"Keine Gefahr mehr"

Schul-Vergewaltiger: Jetzt lebt er in einer WG

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Jeans, Pullover – aber keine Handschellen: Murat A. vor Gericht.

München - 19 Jahre nachdem er eine Schülerin am Luisengymnasium brutal vergewaltigte, erhielt der geständige Sexualstraftäter Murat A. (36) zwei Jahre Haft auf Bewährung – und bleibt ein freier Mann!

„Mit dem Ausgang des Verfahrens sind wir sehr zufrieden“, sagt Verteidiger Michael Wich (52). „Die Sachverständigen haben klar ausgeführt, dass von meinem Mandanten keine Gefährlichkeit mehr ausgeht. Dann macht es auch keinen Sinn, ihn einzusperren.“ Diese Einschätzung teilte auch der Richter – und schickte Murat A. einfach wieder nach Hause.

Statt im Knast lebt der verurteilte Vergewaltiger, der 17 Jahre lang nach seiner Tat therapiert wurde, jetzt wieder in einer Wohngemeinschaft, mitten in der Stadt. „Drei Mal pro Woche besucht ihn ein Therapeut dort, er wird weiter ambulant behandelt“, sagt Wich.

Erst jetzt nach Ende des Prozesses am Landgericht kommen neue Details des Falles ans Licht. Denn schon 2011 lebte Murat A. in einer therapeutischen Wohngemeinschaft, arbeite als Servicekraft und stand kurz vor der Entlassung im Maßregelvollzug, der ihm ebenfalls wegen einer Vergewaltigung auferlegt wurde. Jahrelang saß er deshalb in der Psychiatrie in Haar – aber weil die Therapie wirkte, erhielt er Lockerungen.

Kurz vor der Entlassung überführte ihn 2012 ein später DNA-Abgleich der 19 Jahre zurückliegenden Tat am Luisengymnasium! „Das war eine extreme Belastung für meinen Mandanten“, sagt Wich. Während des Prozesses am Landgericht ging Murat A. freiwillig zurück nach Haar und wurde wieder stationär in der psychiatrischen Klinik aufgenommen. Die Ärzte hielten ihn aber für stabil – also durfte A. wieder gehen. „Das Landgericht hat seine Unterbringung jetzt zur Bewährung ausgesetzt“, sagt Wich.

Konkret bedeutet das: Noch fünf Jahre lang steht Murat A. unter Führungsaufsicht. Wird er in diesem Zeitraum straffällig, muss er zurück in die Psychiatrie. Außerdem muss er sich permanent melden und sich weiter therapieren lassen. „Am faktischen Leben ändert sich aber nichts“, sagt Wich. Murat A. lebt in einer WG in einem Münchner Mietshaus und wird wieder arbeiten.

Aktuell bewerten Gutachter auch seinen Maßregelvollzug. Wahrscheinlich wird der vor zwei Tagen verurteilte Vergewaltiger für offiziell geheilt erklärt – und dann entlassen. „Davon gehe ich aus“, sagt Wich.

Andreas Thieme

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