Die Details des grausigen Verbrechens

Drama im Keller: Aus Eifersucht erstach Krzysztof seine Monika

Mit einem Obstmesser und einem Teppichmesser tötete Krzysztof (27) seine Verlobte Monika (33). Die Details des grausigen Verbrechens – und wie Nachbarn den letzten Streit erlebten.

München - „Endlich ist die Zeit für mich gekommen!“, schrieb die Putzfrau Monika B. (33) am 10. November überglücklich ins Facebook-Profil ihrer großen Liebe, des Trockenbauers Krzysztof „Krzysiek“ W. (27). Und alle Freunde freuten sich mit dem Paar. Das Glück währte keine vier Monate: Am Montag erstach Krzysiek W. seine Freundin in der gemeinsamen kleinen Wohnung im Souterrain einer Doppelhaushälfte im Grasrainweg in Freimann. Seine Tatwaffen: ein Obstmesser und ein extrem scharfes Teppichmesser. Monikas Körper war übersät von Stichen und Spuren stumpfer Gewalt. Für Markus Kraus von der Münchner Mordkommission und Staatsanwalt Florian Weinzierl sind die Mordmerkmale wie Heimtücke (die Frau wurde auch von hinten angegriffen) und niedrige Beweggründe (Eifersucht) sehr klar erfüllt. Die ganze Nacht lang suchte die Polizei mit Streifenwagen, Hubschrauber, Hunden, Fahndungsfoto und internatio­nalem Haftbefehl nach dem Täter. Am Dienstag um 12.30 Uhr stellte sich Krzysztof W. in der Polizeiinspektion 21 (Au). Lesen Sie hier die Details über das mörderische Ende einer großen Liebe – und wie die Nachbarn das Drama erlebten.

Drama im Keller: So starb Monika

Krzysztof W. hat auf seinem Facebook-Profil viele gemeinsame Fotos mit seiner Monika gepostet. Am Dienstag tötete er seine Verlobte im Keller ihres Hauses.

Fast auf den Jahrestag genau – nämlich am 7. Februar letzten Jahres – hatte Krzysztof W. seiner pol­­ni­schen Heimat in der Provinz von Krakau den Rücken gekehrt und in München ein neues Leben begonnen. Er arbeitete als Trockenbauer, interessierte sich für schöne Autos, schöne Frauen und genoss die Vorzüge der Großstadt. Alles änderte sich, als Monika B. in sein Leben trat: Auch sie stammt aus Polen, hatte 2013 einen Landsmann geheiratet und arbeitete auf eigene Rechnung als Putzfrau. Als sie Krzysztof traf, war sie schon wieder solo. Das war Ende Oktober.

Das Internetprofil ist voll von verliebten Fotos: Die beiden im Wald, in der Stadt, bei einem innigen Kuss – auf jeden Fall immer ganz eng zusammen und überglücklich. Für beide schien es die große Liebe zu sein – so groß, dass ihr Freund ihr am 28. Januar bei einem Juwelier am Marienplatz den Verlobungsring über den Finger streifte. Es war ein schlicht gefasster Brillant. Und sie trug sogar schon seinen Namen – nur so zum Spaß. Offenbar war für beide die Hochzeit nicht mehr fern.

Zunächst jedoch bauten die beiden an ihrer gemeinsamen Zukunft. In Freimann suchten sich die Verliebten ein neues Zuhause, ein Zimmer im Souterrain, dass sie sich gerade selbst renovierten. Das letzte Foto von Monika entstand nur drei Stunden vor dem Mord: Da hockt sie lächelnd auf dem Boden und streicht die Heizung. Auf dem Fensterbrett liegt zwischen Werkzeug das Teppichmesser...

Ein schlicht gefasster Brillant war der Verlobungsring der beiden. Am 28. ­Januar um 15.36 Uhr postete Krzysztof dieses Foto vom Juwelier am Marienplatz.

Doch das Lächeln täuscht. Schon am Vorabend hatte das Paar heftig gestritten. Um 17.20 Uhr wird es am Montag in der Wohnung wieder laut. Die Nachbarn hören plötzlich Hilfeschreie aus dem Keller. Es ist Monika, die um ihr Leben schreit.

