht mit der Polizei kooperieren und verwies nur auf seine Anwältin. Bei der Wohnungsdurchsuchung fanden die Beamten Spraydosen sowie Skizzen, die mit den Graffiti identisch waren.

Heuer am 1. März schlug der Sprayer wieder zu. Erwischt wurde er, weil Bauarbeiter ihn am Nachmittag dabei beobachteten, wie er ein Graffito am V-Markt an der Balanstraße fotografierte. Das Werk des Sprayers, das sich über 25 Meter erstreckt, hatte er selbst in der Nacht zuvor dort angebracht. Bewiesen wurde das durch Fotos des Graffito auf der Speicherkarte seiner Kamera. Die Bilder hatte er bereits in der Nacht aufgenommen. „Dass die Sprayer ihre Taten dokumentieren, ist nichts Ungewöhnliches“, sagt Florian Kopczyk von der Koordinierungsgruppe. Daneben würden viele Bilder ihrer Graffiti ins Internet stellen, um in der Sprayer-Szene damit zu prahlen.

„Schätzungsweise werden 40 bis 50 Prozent der Delikte nicht angezeigt“, sagt Kopczyk. Wie viele Graffiti in München pro Jahr gesprüht werden, ist daher nur schwer auszumachen. Jeder, dessen Eigentum durch Sprayer beschädigt wird, muss den Geldbetrag selbst einklagen – das scheint für viele eine Hürde zu sein. Wenn aber der Geschädigte ein Interesse an der Strafverfolgung hat, kann die Koordinierungsgruppe mit ihrer Arbeit beginnen.

Auch fünf in Haidhausen abgestellte Lastwagen waren von dem jetzt überführten 19-Jährigen verunziert worden. Überführen konnte ihn die Polizei, da sie sein „Tag“ – sein Kürzel – auf den Lastwagen wiedererkannte. Bis zu zehn dieser „Tags“ verwendet der Sprayer, um unerkannt zu bleiben.

Ana Maria Michel

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