Wer ist Schuld an den falschen Tönen im Glockenspiel?

Missstimmung im Münchner Rathaus: Die Stadt will nun herausfinden, wer Schuld an den falschen Tönen im Münchner Glockenspiel ist (Archivbild vom Glockeneinbau).
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Missstimmung im Münchner Rathaus: Die Stadt will nun herausfinden, wer Schuld an den falschen Tönen im Münchner Glockenspiel ist (Archivbild vom Glockeneinbau).

München - Die falschen Töne im Münchner Glockenspiel verursachen ein lautes Echo. Jetzt soll der Schuldige gefunden werden.

Der damalige Sachverständige betont, das Spiel habe nach der Renovierung korrekt funktioniert. Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne), studierter Musiker, erinnert sich anders.

Der damalige Sachverständige betont, das Spiel habe nach der Renovierung korrekt funktioniert. Bürgermeister Hep Monatzeder

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Falsches Spiel im Rathausturm

(Grüne), studierter Musiker, erinnert sich anders.Monatzeder, in der Urlaubszeit das Stadt-Oberhaupt, reagiert prompt auf die Entdeckung, dass die Spieluhr im Rathausturm seit ihrer Renovierung falsche Töne anschlägt. Er betont, man werde die Reparatur in die Wege leiten: „Wir müssen sehen, wie man das machen kann und wer der Schuldige ist“, sagte er gestern auf Anfrage dieser Zeitung. Die Renovierung hatte 750 000 Euro gekostet.

Die Münchner Glockenspiel-Experten Stefan Duschl und Rainer Kühne hatten bemerkt, dass die Spieluhr am Marienplatz seit ihrer Renovierung im Jahr 2007 statt des zweigestrichenen C ein Cis schlägt (wir berichteten). Schuld daran ist offenbar, dass Glocken falsch mit dem Spielwerk verbunden sind – was verheerende Dissonanzen zur Folge hat.

Selbst Gert Oldenbeuving kann sich das vorstellen. Der Sachverständige hatte die Glocken vor zwei Jahren für die holländische Gießerei „Koninklijke Eijsbouts“ überprüft. „Die Glocken haben alle gestimmt“, sagt er, gibt aber zu: „Ich kann mich erinnern, dass es sehr kompliziert war, sie zu montieren.“ Er bestätigt die Aussage zweier Haustechniker im Rathaus, dass „bis zu zehn Töne“ kurz nach der Montage nicht gestimmt hätten. Aber er sagt: „Die Verbindung mit der Automatik lag im Zuständigkeitsbereich der Stadt.“ Eijsbouts habe nur die Glocken am Computer analysiert, gestimmt, die Klöppel erneuert und die obere Mechanik der Drähte modernisiert.

Im Baureferat gibt man sich informiert. Hatte Sprecher Jürgen Marek am Montag auf Anfrage dieser Zeitung noch gesagt, von vertauschten Tönen im Glockenspiel habe man „noch nie etwas gehört“, ließ er sich gestern damit zitieren, Hinweise habe die Stadt schon früher erhalten, man nehme die neuen nun „sehr ernst“. Möglicherweise könne bei der Firma Eijsbouts ein Gewährleistungsmangel geltend gemacht werden. Die holländischen Profis seien jedoch zu jeder Zeit sehr kooperativ gewesen.

Hep Monatzeder kann sich indes nicht erinnern, dass das Glockenspiel besser geklungen habe, als es im November 2007 in seinem und OB Christian Udes Beisein wieder in Betrieb genommen wurde: „Ich habe gesagt, Herr Oberbürgermeister, also Christian, jetzt klingt das Glockenspiel noch furchtbarer als vor der Restaurierung“, erzählt er. „Da hat’s mir gleich die Zehennägel aufgebogen.“ Monatzeder hat Musik studiert.

Zurzeit ist Betriebsurlaub bei der Firma Eijsbouts. Oldenbeuving kündigt an: „Am Montag werde ich die Geschäftsführung informieren, wir melden uns dann in München und sehen, was man tun kann. Es kann keine große Sache sein. Danke an Herrn Duschl und Herrn Kühne, dass sie uns darauf aufmerksam gemacht haben.“

Rainer Kühne kann es derweil immer noch nicht fassen: „Es ist für mich überraschend, zu erfahren, dass man so viele Leute findet, die das nicht bemerkt haben.“ Nicht ganz: Die Touristin Kathleen Henke sagt auf der Internetseite www.merkur-online.de: „Ich glaube, jeder merkt, dass die Töne im Glockenspiel nicht stimmen. Wir wissen bloß nicht, wem wir’s sagen sollen.“

Johannes Löhr / Eberhard Geiger

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