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Afghanischer Mitarbeiter im Nobel-Restaurant

Perfekt integriert: Aus dem Tantris auf die Abschiebe-Liste

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Ein mustergültiges Arbeitsverhältnis haben Boris Häbel (li.) und Rohullah Ziyah – aber wer weiß, wie lange?

Vor drei Jahren ist Rohullah Ziyah aus Afghanistan geflohen, seit neun Monaten arbeitet er im Schwabinger Restaurant Tantris. Doch trotz beispielhafter Integration droht dem 21-Jährigen die Abschiebung.

München - Sein Arbeitgeber kämpft für ihn, doch der Ausgang ist ungewiss. Ein qualvoller Schwebezustand. Ganz ruhig ist Rohullah Ziyah, wenn er über seine Situation spricht. Die Uniform sitzt makellos, sein Lächeln ist ein wenig schüchtern. Aber wenn die Sprache auf Afghanistan kommt, blitzt in seinen Augen die Angst auf. „Es ist alles so schade“, sagt der 21-Jährige. Sein Deutsch ist hervorragend. Er hat es sich selbst beigebracht. „Mir gefällt an meiner Arbeit im Tantris einfach alles – die Kollegen, der Kontakt zu den Gästen. Einfach alles.“ Er arbeitet als Servicekraft in dem Nobelrestaurant. Dessen Leiter, Boris Häbel, hat für ihn nichts als Lob übrig. Ziyah selbst hat seinen Kollegen angeboten, ihn einfach mit dem Nachnamen anzusprechen, sein Vorname sei für die meisten zu kompliziert. Alles wirkt wie ein glückliches Arbeitsverhältnis – schwebte über dem jungen Mann nicht das Damoklesschwert der Abschiebung.

„Im Januar kam der Abschiebebescheid, in dem stand, dass Ziyah Deutschland innerhalb von 30 Tagen zu verlassen hat“, sagt Boris Häbel. Eine konkrete Begründung habe es dafür nicht gegeben. „Es hat nur geheißen, der Antrag ist abgelehnt.“ Von Politikern werde Afghanistan ja wieder als sicheres Herkunftsland tituliert, so Häbel. „Auch wenn es noch immer unsichere Regionen gibt. Dann sollen die Menschen eben in Regionen gehen, wo es sicher ist, heißt es immer.“

Das wollte das Tantris-Team nicht widerstandslos akzeptieren. „Wir haben mit Ziyah und seinem Anwalt zusammen Einspruch eingelegt“, sagt Häbel. „Und das hat erst einmal eine aufschiebende Wirkung.“ Ohne dieses Engagement wäre der 21-Jährige heute wahrscheinlich wieder in Afghanistan – und sein Leben womöglich in Gefahr. „Wir gingen vor Gericht. Bei diesem Termin hieß es, es werde noch einmal geprüft – und die Entscheidung komme irgendwann innerhalb der nächsten neun Monate.“ Dieser Bescheid kann theoretisch jederzeit eintreffen – wann, ist ungewiss. „Da hängt alles in der Luft.“

Dieser Schwebezustand zermürbt. Boris Häbel zufolge leidet Ziyah inzwischen unter Schlafstörungen, ist in psychologischer Betreuung. Auch von Arbeitgeberseite wisse man nicht, was in dieser Situation noch Sinn mache. „Ab September soll eigentlich noch ein Ausbildungsverhältnis dazukommen, sodass Ziyah bei uns eine Lehre macht.“ Wobei er schon jetzt fast den Wissensstand eines Auszubildenden im dritten Lehrjahr habe, so Häbel. „Er ist bei uns im Service tätig, also direkt am Gast. Er macht seinen Job richtig gut – man kann sagen, er ist voll integriert.“ Inzwischen habe er sogar eine eigene Wohnung, die er vom Gehalt bezahlen könne. „Er liegt dem Staat null auf der Tasche!“

In seiner afghanischen Herkunftsstadt Kandahar hat Ziyah in einer Apotheke gearbeitet. Aber zurückgehen? „Das ist eben eine Region, die nicht sicher ist“, sagt Boris Häbel. Erst kürzlich sei wieder ein Flieger mit Abgeschobenen nach Afghanistan gestartet. „Wir müssen immer daran denken: Im nächsten Flieger könnte Ziyah sitzen.“

Marian Meidel

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