So schützen Sie sich vor Betrügern

München - Nepper, Schlepper und Bauernfänger - immer wieder versuchen raffinierte Gauner, ältere Menschen mit miesen Tricks zu überlisten. Die tz stellt als Warnung die häufigsten Maschen der Verbrecher vor.

Rund 100 000 Münchner sind älter als 75 Jahre. Und obwohl diese Menschen besonders lebenserfahren sind, gelingt es gemeinen Betrügern immer wieder, sie zu prellen.

Der Seniorenbeirat will da nicht mehr zuschauen und klärt auf — an Friedhöfen, in Altenheimen, bei der Arbeiterwohlfahrt oder eben — wie am Freitag — im Foyer der Stadtsparkasse München. Immer mit dabei: Herbert Topfstädt. Seine Devise: „Gesundes Misstrauen ist keine Unhöflichkeit.“ Der 70-Jährige ist Teamleiter der Sicherheitsberater des Münchner Seniorenbeirats. Selbst wenn nichts passiert ist, rät er dazu, bei Kriminalitätsverdacht immer die Polizei zu informieren. Denn Topfstädt war früher selbst bei der Polizei und weiß: „Oft kann man mehrere Taten aufdecken, wenn man einen Täter verhaftet.“ Und hilft, weitere Taten zu verhindern.

Susanne Sasse

Nicht einmal vor dem Friedhof machen die dreisten Ganoven halt, weiß Herbert Topfstädt: „Wenn man sich unsicher fühlt, zum Beispiel verfolgt oder beobachtet, sollte man umkehren und das Grab wann anders besuchen. Überhaupt, in der Dämmerung oder gar Dunkelheit sollte man nie alleine den Friedhof besuchen. „Außerdem sollte man dort nie mit viel oder teurem Schmuck hingehen, denn so macht man möglicherweise Diebe auf sich aufmerksam, die einen dann auf dem Heimweg verfolgen.“

Bei der Grabpflege rät Topfstädt, die Handtasche nie am Grab stehen zu lassen, „auch wenn man nur ein paar Meter weg geht“. Liegt ein goldener Ring mitten auf der Straße, sollte man vorsichtig sein, rät Topfstädt. „Das ist die neueste Betrügermasche in München.“ Denn meist ist der Ring höchstens 20 Cent wert, auch wenn er innen den Stempel „585“ trägt. „Man bückt sich gemeinsam, der Betrüger lässt Ihnen den Vortritt, und sagt, ‚behalten Sie ihn‘“, erklärt der Ex-Polizist. Dann bittet der scheinbar großzügige Fremde um ein paar Euro. „Und die zwanzig Euro, die Sie hergeben, übersteigen den Wert des Rings um ein Vielfaches.“ Topftstädt weist außerdem darauf hin, dass Fundunterschlagung begeht, wer Fundsachen nicht im Fundbüro abgibt: „Das ist auch eine Straftat!“

Polizist rät: Zurückschlagen

In der Bank sollte man nicht vor aller Augen Geld zählen, „sondern sich größere Summen in einem seperaten Raum in einem Umschlag verpacken lassen“, rät Topfstädt. Außerdem sollte man sich an Geldautomaten nie von Fremden ansprechen lassen. „Sie sind kurz abgelenkt, und währenddessen klaut ihnen der Fremde ihre EC-Karte.“ Einen Überfall kann man oft schon durch selbstsicheres Auftreten vermeiden, sagt Topfstädt: „Wenn einem jemand unangenehm wird, sollte man sofort fragen: „Was wollen Sie von mir? So zeigt man, dass man kein leichtes Opfer ist.“

Wird man körperlich angegriffen, rät der ehemalige Polizist dazu, zurückzuschlagen: „Ob mit Krücken oder dem Schlüsselbund, alles ist erlaubt.“ Topfstädt empfiehlt zudem den Panicalarm für die Manteltasche: Das ist ein kleines Gerät, das bei Bedarf einen irre lauten Alarmton von sich gibt. Das Gesicht des Täters sollte man sich einprägen.

Wer im Internet surft oder einkauft, sollte ein paar Sicherheitsregeln beachten. Sichere Passwörter sind dort ein Muss: Sie sollten mindestens acht Zeichen haben und eine Kombination aus Buchstaben, Satzzeichen und Zahlen sein. Schützen Sie sich auch vor gefälschten E-Mails und geben keine vertraulichen Daten wie Passwörter oder Kreditkarteninformationen über einen Link oder ein Formular ein. Der Händler im Internet sollte es ermöglichen, Daten verschlüsselt zu übertragen. Dies ist in der Regel erkennbar an dem Kürzel https:// in der Adresszeile des Browsers oder an anderen Symbolen, z. B. einem Schloss.

Seriöse Online-Anbieter weisen von sich aus drauf hin, dass beim Internetkauf ein Vertrag binnen zwei Wochen ohne Angabe von Gründen widerrufen werden kann und die Waren zurückgeschickt werden können.

Wenn ein Fremder klingelt, „niemals öffnen, höchstens mit Sperrkette“, warnt Topfstädt. In München häuften sich seit neuestem Fälle, in denen dann jemand einfach eine Geldmünze in die Wohnung wirft, um so reinzukommen. Topfstädt: „Betrachten Sie das als Spende und lassen Sie den Fremden nicht rein.“ Ebensowenig, wenn er um ein Glas Wasser oder um einen Zettel bittet. Er warnt auch vor falschen Handwerkern. „Die echten kündigen ihr Kommen an, ebenso die Telekom, die Stadt- oder Wasserwerke.“

Der größte Fehler der Opfer beim Enkeltrick ist, am Telefon gleich den Namen des Enkels zu nennen, sagt Topfstädt: „Statt dessen sollte man genau nachbohren, wer denn da dran ist, dann wird meist sofort aufgelegt.“ Außerdem sollte man keinem Fremden Geld geben, und der vermeintliche Enkel, der Geld braucht, kommt ja nie selbst. Den Geldbeutel sollte man nicht herausholen, wenn jemand fragt, ob man Geld wechseln kann: „Die beste Antwort ist, ich hab kein Geld dabei.“ Stattdessen sollte man die Leute auf umliegende Geschäfte oder Banken verweisen.

In einem Geschäft sollte man nie den Geldbeutel offen hinlegen, während man Waren einpackt. Wohnungseinbrüche in der Dämmerung vermeidet, wer die Jalousien herunterzieht und in der Wohnung ein Licht einschaltet. „Außerdem sollte man die Nachbarn bitten, nachzuschauen“, sagt Topfstädt. „Die beste Hilfe ist eine gute Nachbarschaft, in der man auf sich achtet.“

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