Kein Platz, kein Personal

BRK kritisiert Umgang mit den vielen Asylsuchenden

+
Am Freitagmorgen wurden immer wieder Flüchlinge aus der Bayernkaserne per Bus in andere Quartiere gebracht.

München - Ratlos blicken die sechs Syrer auf die Anzeigentafel am Münchner Hauptbahnhof. Wohin jetzt? „Mannheim!“, flüstert einer. Das war die Stadt, die ihm genannt wurde – von einem deutschen Beamten.

Mehr weiß der Flüchtling nicht. Ja, ein Zugticket hat man den Männern noch in die Hand gedrückt. Das war’s. In Mannheim soll es Platz für sie geben, hat man gesagt. Die Männer sind müde, seit Tagen unterwegs. Wann ihr Zug fährt, auf welchem Gleis: Sie wissen es nicht.

Diese Szene spielte sich Freitagfrüh am Hauptbahnhof mehrmals ab. Der Grund: Am Morgen zogen gleich 1000 Asylbewerber aus der ehemaligen Bayernkaserne um (700 sollen noch folgen): 400 davon kamen nach Oberbayern, Niederbayern und Schwaben; 600 fuhren in andere Bundesländer. Die meisten Asylsuchende sind aus Afrika, Syrien und dem Irak.

Fakt ist: Das Umquartieren sowie die Tatsache, dass jeden Tag rund 300 weitere Asylsuchende in den Freistaat einreisen, sorgt für Chaos. Teils stehen Menschen verloren am Straßenrand, weil sich niemand um sie kümmert. Für den Geschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes ist das ein Skandal: „Diese Menschen fallen doch nicht vom Himmel!“, schimpft Leonhard Stärk. „Wie kann es sein, dass die Behörden teils gar nicht wissen, wie viele Menschen ankommen und auch keine Ahnung haben, wo sie untergebracht werden sollen?“

Hauptbahnhof: Die Flüchtlinge versuchen, die Anzeigentafel zu enträtseln: Wo müssen sie hin? Vor kurzem waren sie noch in Italien, dann in der Bayernkaserne, jetzt geht es nach Mannheim.

Wie schlimm die Zustände sind, zeigt besonders ein Vorfall vor zwei Nächten in Zirndorf (Mittelfranken). Dort gibt es ein Quartier für 650 Hilfesuchende – doch plötzlich standen in und vor dem Lager 1300 Menschen! „Da mussten plötzlich Familien auf der Straße schlafen“, berichtet Stärk. Das BRK reagierte sofort, baute noch in der Nacht Zelte auf. „Wir brauchen ein Art Task-Force, die verhindert, dass ein solches Chaos entsteht. So kann es jedenfalls nicht weitergehen“, fordert er. Erst am Freitag wurde das BRK wieder von der Regierung gebeten, in Nürnberg (Deutschherrenwiese) ein Zeltlager für 500 Flüchtlinge zu errichten. „Wir sind nur dabei, von einem Ort zum anderen zu hetzen.“ Ein Grund für das Dilemma: „Die Regierung stellt zu wenig Personal zur Verfügung, um den Flüchtlingen beizustehen. Zudem wird es Zeit, dass endlich mehr Kasernen und ähnliche Räumlichkeiten freigestellt werden.“

Auch Bayerns Chef der Arbeiterwohlfahrt, Thomas Beyer, ist sauer: „Die Staatsregierung hat dieses Thema völlig verschlafen. Es kommen immer mehr Flüchtlinge, die unsere Hilfe brauchen – und keiner weiß, wohin mit ihnen!“

Für Dienstag hat die Staatsregierung einen Asyl-Gipfel einberufen. Die Verbände können kritisieren, wo es hakt. Auch Leonhard Stärk wird dort sein: „Aber eigentlich brauchen wir keine Worte – sondern Taten. Jetzt!“

A. Geier

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare