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Lieferverzögerung bei den Luftfiltern: Lehrervertreter beklagt Belastung

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Von: Claudia Schuri, Klaus Vick

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Ein Luftfilter steht in einem Klassenraum einer Grundschule
Bei den Luftfiltern für Münchens Schulen kommt es zu Lieferverzögerungen. © Sven Hoppe / dpa

Münchens Schulen haben mit Lieferverzögerungen bei den Luftfiltern zu kämpfen. Zudem stehen die Lehrer unter großer Belastung. Doch die Hoffnung, dass die Schulen nicht schließen müssen, bleibt.

München - Sie sollen die Raumluft säubern und das Infektionsrisiko mindern: In München* werden alle Klassenzimmer der Jahrgangsstufen 1 bis 6 sowie die Aufenthaltsräume der Kindertageseinrichtungen für Schüler der Klassen 1 bis 4 mit mobilen Luftfiltern ausgestattet. Doch es gibt einen Lieferverzug bei der Beschaffung der Geräte.

Rund 5500 Luftfilter wurden vom Referat für Bildung und Sport (RBS) nach einem Stadtratsbeschluss im Juli bestellt. Bis zu den Herbstferien sollten 50 Prozent der Geräte installiert sein – je nach Lieferkapazität, wie es Mitte September vom RBS hieß. Nun gibt es offenbar bereits einen Engpass. Denn aktuell sind erst rund 600 Klassenzimmer und Räume von rund 50 Schulen in der Stadt mit Luftfiltern* ausgestattet. Dies ergab eine Nachfrage unserer Zeitung beim Bildungsreferat. Statt der erhofften 50 Prozent konnte die Installation also erst in rund zehn Prozent der Räume vorgenommen werden.

Lieferverzögerungen bei Luftfiltern für Münchens Schulen

Laut RBS wurde der Auftrag für die Luftfilter in vier Losen ausgeschrieben, der Zuschlag für die ersten zwei Lose sei in der zweiten Septemberhälfte an zwei Anbieter erteilt worden. Der ursprüngliche Zeitplan sieht vor, dass bis zu den Weihnachtsferien sukzessive alle Klassenzimmer der Jahrgangsstufen 1 bis 6 mit den Geräten versorgt sind.

Danach sieht es aber nicht aus. Eine Sprecherin des RBS räumt ein: „Weitere Lieferverzögerungen bei den Herstellern aufgrund von Ressourcenmangel können leider nicht ausgeschlossen werden.“ Die Kosten betragen im Übrigen etwa 21,7 Millionen Euro, wobei die Stadt hofft, dass Freistaat und Bund bei der Finanzierung einspringen.

Hohe Belastung der Lehrer

Doch die Geräte laufen während des Unterrichts oft nicht mit voller Leistung. „Die Luftfilter sind laut“, sagt der Vorsitzende des Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverbands Martin Schmid. Die Belastung der Lehrer sei hoch, berichtet er. Denn: „Die Lehrkräfte müssen viele zusätzliche Aufgaben übernehmen.“ Dazu zähle zum Beispiel die Organisation der Pool-Tests, der Kontakt mit den Eltern bei positiven Testergebnissen und die Bestimmung der Kontaktpersonen des betroffenen Schülers.

Zudem fehlten mobile Reserven, wenn Lehrer ausfallen. „Der sowieso schon vorhandene Lehrermangel wird extrem verstärkt“, sagt Schmid. „Alle sind am Limit.“ Auch die Angst vor einer Infektion ist groß: „Die Welle rauscht durch die Schulen“, berichtet er. „Ein normaler Schulalltag ist längst passé.“

Trotzdem haben alle einen Wunsch: „Wir hoffen, dass die Schulen nicht geschlossen werden“, erklärt Martin Schmid. „Die Schüler haben extrem gelitten.“ Vereinsamung, Angst und psychische Probleme hätten zugenommen: „Das schulische Long-Covid* wird uns noch einholen“, befürchtet Schmid. (kv/cla) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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