Anwohner müssen in Hotels übernachten

Hoch entzündliche Stoffe: Lage in Kieferngarten-Siedlung verschärft

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Die Feuerwehr sichert die Gegend ab.

Die Lage am Kieferngarten hat sich verschärft. Seit Montag bergen Spezialisten rund zehn Tonnen Sprengstoff aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Anwohner dürfen nach einem weiteren Fund heute gar nicht mehr zurück.

Ort des Geschehens

Das Munitionsdepot in Freimann hat sich Donnerstagabend als noch viel gefährlicher erwiesen, als bislang befürchtet. Zusätzlich zu den bereits bekannten Granaten und panzerbrechenden Bomben wurden Phosphor-Sprengsätze und ein weiterer noch nicht identifizierter Kampfstoff in Kanistern entdeckt!

Am Montag hatte die Bergung der zehn Tonnen Kampfstoffe im Zwergackerweg begonnen, die offenbar am Ende des zweiten Weltkrieges in einer Grube verscharrt worden waren, neben der später Wohnhäuser errichtet wurden. Der Großteil liegt heute im Garten von Melitta Meinberger (72). Die Existenz des Munitionslagers war schon seit Jahren bekannt. Doch mit der Brisanz, die sich am Donnerstag entwickelte, hatte niemand gerechnet:

„Im Zuge der Räumung des Munitionsfunds am Zwergackerweg 3 in Freimann hat der Sprengmeister vor Ort beschädigte Munition und voraussichtlich auch ausgelaufene Chemikalien gefunden“, teilte die Berufsfeuerwehr Donnerstagabend mit. Weiter: „Der Sprengmeister schätzt deshalb die Gefahr, dass sich die Sprengmittel selbst entzünden könnten, höher ein.“ Besonders Besorgnis erregend ist folgende Auskunft: „Die Munition wurde mit nassem Sand abgedeckt, um die Gefahr der Selbstentzündung und mögliche Auswirkungen bis zur Fortsetzung der Räumungsarbeiten am Freitag früh zu minimieren.“

Das deckt sich mit den tz-Informationen, nachdem es sich bei der Flüssigkeit um Phosphor handelt. Phosphor ist ein höchst brandgefährlicher Kampfstoff, der sich in Verbindung mit Sauerstoff selbst entzünden und entsetzliche Verletzungen verursachen kann. Brandoberrat Björn Maibaum, (37) sprach vor Ort außerdem von „größeren Kalibern mit gefährlicherem Sprengstoff“, als bislang vermutet. Außerdem sollen mehrere Kanister einer namentlich noch nicht bezeichneten, extrem gefährlichen Flüssigkeit gefunden worden sein.

Vor Ort sicherten 62 Feuerwehrleute und 26 Sanitäter die Gefahrenstelle ab. Für 24 Anwohner, die ursprünglich für 40 Tage in einem Radius von 50 Metern um den Fundort nur tagsüber die Häuser verlassen sollten, hieß es Donnerstagabend sofort Koffer packen. 

Auch Sanitäter waren vor Ort, die sich um mobilitätseingeschränkte Anwohner kümmern.

Einige kamen in Hotels unter, andere bei Angehörigen. Und der Evakuierungsradius wurde für vorerst zehn Tage auf 100 Meter verdoppelt. In dieser Sperrzone liegen laut Feuerwehr rund 100 Häuser mit rund 200 Bewohnern. Es ist vorgesehen, dass die für die Betroffenen während des Evakuierungszeitraums mehrere Zeitfenster geöffnet werden, um den Bewohnern die Möglichkeit zu geben, sich mit dringend Benötigtem auszustatten oder notwendige Erledigungen vorzunehmen. Falls Haustierbesitzer ihre Lieblinge in die neuen Unterkünften nicht mitnehmen dürfen, stellt die Stadt Kontakt zum Tierheim und Veterinäramt her.

Damit ist klar: Freimann befindet sich weiterhin im Ausnahmezustand. Die Besitzerin, in deren Garten der Sprengstoff gefunden wurde, macht sich auch darüber Gedanken, wer für die Entsorgung zahlen wird. Rein rechtlich würde Melitta Meinberger für die rund 200.000 Euro aufkommen.

Die Stadt teilt via Facebook mit, welche Adressen genau betroffen sind

Ackerlweg, HsNR.: 1, 3, 5, 7, 9

Zwergackerweg, HsNr.: 1, 1a, 2, 3,4, 6 

Schlößlanger, HsNr.: 1, 3, 5, 6, 6a 

Pinienweg, HsNr.: 10, 12, 15, 17

Arvenweg, HsNr.: 12

Rottannenweg, HsNr.: 14, 16, 21 

Weißtannenweg, HsNr.: 14 

Frietingerweg, HsNr.: 1, 3, 5, 7, 9, 11, 13, 15, 17, 

Sonnleitnerstraße, HsNr.: 1, 3, 5, 7, 9, 11, 13, 15, 17, 19 

Obere Hausbreite, HsNr.: 6, 6a, 7, 9, 11, 13, 15, 17, 19, 21, 23, 25, 27, 29, 31, 33, 35, 37, 39, 41, 43, 45, 47, 49, 51, 53, 55 

Herman-Levi-Straße, HsNr.: 1

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