Krise besonders sichtbar

Kult-Laden macht dicht: Münchner Flaniermeile leidet schon länger - dann folgt „Brandbeschleuniger“

Ein Lederwarengeschäft in Schwabing muss wegen der Corona-Krise schließen.
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Ein Lederwarengeschäft in Schwabing muss wegen der Corona-Krise schließen.

Viele Läden in Schwabing hatten schon vor der Corona-Pandemie zu kämpfen. Die Krise wirkt wie ein Brandbeschleuniger für die Probleme des Einzelhandels. Viele müssen nun zusperren.

  • Viele Läden in Schwabing hatten schon vor der Corona-Pandemie zu kämpfen.
  • Die Krise wirkt wie ein Brandbeschleuniger für die Probleme des Einzelhandels.
  • Viele müssen nun zusperren, beispielsweise Hallhuber oder das Jacken-Label Jott.

München* - Die Hallhuber-Filiale ist zu. Das Jacken-Label Jott gibt es nicht mehr. Und der Lederwarenladen sagt schon mal „Servus“. An kaum einem anderen Ort in München scheint es dem Einzelhandel so schlecht zu gehen wie an der Hohenzollernstraße im Herzen Schwabings. Auf der Flaniermeile zwischen Leopoldstraße und Kurfürstenplatz spiegelten sich schon vor der Pandemie in vielen leeren Schaufestern nur die Blicke der Passanten. Nun wirkt die Corona-Krise* wie ein Brandbeschleuniger.

„Das Thema Ladensterben ist nicht neu“, sagt Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern. Seit der Jahrtausendwende haben es lokale Läden immer schwerer. Erst verdrängten große Ketten die kleinen Geschäfte und ließen die Mieten ansteigen, dann kam der Onlinehandel – und jetzt auch noch Corona. „Wir gehen davon aus, dass wegen der Pandemie etwa 5000 Geschäfte in Bayern schließen werden“, so Ohlmann. Problematisch seien dabei nicht nur die Pleitemonate März und April: „Noch immer sind die Umsätze 15 bis 20 Prozent unter dem Durchschnitt.“ Die Verlierer der Krise sind Branchen, bei denen die Lust mitkauft: Kleiderläden, aber auch der Schreibwarenhandel. „Viele Verbraucher gehen nicht gerne mit Maske bummeln. Da kauft man nur schnell, was man braucht“, erklärt Ohlmann. Dazu kommt: Großstädten wie München fehlen weiterhin die Touristen und Messebesucher.

Corona München. Ladensterben in Schwabing - „40 Jahre hatten wir den Laden. Jetzt ist Schluss“

Ein Umstand, der Hans Döbert dazu bewog, seine Hetzenecker-Filiale in der Hohenzollernstraße endgültig zu schließen. „40 Jahre hatten wir den Laden. Jetzt ist Schluss“, sagt Döbert, der schon vor der Corona-Krise mit dem Gedanken spielte zuzusperren. Neben der steigenden Miete habe sich auch das Gesicht der Straße mit den Jahren verändert: „Früher gab es hier einzigartige Läden. Die ganze Stadt ist dafür nach Schwabing gekommen. Als es nur noch Ketten gab, wurden es weniger Kunden“, sagt er.

Viele von Döberts Kollegen warten noch: Im November beginnt das Weihnachtsgeschäft, das für ein Fünftel des Jahresumsatzes sorgt. Ohlmann: „Das Problem ist: Im Lockdown haben viele das Online-Shopping für sich entdeckt.“ Daher könne den Einzelhandel jetzt nur noch ein „sehr, sehr gutes Geschäft“ retten. S. Mercier - *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netwerks.

Coronavirus München: Hilfsaktion für kleine Läden von American Express

Besonders betroffen von der Corona-Krise sind die kleinen Geschäfte von nebenan. Der Kreditkartenanbieter American Express hat deshalb die Aktion „Shop Small“ ins Leben gerufen. Für einen Einkauf von über 20 Euro in einem kleinen Laden bekommen Kunden fünf Euro zurück. „Mit diesem Angebot wollen wir unseren Kunden einen weiteren Anreiz bieten, ihre Lieblingsgeschäfte zu unterstützen – oder auch neue zu entdecken“, so Fabiana Mingrone, Geschäftsleiterin Privatkartenbereich bei American Express. Ladeninhaber wie Medo Diet vom Münchner Homegirl Store merken einen Sinneswandel: „Das Bewusstsein der Verbraucher für die Wichtigkeit, lokal einzukaufen, ist gewachsen. Die Läden um die Ecke brauchen jetzt die volle Unterstützung.“

Am Samstag ist in München trotz Corona-Pandemie ein Mega-Party-Event anberaumt: Für einen illegalen Rave gibt es bereits mehrere Hundert Zusagen. Die Polizei ist gewarnt.

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