Angst vor dem Luxus-Hammer

Wagnerstraße: Mieter protestieren gegen geplanten Abriss

München - Im historisch so bedeutsamen Altschwabing geht die Angst um – die Angst vor dem Luxus-Hammer! In der Wagnerstraße reagieren die Mieter mit einem Kunst- und Kulturprotest.

Immer mehr Altbauten verschwinden aus dem Stadtbild. Meist werden sie abgerissen und stattdessen Wohnkomplexe für den etwas größeren Geldbeutel errichtet. Nun soll auch das Haus an der Wagnerstraße 1 weichen – wogegen die betroffenen Mieter am Freitag mit Kunst und Kultur protestierten.

Die Mieter wollen gegen den geplanten Abriss ein Zeichen setzen.

Im Juli 2014 hat ein Vorstandsmitglied eines Dax-Konzerns das Haus im Herzen Münchens gekauft. Wenig später der Mieter-Schock: In einem Anwaltsschreiben ist von der „Beendigung des Mietverhältnisses“ die Rede. „Eine Kündigung haben wir aber noch nicht“, erzählt Isabel Neander. „Der Anwalt des neuen Eigentümers erklärte aber, ein Neubau sei unumgänglich.“ Die 25-jährige Studentin wohnt seit viereinhalb Jahren in dem 130 Jahre alten Gebäude. Die Zeit hat Spuren hinterlassen. Der Putz bröckelt, die Wände sind vergilbt und die Treppen marode – ein Altbau mit ganz viel Charme. Vor allem weil die Vorbesitzerin, eine Augsburger Anwältin, nichts in die Instandhaltung investiert hat. Auch wenn gegen den übermachtigen Investor jeder Protest sinnlos erscheint: Einfach hinnehmen wollen die Bewohner das Vorhaben nicht.

Das Haus an der Wagnerstraße 1.

In zwei Briefen hat man den Investor um ein Gespräch gebeten. Über seinen Anwalt ließ er aber nur ausrichten, dass eine Sanierung nicht wirtschaftlich sei. Bis zum Jahresende wird mit der Kündigung zu rechnen sein. Eine etwas längere „Gnadenfrist“ wird der im Erd­geschoss befindlichen Szene-Kneipe „Podium“ eingeräumt. Die erste Wohnung steht bereits leer, eine Familie mit Kindern sucht schon eine neue Bleibe. Die Bewohner haben nun eine Mietergemeinschaft gegründet. Zusammen wollen sie zeigen, wie schützenswert eine derartige Immobilie ist. Am vergangenen Freitag traf man sich bei einem bunten Abend mit Live-Musik, Kunst und Theater, um sich gemeinsam mit früheren Bewohnern auszutauschen. Der Abriss scheint unausweichlich. Neander: „Aber eine kleine Hoffnung bleibt. Wir wollen zeigen, dass es hier lebenswert ist.“

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Johannes Heininger

Rubriklistenbild: © Kruse/Haag

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