Kunstsammler in Schwabing gestorben

Gurlitt tot: Was passiert jetzt mit seinem Erbe?

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Bilder aus Gurlitts Schatz – wie viele der über 1500 Werke unter Nazi-Raubkunstverdacht stehen, wird geprüft.

München Montag Vormittag ist Kunstsammler Cornelius Gurlitt nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 81 Jahren in seiner Schwabinger Wohnung gestorben. Was passiert jetzt mit seinem Bilderschatz?

Er war so etwas wie der große Unbekannte der Nachkriegs-Kunstszene. Viele Jahrzehnte lang ahnte niemand, welch kostbaren Schatz – oder gar: mehrere Schätze – der Münchner Cornelius Gurlitt in seiner Schwabinger Wohnung, aber auch in seinem Haus in Salzburg hortete. Und das war dem Mann nur recht so: Ab und an verkaufte er eine der Kostbarkeiten an einen Galeristen, ansonsten liebte er die Stille.

Dienstag Vormittag ist Cornelius Gurlitt nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 81 Jahren gestorben. Er lebte zuletzt in seiner Schwabinger Wohnung, sein Arzt und sein Pfleger waren in der Todesstunde bei ihm. Es war der ausdrückliche Wunsch Gurlitts, nach wochenlangem Aufenthalt in einer Klinik in seine Wohnung zurückzukehren. Hier wurde er in den vergangenen Wochen rund um die Uhr pflegerisch versorgt und betreut, teilte sein Sprecher Stephan Holzinger Dienstag mit.

Seit Gurlitts Bilderschatz im November 2013 publik wurde, wurde aus dem Mann, der Menschen scheute, eine Person des öffentlichen Interesses. All das, was er nie sein wollte. Wie viele Bilder, vor allem die der Expressionisten und allgemein der frühen Moderne, nun tatsächlich Nazi-Raubkunst sind, wird ermittelt.

Für Gurlitt war das alles kaum zu ertragen. „Mehr als meine Bilder habe ich nichts geliebt in meinem Leben“, sagte er dem Spiegel. Und er litt, als „seine“ Schätze vom Zoll konfisziert wurden.

Was mit dem Erbe von über 1500 Werken von unter anderen Picasso, Dürer, Manet, Degas und Kirchner passiert, steht noch in den Sternen. Der einsame Gurlitt hatte kaum Verwandte. Falls kein Testament existiert, gilt die gesetzliche Erbfolge. Falls keiner das Erbe antreten will, fallen die Bilder an den Staat.

Cornelius’ am Bodensee lebender Cousin Dietrich Gurlitt sagt zur tz: „Die ganze Sache hat ihm schon sehr zugesetzt. Er hatte aber auch immer schlecht auf seine Gesundheit achtgegeben. Das Gesicht war ja immer totenbleich.“ Ob er in einem möglichen Testament als Erbe eingesetzt sei, wisse er nicht.

Außer Dietrich Gurlitt gibt es noch eine Cousine sowie einen Schwager im Württembergischen, zu dem Gurlitt noch den intensivsten Kontakt pflegte. Der hatte den Behörden Bilder aus dem Besitz Cornelius’ überreicht, nachdem der Fall seines Schwagers um die Welt ging. Der Kampf um die Bilder geht in eine neue Runde.

Die Chronologie

28. Februar 2012: Fahnder entdecken in Cornelius Gurlitts Wohnung in Schwabing mehr als 1400 Gemälde – vor allem der klassischen Moderne. Sie werden beschlagnahmt.

3. November 2013: Der Focus berichtet über den Fall.

11. November 2013: Die Staatsanwaltschaft Augsburg richtet eine Task Force zur Eigentumsklärung ein.

23. Dezember 2013: Gurlitt wird unter Betreuung gestellt.

28. Januar 2014: Die Task Force teilt mit, dass insgesamt 458 Werke unter NS-Raubkunstverdacht stehen.

Ende Januar 2014: Gurlitt absovliert in Stuttgart eine Bypass-Operation.

10. Februar 2014: Weitere rund 60 Bilder aus Gurlitts Sammlung werden in Salzburg sichergestellt.

5. März 2014: Das Amtsgericht ordnet die weitere Betreuung Gurlitts an.

26. März 2014: Gurlitts Betreuer Christoph Edel lässt mitteilten, dass die Salzburger Sammlung Gurlitts 238 Werke umfasst. Außerdem gibt er bekannt, dass Gurlitt sich bereit erklärt, als Raubkunst anerkannte Bilder an die Erben jüdischer Vorbesitzer zurückzugeben.

9. April 2014: Die Augsburger Staatsanwaltschaft hebt die Beschlagnahmung auf: Gurlitt bekommt seine Bilder wieder. Das Ermittlungsverfahren läuft weiter.

22. April 2014: Gurlitts Anwälte legen Beschwerde gegen die Staatsanwaltschaft ein – die Beschlagnahme der Kunstwerke sei nicht rechtens gewesen.

6. Mai 2014: Cornelius Gurlitt stirbt.

We, M.B.

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