Ackermannbogen

Schlamperei! Mieter zahlen die Zeche

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Die Mieter am Ackermannbogen sind sauer auf die Schlamperei der Stadt.

München - Die Mieter am Ackermannbogen dachten, dass sie zumindest ein wenig vor dem Wohnwahnsinn Münchens geschützt sind. Doch nun müssen sie für die Schlampereien der Stadt büßen.

Sie mieten im München-Modell für Leute mit kleinen und mittleren Einkommen. Doch jetzt müssen sie auf einen Schlag 20 Prozent mehr zahlen! So hat es jetzt das Landgericht endgültig entschieden – weil die Stadt bei den Verträgen gepfuscht hat! In einem Fall steigt die Kaltmiete von 790 auf 947 Euro!

Die 52 Parteien an der Elisabeth-Kohn-Straße fühlten sich sicher. Ihr Eigentümer Fischer Hausbau hatte das Grundstück nach tz-Informationen mindestens um einen hohen sechsstelligen Betrag billiger von der Stadt bekommen – und durfte beim Einzug 2006 für fünf Jahre nur neun Euro pro Quadratmeter kalt verlangen. Die Mieter glaubten, danach dürften die Preise nur um fünf Prozent steigen. Ende 2012 verlangte der Vermieter trotzdem 20 Prozent mehr – und bekam Recht. Die Fischer Hausbau wollte sich auf Anfrage der tz nicht äußern.

Der Mieter-Anwalt Erwin Heller schon: „Als Mieter würde ich mir reingelegt vorkommen. Sie dachten, sie leben in quasi-öffentlich geförderten Wohnungen und planten mit ihren Familien über Jahre im voraus. Tatsächlich sind sie jetzt auf dem freien Markt, wo der Mietwahnsinn tobt.“

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Zwei Schnitzer habe sich die Stadt geleistet: Zum einen habe sie versäumt, die München-Modell-Klauseln aus dem verbilligten Kaufvertrag mit der Hausbau Fischer auch in die Mietverträge schreiben zu lassen. Zum anderen seien die Klauseln im Kaufvertrag fachlich nicht sauber formuliert.

Beides ärgert auch OB Christian Ude (SPD). Er glaubt dennoch, dass die Erhöhung rechtmäßig ist, weil die Klauseln seinerzeit tatsächlich nur einige Jahre schützen sollten, um den Wohnungsbau überhaupt anzukurbeln. CSU-Stadträtin Evelyne Menges (CSU) glaubt, dass nur fünf Prozent Steigerung zulässig sind und widerspricht: „Wenn das Grundstück 50 Prozent unter Wert verkauft wurde, wäre das Geld verschleudert.“ Mieter-Anwalt Heller sagt: „Eigentlich ein Fall für die Regierung von Oberbayern.“

David Costanzo

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