600 neue Betten in der Bayernkaserne

Hier steckt der Freistaat die Flüchtlinge rein!

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Trister geht es dann wohl kaum: In dieser alten Lastwagen-Garage werden die neuen Flüchtlinge unterkommen. Sie müssen auf schäbigen Matratzen liegen.

München - Diese Bilder aus der Bayernkaserne zeigen, wie lange die Staatsregierung die Augen vor der Asyl-Entwicklung verschlossen hat.

Flüchtlingshalle 36: Es tropft von der Decke, 160 Betten stehen in der zwölf Meter hohen Lkw-Halle, 30 sind belegt. Die Matratzen sind zu breit und zu kurz. In einem Bett schläft ein Vater mit seinem kleinen Bub. Die Bibel liegt auf dem Bett daneben.

Flüchtlingshalle 31: Es riecht modrig. Dutzende Pritschen stehen dicht an dicht, darauf dürrer Schaumstoff. Selbst die Bereichsleiterin der Regierung von Oberbayern, Stefanie Weber (51), sagt: „Mein Wunsch ist, dass wir hier möglichst niemanden unterbringen müssen.“ So quartiert der Freistaat Flüchtlinge ein!

Dennoch sind die Menschen froh, endlich ihre Hölle daheim hinter sich gelassen zu haben.

Die Regierung will mit den Fotos aus der Bayernkaserne demonstrieren: Wir sind für die Flüchtlingswelle gewappnet! Rund 600 solcher Schlafplätze hat sie mit Feuerwehr, THW und Rotem Kreuz am Wochenende geschaffen. Doch die Bilder dokumentieren auch, wie lange die Staatsregierung die Augen vor der Asyl-Entwicklung verschlossen hat, wie hilflos die Mitarbeiter vor Ort nun den Mangel verwalten müssen und wie trostlos Flüchtlinge in Bayern aufgenommen werden. Man hatte sogar mit dem Gedanken gespielt, eine Zeltstadt zu bauen!

Wobei sich die Betroffenen nicht beschweren: Mahmoud (19) etwa, der seit einem Tag in München ist. Ein Jahr sei er unterwegs gewesen – aus Somalia auf dem Weg in ein besseres Leben. Bis zu 200 Flüchtlinge kamen zuletzt pro Tag in die Kaserne – vor allem aus Schwarzafrika, aber auch aus Syrien und Afghanistan (tz berichtete).

In dieser Erstaufnahme-Einrichtung bleiben sie einige Wochen, bis sie untersucht wurden und Formalitäten geklärt sind. Dann werden sie in Gemeinschaftsunterkünfte verlegt. Ein Problem: Das Gesundheitsreferat der Stadt konnte im Auftrag der Regierung bislang 50 Menschen am Tag untersuchen, was laut Regierung einst großzügig geplant war, ab heute sollen es 100 sein – was aber immer noch nur die Hälfte der nötigen Untersuchungen bedeutet. Nur weil über das Wochenende die Zahl der Neuankömmlinge unter 90 am Tag fiel, blieb die Zahl der Insassen bei 2200.

Die Mitarbeiter mühen sich, Familien zu Familien, Frauen zu Frauen und Männer zu Männer zu verlegen – und die Zahl der Übernachtungen in den Schmuddel-Hallen möglichst klein zu halten. Auf die Frage, ob sie sich mehr Unterstützung von der Staatsregierung wünsche, sagt Bereichsleiterin Weber nur: „Wir tun unsere Arbeit.“

David Costanzo

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