Draht in die Heimat

Bayernkaserne: Flüchtlinge telefonieren per Skype

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Ein Gespräch mit den Lieben in der Heimat: In der Bayernkaserne ist das für Flüchtlinge möglich.

München - In der Bayernkaserne können Flüchtlinge via Skype mit ihren Angehörigen in der Heimat sprechen. Für einige ist es der erste Kontakt seit über zwei Monaten.

Die Mutter von Absallan hebt nach dreimal Klingeln ab. Als höflich und zurückhaltend beschreibt sie ihr ältester Sohn, doch als sie die Stimme ihres Absallan hört, da klingt sie vor allem aufgeregt. 19.07 Uhr ist es in Afghanistan in einem kleinen Dorf in der Provinz Kunduz als Absallan (19) erstmals seit zwei Monaten mit seiner Mutter spricht. „Sie hat kein Internet über das wir telefonieren können und ich habe kein Geld, um sie auf dem Handy anzurufen“, sagt Absallan.

Dass er jetzt seiner Mutter erzählen kann, wie glücklich er hier im kalten Deutschland ist, verdankt er dem Engagement von Mitarbeitern des Softwareherstellers Microsoft. Für eine Woche haben sie in der Bayernkaserne ein Internetcafé eingerichtet. Die Idee kam von einer Mitarbeiterin, die sich ehrenamtlich in der Bayernkaserne engagiert und bei ihrem Arbeitgeber nach einem PC für die Flüchtlinge fragte. 20 Surface-Rechner wurden draus, die vergangene Woche in einem Raum für Sprachkurse mit Hilfe der Microsoft-Mitarbeiter genutzt werden konnten. „Für uns ist das ein Test, aber schon am ersten Tag wurden alle unsere Erwartungen übertroffen. Wir streben an, hier regelmäßig ein Internetcafé anzubieten“, sagt Inger Paus (46), die den Bereich gesellschaftliches Engagement bei Microsoft leitet.

Flüchtlinge brauchen das Internet

Flüchtlinge brauchen das Internet, um mit Familie und Freunden verbunden zu sein, mit Behörden zu kommunizieren oder um Abwechslung vom Alltag zu haben. Die Freifunker haben an einem Punkt in der Bayernkaserne W-Lan eingerichtet. Doch weil die Familie in der Heimat oft kein Internet und keinen Skype-Zugang hat, stellt Microsoft rund 8000 Freiminuten zur Verfügung. So können die Flüchtlinge aus München auf Handys in Syrien, Afghanistan oder Nigeria telefonieren.

Frank (25) aus Nigeria chattet bei Kaffee und Kuchen mit einem Freund, der in Italien auf seine Papiere wartet. Mit den Freunden in Nigeria quatscht er im Gruppenchat und schickt Fotos durch, die er in den zwölf Tagen in Deutschland gemacht hat. Ahmad (23) aus Syrien telefoniert mit Freunden in Schweden. „In unserer Provinz haben wir kein Handynetz und kein Internet, deshalb kann ich meine Familie nicht anrufen.“ Aber er spricht mit Freunden von Freunden, die den Gruß an seine Familie in die syrische Provinz tragen sollen.

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