Pferde-Gala im Münchner Norden 

Beraterfirma verklagt Ex-Apassionata-Chef

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Die Simulation zeigt, wie die „Apassionata World“ aussehen soll. Die Premiere ist für Herbst geplant. 

Das Beratungsunternehmen Ernst & Young liegt im Rechtsstreit mit Apassionata-Gründer Peter Massine. Die Berater hätten für die im Bau befindliche Spielstätte im Münchner Norden Investoren gesucht, das vereinbarte Erfolgshonorar sei ihnen jedoch vorenthalten worden.

München - Noch im vergangenen Sommer sah es ziemlich gut aus für Peter Massine. Der Mann, der einst Magier David Copperfield nach München holte, stellte stolz sein neuestes Projekt vor: In einem großen Showpalast neben der Allianz Arena wollte der Apassionata-Erfinder die Pferdegala endlich sesshaft machen. Die Bauarbeiten hatten bereits begonnen, zur Vorstellung der Pläne war auch Münchens Zweiter Bürgermeister Josef Schmid (CSU) gekommen.

Doch jetzt beschäftigt die Frage, wie Massine das unter dem Namen „Apassionata World München“ laufende Projekt finanziert hat, das Landgericht Berlin. Geklagt hatte die Unternehmensberatung Ernst & Young, vertreten durch die Anwaltskanzlei „Redeker, Sellner, Dahs“.

Apassionata-Gründer Peter Massine sieht sich unterdessen mit einem Rechtsstreit um die Finanzierung des Projektes konfrontiert. 

Laut einer Mitteilung der Kanzlei, war Ernst & Young mit der Suche nach einem Investor für das Showpalast-Großprojekt beauftragt worden. Wie in solchen Fällen üblich sollte es bei erfolgreicher Vermittlung ein an der Investitionssumme orientiertes, prozentuales Erfolgshonorar geben. Ebenfalls üblich: Der Vertrag versprach Ernst & Young Exklusivität. Das heißt: Den Beratern wurde zugesichert, dass nur sie mit der Investorensuche betraut würden.

Doch dann habe sich der Reitshow-Gründer plötzlich mit einem chinesischen Unternehmen auf eine Großinvestition verständigt und das „nach umfangreichen Analysen, Prozessdefinitionen und Vorgesprächen, die Ernst & Young für die Apassionata durchgeführt hat“, wie es in der Mitteilung der Anwälte heißt.

Hier endete offenbar die friedliche Zusammenarbeit von Massine und den Unternehmensberatern. Laut Anwaltskanzlei gab der Geschäftsmann keine Auskünfte über die mit den chinesischen Investoren getroffenen Vereinbarungen und verweigerte die Zahlung des Erfolgshonorars – obwohl beides Ernst & Young vertraglich zugesichert worden sein soll.

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Ernst & Young zog daraufhin vor Gericht – und bekam in einem ersten Verfahren recht. In einem Urteil von Mitte März verpflichtete der Richter die Massine Group GmbH, den Klägern Auskunft über die Vertragsabschlüsse im Zusammenhang mit der Finanzierung des Showpalasts zu geben. „Dieses Urteil wird nun gegebenenfalls mit der Androhung von Zwangsgeld oder Zwangshaft gegen Herrn Massine als Geschäftsführer der Massine Group GmbH vollstreckt, wenn er die Auskunft nicht kurzfristig freiwillig erteilt“, erklärt Rechtsanwalt Peter-Andreas Brand von „Redeker, Sellner, Dahs“.

Sobald die Auskunft vorliegt, möchte Ernst & Young in einem zweiten Schritt auf die Zahlung des Erfolgshonorars klagen. Denn die Investitionssumme, vermutet das Unternehmen, könnte beträchtlich sein: „Wir gehen von einem Erfolgshonorar von bis zu 1,4 Millionen Euro aus. Wir können nur hoffen, dass wir das uns zustehende Geld noch bekommen“, sagt Carsten Risch, Geschäftsführer von Ernst & Young.

Peter Massine war für eine Stellungnahme gestern nicht erreichbar. Beim für den Bau der Arena zuständigen Unternehmen, der Apassionata World GmbH und der ihr unterstehenden Apassionata Park München GmbH, distanziert man sich unterdessen von der Klage. Massine sei nicht mehr Geschäftsführer des Unternehmens, teilte eine Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Jedoch, die Verbindung zwischen dem Apassionata-Gründer und der für den Bau der Spielstätte zuständigen Gmbh erscheint nach wie vor eng. Registriert sind die beklagte Massine Group GmbH und die Apassionata World Gmbh zumindest unter der selben Adresse in Berlin. Und ruft man bei einem weiteren der nach wie vor von Massine geführten Unternehmen an, nimmt eine Mitarbeiterin der Apassionata World GmbH das Telefon ab. Massines Unternehmensgeflecht sei „weit verzweigt“ heißt es dann auch in der Mitteilung der Anwaltskanzlei.

Auf der Baustelle im Münchner Norden gehen die Bauarbeiten unterdessen weiter. Im Herbst soll die Premiere stattfinden. Die Show soll also weitergehen.

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