Die Tür ist von innen abgeschlossen. Jemand hat einen Zweitschlüssel, öffnet die Tür. Der Anblick ist schockierend. Aus vielen Wunden blutend liegt die junge Frau auf dem Boden. Offensichtlich wurde sie auch massiv geschlagen. Krzysztof steht neben ihr. Voller Angst knallen die Nachbarn die Tür zu und schließen den Täter ein. Als Notarzt und Polizei eintreffen, ist Krzysztof längst aus dem Fenster gestiegen und weggelaufen. Monika B. wird noch am Tatort reanimiert, stirbt aber wenig später im Krankenhaus.

Wo Krzysztof die Nacht verbracht hat, ist noch nicht geklärt. Kurz bevor er sich am Dienstag Mittag stellt, löscht er Monikas letztes Foto aus dem Profil und schreibt in polnischer Sprache einen letzten Satz an seine Freunde: „Es ist endlich vorbei“. Dann klingelte er an der Tür der Polizei und stellte sich. Er sitzt schon in U-Haft.

Die letzten Nachrichten seiner Freunde hat er vermutlich nicht mehr gelesen. Es sind harte Schmähungen und entsetzte Reaktionen. Eine Freundin schreibt tieftraurig: „Ein Verlierer ist der, der seine Hand gegen eine Frau erhebt.“

Dorita Plange

Bluttat von Freimann: Die Bilder vom Tatort

Was die Nachbarn des Paares sagen

Im Rewe hatte Krzysztof W. zuletzt Hausverbot.

Die Vögel zwitschern am Dienstagvormittag am Grasrainweg in Freimann, sonst ist es ganz ruhig in der Siedlung. Einige Anwohner stehen auf dem Gehweg. Sie können immer noch nicht fassen, was hier am Tag zuvor passiert ist: Der 27-jährige Krzysztof „Krzysiek“ W. soll seine Verlobte Monika B. erstochen haben. „Ich habe am Montagnachmittag einige Polizeiautos mit Blaulicht in die Sackgasse fahren sehen“, erzählt Manuel K. Ihm war sofort klar, dass etwas Schlimmes passiert sein muss. Der 30-Jährige dachte zunächst an einen Einbruch. „Mit so etwas rechnet man ja nicht.“ Manuel K. kannte das Paar. „Sie haben sich oft gestritten“, erzählt er. Die 33-Jährige sei häufig mit dem Handy auf der Terrasse gestanden und habe telefoniert. Ein voller Aschenbecher steht an der Stelle, auf die Manuel K. deutet.

Das Paar wohnte erst seit kurzer Zeit am Grasrainweg. In den wenigen Wochen, in denen sich die beiden ihre kleine Wohnung in der Doppelhaushälfte einrichteten, hörten die Nachbarn immer wieder, dass der Trockenbauer und die Reinigungskraft aneinander gerieten. Häufig spielte auch Alkohol eine Rolle. Auf vielen Fotos hält die 33-Jährige eine Bierdose in der Hand. Stammkunden im Rewe-Supermarkt in der Nähe der Wohnung berichten, dass Krzysiek W. am Tattag schon ganz in der Früh betrunken dort aufgetaucht ist. Er wollte Alkohol kaufen, ist aber sofort wieder rausgeflogen. Denn der Trockenbauer hatte bereits am Samstag Hausverbot in dem Supermarkt erteilt bekommen – er und seine Verlobte sollen gemeinsam mit einer Bekannten immer wieder Spirituosen im Rewe geklaut haben.

Was war der Grund für den tödlichen Streit? Ein Anwohner, der seit knapp 40 Jahren in der Siedlung wohnt, erzählt, dass Monika B. die Verlobung wieder gelöst haben soll. Erst am 28. Januar hatte Krzysztof W. seiner großen Liebe einen Verlobungsring geschenkt. „Krzysiek hat vermutet, dass sie einen anderen Mann hat“, sagt der Nachbar. Ob da etwas dran ist, weiß keiner der Anwohner. Gesehen hat niemand einen anderen. Der Pole hatte aber offenbar Angst, seine Monika zu verlieren. Rasend vor Eifersucht erstach „Krzysiek“ die Frau, die er so sehr liebte...

Stefanie Wegele

Rubriklistenbild: © fkn/Gaulke

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